Mitte der 90er-Jahre, als in Engelberg der Golfclub gegründet wurde, hiess der Verein noch «Alpengolfclub Engelberg Titlis». Aber man erkannte schnell, dass der Zusatz «Alpen» golferische Reizwörter wie «Geissenplatz » oder «rauf und runter» geradezu provozierte, und so liess man ihn rasch einmal weg. Dafür kam der Titlis hinzu, für viele Touristen, gerade aus dem Ausland, ein Begriff. Wie auch immer – die eindrückliche Bergwelt ist natürlich ein wichtiger Bestandteil der wunderschönen Anlage.
2004 wurde aus dem vielleicht schönsten 9-Lochplatz der Schweiz eine 18-Lochanlage, die dank ihrer Lage auch Einblicke in eine traumhafte Landschaft bietet. Und so war es denn auch nicht ganz einfach, das wirklich schönste Loch des Platzes zu bestimmen. Je nachdem, auf welchem Fairway man sich gerade befindet und in welche Richtung man schaut, sind die Aussichten grundverschieden, aber fast immer von einer hinreissenden
Schönheit.
Zum Glück gibts aber noch andere Kriterien für das schönste Loch. Eines der wichtigsten heisst «Course Management». Und deshalb war in Engelberg eigentlich gar nie eine wirklich ernsthafte Diskussion aufgekommen, welches das schönste Loch sein sollte.
Es sollte die 13 sein, ein mittellanges Par 5, Dogleg links, mit dreimal frontalem Wasser und einer beachtlichen Höhendifferenz – die allerdings von oben nach unten gespielt wird.
Und fürchte Dich nicht…
Wer das erste Mal auf dem Abschlag 13 steht, der macht sich schon so seine Gedanken. Vom hinteren Herrenabschlag wirkt doch alles sehr, sehr schmal. Da habens die Damen, die von Rot spielen, schon etwas besser. Bei ihnen wirkt alles viel offener – was doch nur schon 60 Meter optisch ausmachen können! Aber da ist immer noch der Bach, der in einer Minischlucht nur wenige Meter vor der Teebox durchrauscht. Hand aufs Herz: Es gibt wenige eindrücklichere und mehr Respekt erheischende Abschläge in der Schweiz.
Der einzige Schönheitsfehler dieses Loches findet sich gleich auf der anderen Seite des Tobels. Aus Sicherheitsgründen wird dort das Fairway auf der rechten Seite durch ein hohes Netz begrenzt –aber wer hat schon einen Slice..?
Ist diese Stelle mal überwunden, wirds optisch sehr weit, nur das Fairway bleibt relativ schmal. Je nach Landezone des Abschlags bleibt noch ein ganzes Stück,bis die Spielbahn den Knick nach links und hinunter zur Engelberger Aa macht. Diese fliesst so ruhig dahin, als könnte sie kein Wässerchen trüben… Aber wehe, wenn sie losgelassen. Doch davon später. Eigentlich sollte es für viele Golferinnen und Golfer möglich sein, den zweiten Schlag hinunter und über die Aa aufs Fairway zu spielen. Nur, dieser Teil der Spielbahn ist auf allen Seiten von Wasser umgeben. Links und rechts des Fairways suchen sich zwei kleine Bergbächlein ihren Weg, eines davon quert das Fairway zudem nur wenige Meter vor dem ziemlich grossen Green. Wer ein gutes Score erreichen
will tut gut daran, seine Schläge überlegt zu machen und zu platzieren.
Birdie, Par, Par, Bogey
Der G&C-Flight zog sich ganz beachtlich aus der Affäre. Ein Birdie, zwei Pars und ein Bogey können sich auf einem Loch mit Strokeindex 2 absolut sehen lassen.
Mit dem Abschlag waren alle rundum zufrieden. Headpro Andreas Prinzing war von Weiss der Längste und brachte sich so in eine Position, von der aus er das Green angreifen konnte. Präsident René Rinderknecht landete von Gelb ebenfalls optimal im Knick des Fairways, aber ein bisschen mehr rechts. Das hat durchaus auch seine Vorteile – auch wenn der Weg aufs Green dadurch etwas länger wird. G&C-Frau Brigitte Huggel platzierte von den hinteren Ladies-Tees aus ihren Ball direkt neben demjenigen des Pros, doch bereits in einer leichten Bergab-Lage. Trudi Herzog landete eigentlich perfekt im Knick des Doglegs, allerdings etwas weit links, wo sich das Fairway bereits deutlicher abwärts neigt. Wegen der schwierigeren Abwärtslage kams dann mit dem Rescue zu einem Fehlschlag in den Abhang vor der Engelberger Aa (frontales Wasser). Aber Trudi Herzog liess sich nicht beirren, nahm den Rescue nochmals zur Hand und schlug den vierten Ball etwa 80 Meter vors Grün. Dann kam sie mit der Pitchingwedge aber so nahe an die Fahne, dass sie mit einem hart erkämpften Bogey davonkam.
Präsident Rinderknecht wählte für den zweiten Schlag die sichere Variante, griff zu einem Rescue 5 und landete am rechten Fairwayrand ebenfalls etwa 80 Meter vor dem Grün, genau gleich wie auch Brigitte Huggel. Rinderknecht und Huggel erreichten mit einer Wedge das Green in Regulation und mit je zwei Putts das Par.
Volles Risiko!
Pro Andreas Prinzing nutzte seine optimale Lage und entschied sich für die risikoreichere Variante und den Angriff aufs Green. Er packte sein Holz 3 aus, traf den Ball gut und landete wenige Meter vor dem Green aber immerhin über dem Bach und dem kleinen Weiher, der das grün zusätzlich schützt. Ein Pitch, ein Putt, das Birdie war perfekt.
