Es begann in Samedan 1893
Golf ist ein ausgesprochen traditionsgebundener Sport, der vor über 100 Jahren in der Schweiz Fuss zu fassen begann. Erster Golfclub war der GC Samedan, der 1893 gegründet wurde. Initiiert hatten die Anlage Touristen aus Grossbritannien.
Lange Zeit war Golf eine reichlich elitäre Angelegenheit und blieb den wohlhabenden Schichten vorbehalten. Dies nicht zuletzt deshalb, weil der Betrieb eines Golfplatzes enorm teuer ist, und weil die Kosten auf relativ wenige Mitglieder verteilt werden. Die meisten Clubs weisen im Durchschnitt 400 bis 600 Mitglieder auf.
1902 wurde der Schweizerische Golfverband, die Association Suisse de Golf, ASG, ins Leben gerufen. Primäres Ziel war die Förderung des Golfsportes. Diese ging freilich nur zögerlich vonstatten. Nicht zuletzt die zwei Weltkriege bremsten die Entwicklung erheblich. So erstaunt es nicht, dass man 1975 lediglich 28 Golfclubs zählte. Erst 1983 wurde die Schallgrenze von 10'000 Clubmitgliedern durchbrochen.
Die zunehmende Reisetätigkeit in den goldenen 80-er Jahren dürfte dafür verantwortlich sein, dass die Schweizer plötzlich vermehrt mit Golf in Berührung kamen. Sie spielten in Florida, Thailand, Südafrika und Spanien, und als sie zuhause ebenfalls den Schläger schwingen wollten, stellten Sie fest, dass in den Golfclubs lange Wartelisten bestanden.
Die Schweiz war aber damals noch nicht reif für den Golfsport. Weder die Bauern, noch die Politiker und schon gar nicht die Umweltverbände konnten mit dem eigenartigen Sport etwas anfangen. So entstanden die ersten Schweizer Golfplätze der Neuzeit im nahen Ausland.
Und dann kamen die Boomjahre: Mitte der 90-er Jahre liberalisierte sich die Landwirtschaft zusehends, und Bauern begannen, sich nach neuen Einnahmequellen umzusehen. Zwischen 1990 und 2000 nahm die ASG 35 neue Clubs auf, was praktisch einer Verdoppelung entspricht. Entscheidend dazu beigetragen hat neben privaten Initianten vor allem die Migros. 1995 verkündete der damalige Migros-Chef, Eugen Hunziker, er wolle fünf bis sechs öffentliche Golfanlagen bauen. Was damals niemand richtig ernst nahm, traf ein: Heute betreibt die Migros sechs Golfparks (www.golfparks.ch), und weitere Projekte sind in Planung. Auch andere Initianten realisierten ihre Projekte landauf, landab, sodass man heute in der Schweiz 97 Golfclubs zählt, die dem Verband angeschlossen sind.
Migros hatte gewissermassen den Golfsport sozialisiert. Jedes Jahr bildeten die Golfschulen des orangen Riesen zahlreiche Golferinnen und Golfer aus. Da diese nicht nur auf den Migros-Plätzen spielen wollten, und viele Schweizerinnen und Schweizer in den Ferien im Ausland mit dem Spiel begannen, wurde die Idee eines neuen Verbandes entwickelt. Er sollte jene Golferinnen und Golfer aufnehmen, die nicht Mitglied in einem Club sind, die aber trotzdem Golf spielen wollen. So wurde 1998 der Verband der unabhängigen Golfer, Association des Golfeurs Independents, ASGI, als Tochter der ASG gegründet. Deren Mitglieder können zu moderaten Jahreskonditionen auf zahlreichen Plätzen der Schweiz ihrem Hobby nachgehen. Inzwischen haben auch die Migros-Spieler die ASG Golf Card Migros erhalten, mit welcher sie auf privaten Plätzen spielen können.