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Travel, Destinations - Deutschland - Mai 09

Golfen auf der Sandbank

Sylt mit seinem mehr als 40 Kilometer langen, strahlend hellen Strand gilt als «schönste Sandbank Deutschlands». Und hat auch tolle Golfplätze.

ÜBERALL SICHTBAR Der Leuchtturm von Kampen ist nicht nur vom Meer her, sondern auch auf fast allen Golflöchern in Augenreichweite.

TYPISCH SYLT Das Morsumer-Clubhaus ist im für Sylt typischen Baustil gehalten

KURZ UND GUT Ein toller Kurzplatz, der Gaadt-Course des GC Sylt

FINALE FURIOSO Die letzten Löcher vor dem Clubhaus des GC Sylt haben es in sich.

MITTEN DURCH DIE DÜNEN...führen die Fairways des Marine Golfclub.

FÜR LINKS-FANS Der Auslblick vom zweiten Tee des Golfclub Budersand lässt die Herzen der Links-Fans höher schlagen.

GUTE ADRESSE Das Landhaus Stricker gehört zu den besten Hotels der Insel.

INSEL AUF DER INSEL Die freundliche Bezeichnung für den Benen-Diken-Hof.

MEERBLICK INBEGIFFEN Der auf den Dünen gelegene Dorint Söl'ring Hof.

WELTBERÜHMT Das Sansibar kennt jede und jeder - bei Tag und Nacht

KAMINZIMMER Hier geniessen die Gäste des Landhaus Stricker regionale Köstlichkeiten.

Gastronomisch und kulinarisch spielt Sylt schon seit einiger Zeit in der «Champions League des Tourismus». Das ist sicher auch einer der Gründe, weshalb sich vor allem im Sommer – neben den «normalen» Gästen – auch viele Prominente und festfreudige «VIPs» auf Sylt einfinden. An der so genannten «Whiskeystrasse» im mondänen Kampen wird dann gerne gut und ausgiebig gefeiert. Um dort aufzufallen, muss es schon ein Aston Martin oder Lamborghini sein. Porsche, Benz oder Ferrari zählen hier zum Alltagsbild.

 

Sylt aber auf eine Partymeile oder einen Promi-Treff zu reduzieren, wäre völlig falsch. Mittlerweile ist die nördlichste der deutschen Inseln zur attraktiven Golfdestination geworden, zumal im Juli letzten Jahres die vierte Golfanlage offiziell eröffnet wurde. Es sind Courses, die ganz unterschiedliche Charaktere haben und deshalb den golfenden Gästen auch Vielseitigkeit bieten können.

 

Wo der «Bild»-Gründer golfte

 

Den vielleicht exklusivsten Golfclub Deutschlands, den GC Morsum, findet man ganz im Osten der Insel. Den liess sich einst der Verleger-Tycoon Axel Springer als privates Hideaway bauen, und auch heute hat der Club nur rund 200 Mitglieder, von denen genau eines ständig auf Sylt lebt.

 

Der Ausbau auf 18 Loch ist abgeschlossen, die Eröffnung erfolgt in diesen Tagen. Der Charakter der Anlage ist einmalig. In den Salzwiesen, praktisch im Wattenmeer, findet man ein Kleinod, das golferisch zwar nicht wirklich anspruchsvoll ist, dafür aber immer wieder mit reizvollen optischen Eindrücken geradezu verschwenderisch umgeht. Das Wattenmeer ist fast immer in Sicht – und drückt bei starken Hochwassern sogar bis auf den Platz.

 

Quer über Fairway 7 verläuft deshalb auch ein Deich. Hier braucht es einen guten Drive, um nicht den zweiten Schlag «blind» machen zu müssen. Ansonsten halten sich die Schwierigkeiten in Grenzen, auf nur zwei Bahnen kommt Wasser ins Spiel und auch Bunker hat es nicht im Übermass. Bei wenig Wind lässt sich hier richtig gut scoren.

 

Der GC Sylt plant die Zukunft

 

Der GC Sylt war der erste Golfclub, der auf der Insel über einen 18-Lochplatz verfügte. Neben dem grossen Parcours hat der Club unter dem ständig präsenten Leuchtturm Kampens noch einen hübschen Kurzplatz zu bieten, den Gaadt-Course. Hier lässt sich mit viel Spass das kurze Spiel trainieren.

 

Die 18 Bahnen des Hauptplatzes könnten so auch auf dem Festland zu finden sein, denn der Charakter der Anlage hat wenig mit typischem Küstendesign zu tun. Dafür kommt immer wieder schön angelegtes Wasser ins Spiel. Von einigen Bahnen aus hat man einen weiten Blick über eine Heide bis hin zum Wattenmeer. Dass auf dem Platz historische Hünengräber in das Layout eingearbeitet wurden, hat schon so manchen Gast sehr beeindruckt.

