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Travel, Destinations - Nordamerika - Jun 09

Kanadisches Golf in Ontarios «nahem Norden»

Mit über 650 Courses hat die kanadische Provinz Ontario eine bemerkenswerte Golfplatzdichte. Die Geheimtipps liegen im Near North, einer Region drei bis vier Autostunden nördlich von Toronto, in der es im Herbst am schönsten ist.

RED Wenn Kanadas Nationalbaum, der Ahorn, seine Farbe wechselt, dann ist Herbst.

NATURNÄHE GARANTIERT Eines ist sicher: So natur-und so wildsnah golft man nur im "Near North".

FORE? WO DENN? Hier kann (muss) man sich noch aufs eigene Spiel konzentrieren...

ER SCHEINT IN SICH ZU RUHEN... Der Platz des Cedar Green GC - auch er wikt nicht gerade überlaufen

VOGELPERSPEKTIVE Der Platz des Timberwolf GC von oben.

PRIVATSPÄRE Mit einem gemieteten Cottage sind Sie autonom.

IT'S YOUR CHOICE Das Restaurant: Hier werden sowohl Köstlichkeiten als auch Währschaftes gereicht.

 Sie nennen es «Frenglish» – und es soll eine Sprache sein. Das ist es wohl auch, denn untereinander verstehen sie sich prächtig. Wenn hier jene Einheimischen miteinander reden und diskutieren, die französische Wurzeln haben und Lafleur heissen und Campeau, Pitre und Chalotte, so mag man wohl das eine oder andere Wort irgendwie verstehen. Einen Sinn des Gesprochenen jedoch kann man höchstens erahnen. Da nützen auch die besten Englisch- und Französischkenntnisse nichts.

 

Der Nahe Norden Ontarios, die grosse Region zwischen der in den letzten Jahren boomenden Mining Town Sudbury und dem 120 Kilometer entfernten Städtchen North Bay am ebenso riesigen wie wunderschönen Lake Nipissing, wird auch heute noch zu rund vierzig Prozent von French-Ontariens bewohnt. Ihr «Französisch» ist in Satzstellung und vor allem Aussprache nicht nur noch mittelalterlicher geblieben als jenes der nahen Quebecois. Sie haben es, durch keinerlei separatistisches Gedankengut gehemmt, auch ungeniert mit englischen Vokabeln durchsetzt und daraus eben jenes «Frenglish» gemacht, das es so unverwechselbar wie unverständlich macht.

 

Immerhin: Wenns sein muss, sprechen alle auch flottes Rein-Englisch. Auf dem Golfcourse ist das Sprachliche deshalb sicher kein Handicap. Im Gegenteil – auch die Sprache der Golfer ist schliesslich weltweit anglifiziert.

 

Tatzenspuren im Bunkersand

Und Golfer gibt es hier zuhauf. Und darum auch viele Golfplätze. Dass sie sich im Süden um den «Horseshoe» ballen, die hufeisenförmige Region rund ums Westufer des Lake Ontario, verwundert nicht. Hier leben schliesslich die über fünfeinhalb Millionen Menschen der Greater Toronto Area. Zumindest urbane Europäer mögen dagegen darüber staunen, dass die Ontarier auch dort in grosser Vielzahl Courses bauen und leidenschaftlich driven und putten, wo das Thermometer im Winter problemlos unter minus 30 Grad fallen kann, und wo Wölfe und Bären ihre Spuren immer mal wieder im Sand der Bunker hinterlassen, wenn sie nachts die Fairways kreuzen.

 

Wer dann allerdings diese wunderschöne, oft leicht hügelige, von endlosen Mischwäldern und unberührten Seen überzogene Landschaft im Sommer und Herbst besucht, beginnt zu verstehen. «Und wirkliche Arbeit machen uns nur die Elche», erzählt Rheal Demers, Greenkeeper im Lively Golf & Country Club, trocken. «So ein Hunderte von Kilo schwerer Bulle kann schon tiefe Dellen auf dem Green hinterlassen. Zum Glück geschieht dies aber nur ganz selten.»

 

Wenn der «Intimidator» wartet

Nicht alle der über 40 Courses im Near North of Ontario erfüllen höchste Golfer-Ansprüche. Doch jene am Westufer des Lake Nipissing und einige rund um Sudbury nehmen es in jeder Beziehung mit den High-Class-Golfplätzen rund um Toronto auf. In einem schlagen sie sie sogar um Längen: Nirgendwo sonst in Ontario golft man wildnisnaher. Und im Herbst farbenprächtiger.