Das Green mit dem zweiten Schlag anzugreifen ist nicht ungefährlich. Das zeigte das Spiel von Prinzing deutlich. Einen Meter kürzer, und der zweite Schlag wäre im Bach gelandet. Das Birdie hätte sich dann rasch in ein Bogey verwandeln können.
Wenn der Schein trügt
Auf der Anlage des Golfclubs Engelberg Titlis macht man immer wieder die gleiche Feststellung: Optisch sehen die Bahnen sehr oft recht harmlos aus. Aber eben nur optisch. Wenn man den Platz zum ersten Mal spielt, lohnt es sich bei jedem Abschlag, genau hinzuschauen und sich allenfalls bei einheimischen Spielern zu erkundigen. Schon die zweite Bahn hat rechts eine Ausgrenze, die viel näher beim Fairway steht, als man beim blossen Hinschauen vermuten würde. Taktisches, eher defensives Spiel zahlt sich mit Sicherheit aus.
Zahlreiche Wasserhindernisse, oft sehr nahe an den Greens, und gut platzierte Bunker verlangen volle Aufmerksamkeit. Zu sagen, es sei ein besonders schwieriger Platz, wäre aber mit Sicherheit auch falsch. Engelberg ist ein Platz, den man geniessen kann. Nicht zuletzt, weil er – zumindest bei den drei Besuchen des Schreibenden –in einem sehr guten Zustand war. Noch im Herbst waren die Grüns so gut, dass sich einige Clubs im Unterland daran ein Beispiel hätten nehmen können.
300000 Franken Greenfee-Einnahmen pro Jahr
Auf der Runde gab Präsident René Rinderknecht Auskunft über «seinen» Club. «Die Greenfee-Spieler kommen meistens nur für einen Tag hier hinauf», sagte er. Das mag an der – je nach Verkehr – relativ kurzen Anreise auf der Autobahn bis Stans und dann das Tal hinauf nach Engelberg liegen. Und trotzdem ist es schwer zu verstehen, wenn man die zahlreichen Ausflugsmöglichkeiten in der Region und die speziellen Golfangebote von nicht weniger als elf Engelberger Hotels in Betracht zieht.
«Rund 300000 Franken betragen die jährlichen Greenfee-Einnahmen», sagt Rinderknecht. «Das sind rund zwanzig Prozent unseres Budgets. Etwa 1 Million Franken kommt von den rund 440 Mitgliedern, weitere 200000 Franken sind Turniereinnahmen. » Engelberg-Titlis ist ein beliebter Austragungsort von Kundenturnieren, und auch die Sporthilfe veranstaltet hier ihre Trophy.
Das Kloster spielt mit
Das Kloster Engelberg und der Golfclub sind eng verbunden. Nicht nur darum, weil ein Teil des Platzes auf ehemaligem Klosterland liegt. Nein, das Kloster ist auch Aktionär im Club. Rinderknecht: «Das Kloster ist sehr tourismusfreundlich eingestellt und war uns gegenüber eigentlich immer gut gesinnt.» Das Kloster war schon involviert, als 1993 der Förderverein gegründet wurde. «Es war wichtig, dass sich der Förderverein fünf Jahre Zeit gegeben hat», sagt Rinderknecht. Heute ist die Trägerschaft der Anlage in der Golf Engelberg-Titlis AG zusammengefasst. Alle 440 Clubmitglieder sind auch Aktionäre. Und der für Unterhalt und Spielbetrieb verantwortliche Golfclub Engelberg-Titlis zahlt der AG eine Pacht. Rinderknecht ist sichtlich stolz darauf, dass der Club «keine Grossaktionäre hat».
Am Tag, als das Wasser kam
Besonders wichtig war das gute Einvernehmen im Sommer 2005, am Tag als das grosse Wasser kam und riesige Schäden anrichtete. Die Spuren sind teilweise noch heute sichtbar, doch sie haben letztlich auch zu «Verbesserungen» geführt. So ist das Loch 12 heute viel offener, wurde doch auf der linken Fairwayseite von der über die Ufer getretenen Engelberger Aa eine gewaltige Lücke in den Wald gerissen. Das Clubhaus hielt vermutlich nur Stand, weil sich darunter ein so genannter «Güllekasten» befindet, der sehr stark gebaut werden musste. «2005 erlebten wir eine gewaltige Welle der Solidarität», sagt der Präsident. «So boten zum Beispiel fast alle umliegenden Clubs unseren Mitgliedern vergünstigte Greenfees an. Kundenturniere konnten von einem Tag auf den anderen in befreundeten Clubs platziert werden. Für die Aufräumarbeiten stellten sich unzählige Helfer zur Verfügung. Und die Gemeinde unterstützte den Club mit schwerem Gerät.» Doch das Unwetter von 2005 sollte nicht lange der einzige «Schicksalsschlag» gewesen sein. Im August 2006 schwoll der Sulzbach innert Minuten derart an, dass er im Bereich der Löcher 3, 7 und 8 deutlich sichtbare Schäden verursachte. Doch mittlerweile vermag Rinderknecht allem Ungemach auch positive Seiten abzugewinnen. «Am meisten hat uns die Solidarität beeindruckt, die man uns entgegenbrachte. Und die Tatsache, dass es eigentlich keinen ‹Katastrophentourismus› gab». Er kann sogar ein bisschen lachen: «Von der Terrasse des Clubhauses haben wir jetzt freie Aussicht auf die Fairways zehn und elf und bis hinunter ins Tal.» Früher verwehrten riesige Bäume diesen Ausblick – sie sind alle weggeschwemmt worden.
Infos
www.golfclub-engelberg.ch
Eien
6390 Engelberg
041 638 08 08
Karte (klicken)
Autor: Hannes Huggel