 

Der Platz wird ganzjährig sehr gewissenhaft gepflegt und ist stets in gutem Zustand. Von den rund 1200 Mitgliedern leben etwa 250 auf der Insel. Weil zudem noch viele Gastspieler den Platz erleben möchten, ist die Frequenz in der warmen Jahreszeit sehr hoch. In Kürze wird der Club sich entscheiden, ob auf der schon erworbenen Fläche zusätzliche neun Bahnen angelegt werden, oder ob die Front Nine grosszügiger angelegt werden.

 

Fest steht, dass man im GC Sylt die Entwicklung der Insel zur Golfdestination voll mitgehen will – und dass daher der jetzt schon attraktive Platz kontinuierlich verbessert werden soll. Der Club, der am Fuss des Kampener Leuchtturms seine Heimat hat, investierte zuletzt auch in ein neues Servicehaus, um seinen Gästen alle Annehmlichkeiten bieten zu können.

 

Ein Links durch und durch

 

Aus dem einst sehr einfachen Golfplatz der Marineflieger, dem Marine GC, ist durch den Ausbau, der einem kompletten Neubau gleichkommt, ein kleines Juwel geworden. Seit 1953 wird am Flughafen Golf gespielt, zuerst von der Royal Air Force auf 6 Bahnen. 1980 wurde der Marine Golfclub gegründet, der zunächst nur den Angehörigen der Marine und den zivilen Mitarbeitern offenstand. Später durften auch die Sylter den Golfplatz nutzen. Um nach dem Abzug der Marine den Golfplatz erhalten zu können, kaufte der in eine Genossenschaft umgewandelte Club das Gelände, und der Ausbau auf 18 Loch wurde beschlossen.

 

Der schottische Architekt Kenneth J. Moodie bekam den Auftrag, einen echten Links-Course in die Sylter Dünenlandschaft einzuflechten. Der heutige Parcours hat es in sich und erfüllt alle Ansprüche, die man an so einen naturnahen und puristischen Herausforderer stellt. Die Grüns sind knallhart und sehr schnell, selbst wenn sie nicht ganz so kurz gemäht sind. Die Bunker, oft als tiefe Pottbunker an die richtigen Stellen gesetzt, sind wahre Monster und ziehen die Bälle in grossen Mengen förmlich an. Wer hier nicht taktisch klug spielt, muss eben auch einmal damit umgehen können, nach einem langen Drive in einem Sandtrichter sein persönliches Waterloo zu erleben. Bei den Annäherungen sind oft Chip-and-runs gefordert – ein hoher Pitch ins Grün kann dagegen die falsche Wahl sein.

 

Der Kampf des Spielers gegen die Elemente wird hier geradezu zelebriert. Dazu gehört auch, dass die Fairways im Marine Golfclub zwar alle 25 Meter über einen Sprinkler verfügen, die aber trotz genügend Wasserreserven nur sehr zurückhaltend eingesetzt werden. Denn in Westerland sollen die Bedingungen geschaffen werden, die man auch an der schottischen Küste vorfindet: trockene Böden, die den Ball hart aufschlagen lassen. Sogar die Gräser wurden der schottischen Originale entsprechend ausgewählt.

 

Obwohl durch die sehr spärliche Vegetation viele Bahnen optisch ähnlich aussehen, sind sie oft so charakteristisch, dass sie einen hohen Wiedererkennungswert haben.

 

Bahn 8 zum Beispiel ist ein langes Par 4 und zählt zu den schwierigsten Löchern des Platzes. In der Landezone des Drives lauern Bunker, denen man tunlichst aus dem Weg gehen sollte. Zudem kommt hier für alle Freunde des gepflegten Slices auch Wasser ins Spiel …

 

Die längste Bahn ist von Weiss aus satte 555 Meter lang. Auf der 14 muss man gerade bei Gegenwind mächtig kämpfen, um das Grün in Regulation zu erreichen.

Die 15, die vielleicht schönste Spielbahn des Platzes, ist gleichzeitig auch die zweitschwierigste. Schon am Abschlag dieses Par 4 kann man nicht spontan erkennen, wo der Ball optimal zu platzieren ist. Aber das Anspiel ins Grün ist dann wunderschön, gewissermassen eine Belohnung: Ein Bildhauer könnte kein beeindruckenderes Werk schaffen, als es hier dem Architekten gelungen ist.

Das Fazit über diesen Links-Course fällt für Freunde dieser Platzart sehr positiv aus. Es wird bewusst in Kauf genommen, dass es Golfer geben wird, die mit dem Zustand des Platzes nicht einverstanden sind. Ein Links-Course hat einen anderen Charakter als Parkland- oder Bergplätze. Und das ist gut so. Nach getaner «Arbeit» darf man sich im neu erbauten Clubhaus auf eine gute Küche freuen – der bekannte Sylter Gastronom Thomas Möller schwingt hier den Kochlöffel.