 

Einer der schönsten und flächenmässig der mit Abstand grösste Course ist der vom weltbekannten Architekten Thomas McBroom entworfene Timberwolf-Golfplatz. Das durchdachte Design lässt einen die Weite Kanadas erleben und meist in grosser Abgeschiedenheit spielen. Man geht auf eine Reise durch die Wildnis, kreuzt Bäche und Feuchtgebiete, kann dabei ohne weiteres auf Biber, Otter und Wildenten treffen, spielt um bizarre Felsformationen des Canadian Shields herum und entlang von lindengrünen Birkenhainen. Gleichermassen Leckerbissen wie Herausforderung für gute Putter sind dabei die grossen, bis zu 9000 Quadratfuss grossen Greens. Timberwolfs Pièce de résistance ist das Hole Nummer 7 mit dem Spitznamen «The intimidator» – der Einschüchterer. Grund ist der enorm schwere Abschlag mit Wasser auf der linken Seite und Bäumen und viel Rough auf der rechten.

 

Wer gerne variantenreich spielt, der ist mit dem gleich neben dem Timberwolf gelegenen Par-70-Course des Cedar Green Golf Clubs bestens bedient. Über alles gesehen ist er der wohl schwierigere Parcours. Das vor allem darum, weil seine «Front nine» in scharfem Kontrast zu den «Back nine» stehen. Die ersten Neun bieten alle typischen Stolpersteine des Nordens: Enge, Bäume, natürliche und künstliche Wasserhindernisse. Die zweiten Neun gleichen mit ihren offenen Fairways dagegen jenen im Süden der Provinz. Doch Achtung: Das letzte Loch hats dann mit einer Überraschung wieder in sich. Mehr soll hier nicht verraten sein.

 

Tri-Par: 9000 Yards oder 387 Mio. Kombinationen

Mitunter muss man in die Provinz, um das Avantgardistische zu finden. Das Örtchen Noelville, zwischen der traumhaften Seenwelt des Nipissing-Westarms, wartet seit rund zwei Jahren mit einer golferischen Innovation auf, von der manche Experten überzeugt sind, sie werde sich über kurz oder lang zu einem Standard auf Golfcourses entwickeln: The Maples Golf & Sports Club ist als Tri-Par-Circuit konzipiert. Das Konzept ist einfach: Jedes einzelne Loch hat verschiedene Tee-Positionen und kann demzufolge als Par 3, 4 oder 5 gespielt werden. Momentan noch ein 9-Lochplatz, sind so schon 19 000 Kombinationen möglich. Wird The Maples in allernächster Zukunft zum 18-Lochplatz, so sind es gar schier unglaubliche 387 Millionen! Wer dabei 18 Mal die Maximalvariante Par 5 spielt, macht den Platz damit zum Par-90-Course mit einer Gesamtlänge von 9000 Yards. Eines jedenfalls garantiert dieses möglicherweise für den Golfsport bahnbrechende Konzept: Langeweile kann nicht aufkommen. Einmal ganz abgesehen von der natürlichen Schönheit, die The Maples bietet. Nomen est omen: Er ist tatsächlich von Tausenden von Kanadas Nationalbaum, dem Ahorn, bestanden, dessen Blätter die ganze Gegend gegen Mitte bis Ende September in Blutrot kleiden.

 

Nur wenige Meilen Luftlinie von dieser weltweit bis heute einzigartigen Attraktion entfernt liegt der für Natur-Ästheten vielleicht schönste aller hiesigen Golf Courses, Meadow Springs. Durch die wellige Landschaft ergeben sich immer wieder neue Golf-Welten. In diesem «Wellental» fühlt man sich wie in einem auenartigen grünen Meer aus satten Wiesen, und von den Anhöhen aus überblickt man die spektakuläre Gegend bis zum Lake Nipissing. Besonders der hintere Teil des Courses, der die zweiten neun Löcher umfasst, bietet einige dramatische Steigungen – Loch 10 wird dafür über 205 Yards permanent abwärts gespielt, immer Richtung See. Der Platz kennt jedoch keine wirklich grossen Schwierigkeiten, an welchen Topgolfer riskieren, sich die Zähne auszubeissen. Die beiden stark hängenden Greens an Loch 5 und Loch 8 erfordern jedoch äusserste Konzentration und genaue Berechnung.

 

Nur die durchgeladene Winchester fehlt

Wenn man das erste Mal aufs Clubhouse des Laurentide Golf Clubs ausserhalb von Sturgeon Falls zufährt, kann es durchaus sein, dass ein Hüne von Mann aus dem Gebäude tritt, breitbeinig dasteht, nach rechts ausspuckt und verächtlich fragt: «Are you from the government?» Mit den offiziellen Stellen in diesem sehr regulierten Land Kanada hats einer wie Moe Mantha, Besitzer und Betreiber dieses Golfclubs, eben nicht so gut. Er, der in Gestik, Duktus und Statur ungemein an John Wayne erinnert, verkörpert viel eher das Bild jenes Kanadas, das man sich in Europa gerne von ihm macht: weit, frei, wild. Und irgendwie ist es das ja auch geblieben.

