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Abschlagen wirkt eine hohe Kraft auf die Wirbelsäule. Das kann ohne Training zu Schmerzen führen.

Das Kreuz mit dem Kreuz

Haben Sie es auch schon gespürt? Es ist wieder mal Herbst! Und mit ihm sind die Zipperlein zurückgekommen: Der Rücken schmerzt, und es zwickt in den Gliedern.

Eigentlich wäre die dritte Jahreszeit gerade für Golfende besonders schön: Die Natur ist üppig und bunt wie sonst nie, die Sonne scheint nur noch milchig-mild, und auf den Fairways glitzern Tautropfen wie Diamanten. Ein Traum – wenn, ja wenn nur nicht diese Schmerzen im Rücken beim Bücken wären!


«Tatsächlich klagen im Herbst viele Menschen über schmerzende Gelenke», sagt Dr. Kerstin Warnke, Chefärztin Sportmedizin an der Schulthess-Klinik in Zürich und Chief Medical Officer von Swiss Olympic. Erklärt werden kann dies durch die vermehrte Feuchtigkeit und die tieferen Temperaturen. Einen wissenschaftlichen Beweis gibt es laut Warnke aber nicht.


In den kühlen Monaten kriecht die Nässe sozusagen bis in unsere Weichteilstrukturen. Dies erzeugt kaum sichtbare Schwellungen, was wiederum zu mehr Spannung in den Geweben und schliesslich zum «Ziehen und Ziepen» führt. Die Folge: Man fühlt sich ungelenk, etwas bewegungssteif und verspürt Schmerzen.


Die meisten Menschen begegnen diesen Schmerzen aber genau falsch, warnt Warnke. «Statt sich häufiger zu bewegen, tun sie physisch möglichst nichts mehr – in der Hoffnung, ihren Körper so zu schonen.» Aber damit erreichten sie genau das Gegenteil: «Die Muskulatur wird schwach, was zu einer Mehrbelastung der Wirbelsäule führt.»


Gerade beim Golf spielen sei ein Muskeltraining aber entscheidend. Die Ärztin, die mit Platzreife selbst die Clubs schwingt: «Beim Abschlagen kommt es zu ausgeprägten Rotationsbewegungen in der Wirbelsäule. Daraus resultieren hohe Belastungen für die einzelnen Gelenke des Rückens. Durch die Länge des Schlägers sowie den schweren Kopf am anderen Ende vervielfacht sich die Kraft, die auf die Wirbelsäule wirkt. Das muss man erst mal muskulär aushalten!» Genauso verhält es sich beim so genannten Ansprechen. Da muss der Hals nach vorne gestreckt werden. Und das belastet die Hals-Wirbelsäule stark.


Beim erwähnten Krafttraining geht es nicht um die bewegenden Muskeln, die zum Beispiel den Waschbrettbauch ausmachen, sondern um eine tiefer liegende Muskelgruppe. «Diese ist vielfach zu schwach, weil wir sie häufig zu wenig trimmen», sagt die Sportmedizinerin. Deshalb sei es auch keine Überraschung, dass gerade Golfprofis häufig Beschwerden im Bereich der Wirbelsäule hätten.


Um solche Schmerzen zu verhindern, sei es wichtig und richtig, sich regelmässig zu bewegen und im Golf vor allem die Rumpfmuskeln zu trainieren. Warnke: «Das Aufwärmen vor dem Spiel, gerade im Herbst und Winter, bringt den Stoffwechsel auf Arbeitstemperatur und beugt so Zerrungen und Verspannungen in Muskeln und Gelenken vor.»


Als das Beste zur Vorbeugung gegen Gelenkschmerzen oder zur Linderung von solchen Beschwerden hält die Sportmedizinerin die Kräftigungsmethode in Anlehnung an Pilates. Dabei wird die tiefe, stabilisierende Wirbelsäulenmuskulatur gekräftigt und die darüberliegenden Wirbelsäulenabschnitte mobilisiert. Das ist genau das, was man im Golf braucht: Stabilität im Kreuz und rotierende Bewegung darüber.


Ob mehr oder kaum trainiert: Um die Muskeln bei Kälte und Nässe zu schützen, braucht es ein angepasstes Outfit.


«Geeignet ist eine Sportbekleidung aus atmungsaktiven Stoffen», sagt die Fachärztin. «Bei dieser dringt keine Feuchtigkeit von aussen ein. Umgekehrt aber kann allfälliger Schweiss von innen nach aussen entweichen.»


Doch was, wenn die vermehrte Bewegung (noch) nicht zur Schmerzfreiheit geführt hat? «Die meisten Menschen reagieren positiv auf Wärme», so Kestin Warnke. «Die kann man sich zu Hause mit einer Bettflasche oder noch besser, mit einem heissen Kirschkernkissen, zuführen.»X


Tipps bei Nässe und Kälte 

  • BEWEGEN SIE sich möglichst oft.
  • STÄRKEN SIE Ihre Rumpfmuskulatur. Besonders geeignet dafür ist die Trainings-Methode nach Pilates.
  • TRAGEN SIE eine Bekleidung aus atmungsaktiven Stoffen, die Sie vor Einwirkungen von aussen schützt.
  • SPIELEN SIE nie in «kaltem Zustand». Wärmen Sie Ihre Muskulatur zum Beispiel mit einem kurzen Lauf auf, bevor Sie auf die Runde gehen.
  • GEHEN SIE nie nüchtern zum Golf spielen. Essen Sie vorher eine Kleinigkeit und trinken Sie etwas.
  • ENTSPANNEN SIE Ihre Rückenmuskeln zu Hause mit einer aufgelegten Wärmeflasche oder einem Kirschkernkissen.
Autor: Elisabeth Carabelli