Die Zahlen variieren: Je nach Quelle, die man konsultiert, sind es zwischen 54 und 70 Millionen Olivenbäume, die auf den 19 000 Quadratkilometern Fläche der Region Apulien ihre Wurzeln geschlagen haben. Wer sie gezählt hat, ist nicht überliefert, aber Tatsache ist, dass 45 Prozent des Olivenöls, das in Italien produziert wird, aus Apulien kommen. Und so haben die knorrigen Bäume, die zum Teil seit über tausend Jahren hier stehen, nicht nur die Landschaft, sondern auch ein paar Familien reicher gemacht.
Aber die Olivenbäume sind nicht das Einzige, das die aufstrebende Tourismusregion Apulien ihren Gästen zu bieten hat. Die Landschaft hat Weite und ist von schlichter, ergreifender Schönheit. An den insgesamt 800 km Küstenlinie lassen sich noch idyllische Strände finden, und für Kulturbeflissene ist das Angebot an sehenswerten Abteien, Krypten und Kathedralen schier unerschöpflich.
Enorme Fortschritte hat auch Apuliens Hotellerie gemacht. Typisch dafür sind heute die so genannten «Masserie» (mit Betonung auf dem «i»). Das sind zu Gasthäusern aus- beziehungsweise umgebaute klassische Gutsbetriebe, die durchweg der guten Durchschnitts-, im Einzelfall aber auch der Spitzenhotellerie zuzurechnen sind. Dass man in diesen oft burgähnlichen, zum Teil aus dem 15. Jahrhundert stammenden ehemaligen Landwirtschaftsbetrieben weitestgehend Selbstversorger ist, versteht sich von selbst – Frischegarantie inklusive.
Stilvoller gehts kaum
Vittorio Muolo (42) betreibt zusammen mit seinem Bruder Domingo vier solcher Masserie, darunter auch die beiden in Steinwurfdistanz voneinander entfernt liegenden Fünfsterne-Häuser Torre Maizza und Torre Coccaro. Die Hotels liegen bei Fasano, einem Städtchen, das von Brindisi aus mit dem Mietwagen in rund einer Stunde zu erreichen ist.
Das üppige Platzangebot gehört bei den Muolos zum Luxus. Die geschmackvoll eingerichteten Zimmer sind grosszügig geschnitten, und jedes hat seinen eigenen kleinen Vorgarten. Und der von Säulen und alten Mauern umgebene Swimmingpool ist an Romantik kaum zu überbieten.
Als Landwirtschaftsbetriebe liegen die Masserie logischerweise nicht direkt am Meer, doch alle Muolo-Betriebe verfügen über einen eigenen Beach-Club mit einem langen Sandstrand. In dieser intim-maritimen Atmosphäre lässt die Küche dann regelmässig die besten Produkte aus dem adriatischen Meer auffahren. Stilvoller gehts kaum, besonders nicht bei hereinbrechender Dämmerung …
Golf gespielt wird in Torre Maizza auch. Zurzeit gibt es in der Region Apulien fünf 18-Loch-Plätze, jener der Muolos ist noch im «9-Loch-Executive-Stadium». Aber Vittorio hat konkrete Päne: «Wir haben ein weiteres Grundstück erworben und werden bald auf 18 Löcher erweitern», sagt er.
Spitzenhotellerie in San Domenico
Eine andere Masseria, die wir während unseres Trips nach Apulien besuchten, war San Domenico. Das 1996 als Boutiquehotel mit 20 Zimmern eröffnete und 2001 erweiterte Bijou gehört heute zu den «Leading Small Hotels of the World». Geführt wird San Domenico von der aus der Gegend stammenden Signora Marisa Melpignano, die zusammen mit ihrem Mann den Landsitz ursprünglich als Feriendomizil erworben hatte. Damals wohnten die Melpignanos noch in London, wo sie das San Domenico House im noblen Stadtteil Chelsea führten.
Fester Bestandteil der Masseria San Domenico ist auch der gleichnamige Golfclub, wo jedes Jahr Ende Saison das Finalturnier der Challenge Tour ausgetragen wird. Der Club ist edel, die Eingangshalle hat etwas fast schon Sakrales, und die Mitgliederliste ist nur gerade 20 Namen lang. Das Erfreulichste daran: Unter der Woche ist es überhaupt kein Problem, eine Startzeit zu bekommen. Als Hotelgast ist man auch übers Weekend bevorzugt und profitiert zudem von einem reduzierten Greenfee (70 statt 120 Euro, Hochsaison).
Auch die Ebners schätzen San Domenico
Dass auch immer mehr Schweizerinnen und Schweizer zum Golfen, wegen der Kultur oder einfach zum Entspannen und Geniessen nach Apulien reisen, liegt sicher auch an den Direktflügen Zürich–Brindisi, die Helvetic Airways seit 2007 zwei Mal wöchentlich anbietet. Airline-Besitzer Martin Ebner (ehemals BZ Bank) schwankt bei seinen regelmässigen Abstechern nach Apulien gemäss eigenen Aussagen diplomatisch «zwischen den verschiedenen, wunderschönen Masserie». Seine Frau Rosmarie ist besonders angetan von San Domenico: «Für mich ist das ein Synonym für die perfekte Erholungsoase.»
Apulien
Apulien, der südöstlichste der 20 Landesteile Italiens, zieht sich von der Halbinsel Gargano im Norden bis nach Santa Maria di Leuca der Adriaküste entlang nach Süden. Von dort aus grenzt die Region bis hinauf nach Taranto ans Ionische Meer. Insgesamt ist Apulien mit 800 km das längste Küstengebiet Italiens. Hauptstadt der Region ist Bari, weitere wichtige Städte sind Foggia, Brindisi, Taranto und Lecce, die Stadt der 100 Kirchen. Apulien zählt vier Mio. Einwohner.
Anreise
Helvetic Airways fliegt als einzige Schweizer Fluggesellschaft zweimal wöchentlich (Donnerstag und Sonntag) von Zürich aus diekt nach Brindisi. Infos auf www.helvetic.com oder 044 270 85 00
Karte (klicken)
Infos
www.golfandevents.ch Golf-Reiseveranstalter, Pionier in Apulien
www.enit.ch Enit, italienische Zentrale für Tourismus
www.pugliadoc.net Consorzio Puglia Doc in Lecce
www.masseriatorremaizza.com Masseria Torre Maizza (s. Text)
www.masseriatorrecoccaro.com Masseria Torre Coccaro (s. Text)
www.imasseria.com Masseria San Domenico (s. Text)
Autor Stefan Waldvogel