 

Ganz sicher ist das der Fall auf diesem zwar äusserst attraktiven und hervorragend gepflegten, aber trotzdem irgendwie rauen Laurentide Golf Course. Ein Platz trägt eben immer die Handschrift seines Bosses. Und das ist Moe hier zweifelsohne. Laurentide ist deshalb ein Platz, zu dem man vor allem wegen Moe kommen sollte – und auch wegen des 19. Lochs. Einen Rye (kanadischer Whisky) nach der Runde und die rauen Sprüche von Moe, das darf man sich eigentlich nicht entgehen lassen. Dass der Course selber durchaus ähnliche Naturschönheiten bietet wie andere in der Gegend, schadet da sicher auch nicht. Immerhin golft man hinunter zu den Ufergebieten des Sturgeon Rivers. Wer seine Angel mitbringt, schafft es vielleicht sogar tatsächlich, einen Sturgeon, einen Stör, an Land zu ziehen.

 

Nicht ohne meinen Dresscode…

Das Gegenstück zum eher hemdsärmeligen Moe ist John Mullock vom Lively Golf & Country Club. Der General Manager dieses semi-privaten Golfareals achtet äusserst penibel aufs Einhalten der Etikette: So wird der Dresscode «strictly enforced», und jeder, der ein kleines Bier als Verpflegung für heisse Tage und Matches in seiner Golftasche versteckt, muss damit rechnen, umgehend rausgeworfen zu werden, wenn der Alkohol entdeckt wird. Dafür wird man mit den zweifellos manikürtesten Greens im Norden Ontarios verwöhnt – und überhaupt mit einer eleganten Atmosphäre. Der 18-Lochplatz mäandert über 61 Hektar smaragdgrünes Parkland, das sehr an die Ostküstenstaaten der USA erinnert. Einlullen sollte man sich von dieser lieblichen Umgebung aber nicht lassen. Denn die härteste Prüfung hier folgt erst am letzen Loch: Dieses Dogleg Par 4 hat schon manch grosses Tournament, das hier gespielt wird, entschieden.

 

Der Älteste hat Jahrgang 1924

Etwas südlich von Sudbury schlängelt sich der French River von Ost nach West. Er ist der Ausfluss des Lake Nipissing, dessen Wasser er, mal breiter Strom, mal fast schon weisses Wildwasser, in den Lake Huron leitet, also einen der so genannten «Grossen Seen». Auf einer Insel im River, die damals der Whiskey-Dynastie Seagram gehörte, entstand 1924 der erste Golfplatz so weit nördlich von Toronto. Bis in die 1960er-Jahre war er ausschliesslich mit dem Boot erreichbar. Vom Golferischen her ist er kein Muss. Keines der 18 Holes bietet wirklich Aussergewöhnliches. Trotzdem sollte man diesen Platz einmal spielen, wenn man die Zeit hat. Wie kein anderer atmet er bis heute noch Geschichte. Und vom Landschaftlichen her nimmt er es selbst mit dem Lively-Park auf. Vor allem konzentriert sich hier alles, was das Golfen in diesem Nahen Norden so speziell macht: traumhafte Natur, eine ursprüngliche Ambiance gepaart mit einer herben Eleganz.

 

Vielleicht spürt man hier am French River am ehesten, dass es etwas ganz Spezielles ist, im Norden Ontarios zu golfen. «But bien sûr, where else pourrait-il être mieux?!», würde jeder French-Ontarian das bestätigen. Mit viel Glück könnte man nach ein paar Tagen Erfahrung mit und in dieser Gegend vielleicht sogar seine Aussprache verstehen…

 

Preise

 

The Westarm Lodge and Restaurant: ab 150 CDN pro Tag, 980 CDN pro Woche für bis zu vier Personen in Cottage. Gratis Hihgspeed-Wireless-Internet überall in Lodge.

Marriot Fairfield Inn & Suites: ab ca. 125 CDN pro Nacht. Free-Wireless-Internet, Hallenbad, Restaurant.

 

Anreise-Tipp:

 

Ausnützen sollte man die SWISS und Air-Canada Codesharing-Direktflüge sowohl nach Montreal als auch nach Toronto. Deshalb: Hinflug in die eine, Rückflug ab der anderen Metropole- jeweils mit ein, zwei Tagen Aufenthalt.

 

Karte (klicken)

 

Infos:

 

www.timberwolf.com

www.themaplesgolf.com

www.colonialgolf.ca

www.frenchrivergolfcourse.com

www.thewestarmlodge.com

www.killarney.com

www.marriot.com

 

Autor: Trevor Rushton

 

 

 

 

 
 
 
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