 

«Der beste Neue Deutschlands»

 

Der Jüngste der Golfplätze auf Sylt ist Budersand. Dieser Course bietet nicht nur sportlich anspruchsvolle Bahnen, sondern immer wieder auch faszinierende Aussichten auf die Nordsee. Hier ist wahrlich ein grosser Wurf gelungen. Dass man vom Tee 2 sowohl das Wattenmeer als auch die offene Nordsee sehen kann, ist einmalig in Deutschland.

 

Die Fairways, optisch geschickt voneinander getrennt, sind meist recht schmal und enden auf Grüns, die gross genug sind, um ein faires Spiel zu ermöglichen. Sportlich anspruchsvoll ist dieser Links-Course dennoch, denn mehr als 90 Pottbunker lauern auf Opfer.

 

Um diesen Platz in einen Zustand zu bringen, der seinen schottischen Vorbildern gleicht, wurde sogar ein Course-Manager aus der Wiege des Golfsports verpflichtet, der sich mit grosser Mannschaft um den Platz kümmert. Obwohl genügsame Grassorten verwendet werden, sind die Fairways komplett zu beregnen – und zwar von beiden Seiten, um bei Wind aus jeder Richtung ein Austrocknen zu verhindern.

 

Eines der Signature Holes des Platzes ist die 13. Das Grün dieser 149 Meter langen Par-3-Bahn liegt in einem grossen Trichter, eingerahmt von kräftigen Dünen.

 

Bei guter Sicht wird man auf Tee 15 etwas länger verweilen wollen, denn ein herrlicher Blick über das Watt bis hinüber zu den Nachbarinseln Amrum und Föhr nimmt einen gefangen. Durch die Bahnen 16, 17 und 18 verläuft ein kleiner, hübsch angelegter Bachlauf. Somit ist auch für Wasserhindernisse gesorgt, die aber nur selten ins Spiel kommen.

 

Bewusst gibt es kein «Club»-Haus, sondern ein «Golf»-Haus, denn der Platz ist offen für jedermann und kommt ohne Club aus. Am Budersand sind alle Golfer gleich und zahlen Greenfee. Dieses ist sehr moderat und der Startrhythmus von 15 Minuten sichert zudem eine Runde Golf ohne Hektik oder Stress.

 

Der offene Charakter der Anlage hat auch dazu geführt, dass alle Beteiligten in Hörnum an einem Strang gezogen haben, damit das Projekt umgesetzt werden konnte. Das 50-Millionen-Euro-Investment wird durch ein Fünfsterne-Hotel gekrönt, das Ende Mai eröffnet wird.

 

Eine Krönung anderer Art wurde dem GC Budersand selbst zuteil: Er wurde vom deutschen «GOLFmagazin» zum «besten neuen Platz Deutschlands» gewählt.

 

Sterne, wohin man blickt

 

Nirgendwo sonst sind auf so kleinem Raum so viele Sterneköche zu Hause wie auf Sylt. Im Söl’ring Hof schwingt Johannes King den Kochlöffel. Zwei Michelin-Sterne kann zwar nur er aufweisen, aber weitere drei Köche auf Sylt haben immerhin einen Stern: Jörg Müller im gleichnamigen Restaurant, Alexandro Pape im Fährhaus Munkmarsch sowie Holger Bodendorf im Landhaus Stricker.

 

Mindestens zehn weitere Restaurants gehen knapp am Stern vorbei. Zusätzlich locken einige Bistros mit exzellenter Küche und einem unnachahmlichen Flair, wie er so leger und trotzdem gediegen nur auf Sylt zu finden ist. Das wohl berühmteste, die Sansibar, sei hier stellvertretend für alle anderen genannt.

 

In der Hotellerie siehts genauso aus. Das Dorint Hotel Söl’ring Hof, das Landhaus Stricker und das Fährhaus Sylt sind mit fünf Sternen ausgezeichnet. Es gibt aber mindestens 20 weitere Hotels, die jedem Anspruch mehr als genügen.

 

Preise

 

Landhaus Stricker Doppelzimmer inklusive Gourmet- Frühstück € 260,00 - € 295,00 

 

Anreise

 

Air Berlin fliegt mehrmals in der Woche von Zürich via Düsseldorf nach Westerland. Mit dem Autoreisezug geht es über Nacht ab Lörrach nach Hamburg. Von Hamburg aus sind es noch knapp 200 Kilometer bis zum Sylt-Shuttle nach Niebüll.

 

Infos:

 

www.sylt.de

www.gcsylt.de

www.1golf.eu

www.budersand.de

 

Karte (klicken)

 

Autor: Stefan Blümer

 

 
 
 
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