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DER PRO V1X Das Modell wurde 2003 lanciert und hat ein etwas anderes Setting als der Pro V1. Im Bild Version 2017 mit weiter verbesserter Aerodynamik.

Der verschobene Putt, der letztlich das Golfspiel revolutionierte

In der langen Geschichte des Golfspiels gab es im Equipmentbereich nur wenige wirklich bahnbrechende Neuerungen. Eine davon war im Jahr 2000 der Golfball Pro V1 von Titleist.

Titleist und der Golfball: Das ist nicht nur eine rationale Erfolgsstory, sondern auch eine leidenschaftliche Liebesgeschichte – die 1932 mit einer herben Enttäuschung begann.

Damals stand ein gewisser Philip Young auf dem 18. Grün des New Bedford Country Clubs bei Boston und verstand die Golfwelt nicht mehr. Er hatte seinen kurzen Putt richtig gelesen, den Break korrekt eingeschätzt und den Ball perfekt im Sweetspot getroffen. Und dennoch fiel die Kugel nicht ins Loch, sondern rollte daran vorbei und blieb wie zum Hohn weit rechts vom Hole liegen.

Young nahm den Ball mit nach Hause und zeigte ihn einem guten Freund, einem Zahnarzt, der bereits ein Röntgengerät besass. Der Dentist examinierte den Querulanten und stellte fest, dass der Kern komplett verformt war. Dem Zahnarzt und seinem Freund Young war klar, dass dieser Ball nie im Leben geradeaus fliegen oder gar spurtreu rollen konnte. Die beiden untersuchten noch viele weitere Bälle und stellten fest, dass das Übel des verformten Kerns weit verbreitet war.

Zufälligerweise war Young Besitzer der Acushnet Process Company, einer Firma, die Industriekautschuk herstellte. Er kannte sich also mit dem Ballmaterial aus, und über einen Putt wie jenen neulich auf dem 18. Grün wollte er sich nie wieder ärgern müssen. Er tat sich mit Fred Bommer zusammen, einem Freund aus College-Zeiten, um mit ihm einen neuen Fertigungsprozess zu entwickeln, der einen gleichmässig runden Golfball garantierte. Die Tüftler brauchten drei Jahre, bis sie eine Methode gefunden hatten, bei der flüssiger Gummi gefroren und die Kautschukfäden auf eine neue Art und Weise gewickelt wurden.

Jetzt hatten Young und Bommer einen Ball, aber noch keinen Namen. Irgendwann kamen sie auf «Titleist» (gesprochen «Tait-list»), angelehnt an das  englische Wort «Titlist» für «Titelhalter». Und Youngs Sekretärin Helen Robinson schrieb aus einer Laune heraus den neuen Produktenamen in Schönschrift auf ein Stück Papier. Sowohl Young als auch Bommer waren vom Schriftzug so angetan, dass sie ihn gleich zum Firmenlogo machten.

Der Rest ist Geschichte, aber in den 1980er-Jahren schien man in Sachen Weiterentwicklung des Golfballs an einem toten Punkt angelangt. Im Prinzip waren die Kugeln zu einem «Entweder-Oder-Produkt» geworden: weich für versierte Spielende, hart für die grosse Mehrheit der Golferinnen und Golfer. Der «Professional» und der «Tour Balata» von Titleist waren butterweiche Bälle mit einem flüssigen Kern und einer Gummiwicklung, die zwar nur durchschnittlich weit flogen, beim Spiel rund ums Grün aber sehr viel ­Gefühl vermittelten. Die harten Bälle der Durchschnittsgolfenden hingegen bestanden aus einem Festkern und ­einer Schale, machten vom Tee aus zwar ordentlich Strecke, verhielten sich jedoch beim Kurzspiel wie bessere ­Steine.

Eine Kombination dieser zwei so unterschiedlichen Eigenschaften eines Golfballs hielten die meisten Ingenieure für unmöglich. Bill Morgan, heute Senior Vice President Forschung und Entwicklung (R&D) der Golfballsparte bei Titleist, erinnert sich: «Schon 1986, als ich ins Unternehmen kam, geisterte die Idee eines ‹Sowohl-als-auch-Balls› umher. Aber wir fanden des Rätsels Lösung nicht, und es schien beim Wunschdenken zu bleiben.»

Doch eines Tages tauchte bei einem Brainstorming die Idee auf, einen echt guten Ball wie zum Beispel den HVC mit einer dünnen Schicht Polyurethan zu überziehen. Das war die Geburtsstunde von «Project Veneer» (zu Deutsch «Projekt Überzug, Furnier»).

DIE NEUSTE GENERATION IST DA!
1996 konnten ausgewählte Playing Pros die ersten Prototypen dieser Bälle testen – und waren begeistert. Der Amerikaner Brad Faxon sagte: «In der Vergangenheit musstest du deinen Schwung anpassen, um einen neuen Ball zu beherrschen. Es hat Monate gedauert, um herauszufinden, wie man mit dem Ball arbeiten kann. Doch mit dem neuen Produkt klappte das auf Anhieb.»

Zu dieser Überzeugung gelangten auch zahlreiche Berufskollegen von Faxon: Als der Ball im Jahr 2000/2001 unter dem Namen Pro V1 offiziell auf den Markt kam, stellten die Cracks jedenfalls gleich scharenweise auf das neue Modell um. 2003 führte Titleist den Pro V1x ein, der für einen etwas steileren Abflugwinkel und einen höheren Ballflug ausgelegt ist. Seit der Lancierung kamen mehr als 1,5 Milliarden Pro V1 und Pro V1x in den Handel, was ihn zum meistverkauften Golfball der Welt macht.

Inzwischen liegen bereits die zehnte (Pro V1) beziehungsweise achte (Pro V1x) Generation der Erfolgsmodelle auf den Tees. Die Tatsache, dass Titleist seine eigene Urethan-Hülle herstellt, ermöglicht eine permanente Optimierung der Spieleigenschaften. Beim «Jahrgang 2017» wurden die Dimple-Muster beider Modelle zugunsten einer besseren Aerodynamik komplett überarbeitet, und der Pro V1 erhielt einen neuen Kern für mehr Speed bei unvermindertem Gefühl.

Richtpreis Pro V1/Pro V1x: CHF 65.–/DTZD.

STETER FORTSCHRITT Der neue Pro V1 repräsentiert bereits die zehnte Generation des Ur-Modells, der Pro V1x die achte.

PRO V1 Die Flugbahn dieses Balls ist etwas flacher, und er fühlt sich grundsätzlich etwas weicher an.

QUALITY FIRST Sorgfältigste Produktekontrollen sind eines der Markenzeichen von Titleist.