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BODENKONTAKT ERLAUBT In Wasserhindernissen (neu «Penalty Area» genannt) darf der Club neuerdings auf dem Boden aufgesetzt werden.

Die Regelrevolution im ersten Test

Am 1. März haben der R&A und die USGA eine grundlegende Überarbeitung der Golfregeln angekündigt. Diese sollen am 1. Januar 2019 in Kraft treten. Regel-Guru Yves C. Ton-That hat die Neuerungen für G&C in der Praxis getestet.

Bei der für 2019 geplanten Revision handelt es sich um eine wahrhaftige Regelrevolution. Bei den bisherigen Überarbeitungen wurden jeweils punktuelle Anpassungen im Regeltext vorgenommen. Das heisst, es wurden einzelne Sätze angepasst oder ganze Absätze gestrichen, die Grundstruktur des Regelbuchs wurde jedoch stets beibehalten. Die nun angekündigte Revision ist grundlegend anders: Das Regelbuch wurde von der ersten bis zur letzten Seite neu geschrieben, kein Stein ist auf dem anderen geblieben. Die Anzahl der Regeln soll von 34 auf 24 gekürzt werden.

Da noch während zwei ganzen Golfsaisons nach den aktuell geltenden Regeln gespielt wird, verzichten wir an dieser Stelle darauf, die Änderungen im Detail vorzustellen, zumal sie auch noch nicht definitiv sind. Eine erste Einschätzung vermittelt den G&C-Lesenden jedoch dieses Interview mit Yves C. Ton-That. Der Regelexperte hat seit Bekanntgabe der geplanten Revision konsequent nach den neuen Rules gespielt und Erfahrungen sowie Meinungen gesammelt.

Herr Ton-That, welches ist Ihr erster Eindruck?
Yves C. Ton-That: «Die angestrebten Ziele der Regelrevision sind sinnvoll: Die neuen Regeln sollen verständlicher, einheitlicher und fairer sein sowie zu einem schnelleren Spiel führen. Dies dürfte gelingen und für künftige Anfänger den Einstieg ins Golf erleichtern. Die grosse Herausforderung sehe ich allerdings für die etwa 60 Millionen bestehenden Golfer. Die bisherigen Regeln aus dem Langzeitgedächtnis zu verbannen und neue zu verinnerlichen, wird nicht einfach sein. Bei der Rechtschreibreform gab es eine Übergangsperiode, in der beide Schreibweisen gültig waren. Bei den Golfregeln ist das nicht möglich – das wird zu sehr viel Verwirrung führen.»

Sie haben nun sechs Wochen nach den neuen Regeln gespielt. Welche Erfahrungen haben Sie zum Beispiel mit der von fünf auf drei Minuten verkürzten Suchzeit gemacht?
«Ich begrüsse diese Änderung. Obwohl ich keine empirische Untersuchung gemacht habe, würde ich sagen, dass der Grossteil der Bälle, die innerhalb von fünf Minuten gefunden werden, bereits nach drei Minuten gefunden ist. Und jene Bälle, die nach drei Minuten noch nicht gefunden sind, werden oft auch in den zwei folgenden Minuten nicht mehr gefunden. Von daher beschneidet diese Neuerung die Rechte der Spielenden nur wenig, hilft jedoch enorm, das Spiel zu beschleunigen. Wichtig wird sein, dass alle Golfenden konsequent einen provisorischen Ball spielen, falls der erste im Rough gelandet ist.»

Was versteht man unter «Penalty Areas»?
«So werden neu die Wasserhindernisse genannt. Ein deutscher Begriff steht noch nicht fest, aber sicher ist, dass diese ‹Penalty Areas› nicht zwingend Wasser enthalten müssen. Das bedeutet, dass zum Beispiel Flächen, die heute als Aus markiert sind, künftig als ‹Penalty Areas› markiert werden können. Das erlaubt es den Spielenden, seitlich zu droppen. Im Gegensatz zu einem Aus-Ball spart dies einen Schlag sowie Zeit für das Spielen eines provisorischen Balls beziehungsweise das Zurückgehen zur Stelle des letzten Schlags. Zudem darf man in Zukunft seinen Schläger in diesen ‹Penalty Areas› am Boden aufsetzen.»

Apropos Droppen: Auch dieses Prozedere wird einfacher?
«Ja, künftig muss der Ball nicht mehr in Schulterhöhe, sondern lediglich über dem Boden fallengelassen werden, so dass er ein Stück im freien Fall zurücklegt. Dies kann theoretisch ein halber Zentimeter sein, die Regeln empfehlen mindestens zweieinhalb. So oder so wird man als Spieler auf diese Weise seinen Ball sehr gezielt in vorteilhafter Lage droppen können. Das Verfahren ist also einfacher, und dadurch, dass der Ball nach dem Droppen nicht mehr weit rollt, wird es künftig seltener nötig sein, den Ball erneut fallenzulassen. Besonders positiv wirkt sich das neue Verfahren im Bunker aus, wo Drops nach heutigem Verfahren fast immer zu einer eingebetteten Lage führen.»

Was halten Sie davon, dass neu auch mit der Fahnenstange im Loch geputtet werden darf?
«Diese Regel ist gut gemeint und dürfte in privaten Runden durchaus zur Beschleunigung des Spielflusses führen. Dennoch ist sie meines Erachtens ein Schuss in den Ofen: Auf geneigten Grüns und bei Wind steht die Fahne oft leicht schräg im Loch. Je nachdem, von welcher Seite aus man puttet, wird man die Fahne als Stopper im Loch haben wollen oder nicht. Das dürfte in Turnieren zu einem äusserst umständlichen Rein und Raus führen und viel Zeit kosten.»

Neu werden Spieler dazu ermutigt, sogenanntes «Ready Golf» zu spielen. Das bedeutet, dass schlägt, wer gerade bereit ist – nach Absprache natürlich…
«Zur Zeitersparnis ist das ausnahmsweise ja bereits heute erlaubt. Ich persönlich bin kein Freund von ‹Ready Golf›, da nach meiner Erfahrung ‹Schlafmützen› dadurch nur noch langsamer werden. Wenn alle Spieler die Etikette kennen und darauf achten, dass sie bereit sind, wenn sie an der Reihe sind, ist ‹Ready Golf› völlig unnötig. Ich sehe da nur eine Aufweichung der Etikette, die es normal werden lässt, dass einem die Ehre weggeschnappt wird.»

Wie lautet denn Ihr erstes, noch vorläufiges Fazit?
«Auch wenn die neuen Regeln erhebliche Vereinfachungen vorsehen – die Materie wird komplex bleiben. Golf ist nun mal eine Sportart ohne genormtes Spielfeld, bei dem die Regeln unendlich viele Fälle abdecken müssen. Daher wird das Regelbuch nie aus nur ein paar wenigen Seiten bestehen. Aber zurück zur Frage: Ich bin überzeugt, dass die vorgesehene Regelrevolution viele erfreuliche Neuerungen enthält, die langfristig zu einer Vereinfachung führen werden. Es wird aber eine ganze Weile dauern, bis sich Verbände, Clubs, Schiedsrichter, Pros, Spieler und alle anderen im neuen Regelwerk zurechtgefunden haben.»


Infos zu den geplanten neuen Regeln auf www.rules.golf. Alle Golfenden sind eingeladen, ihr Feedback abzugeben.


Schweizer Regelguru mit Weltrenommee
Yves C. Ton-That ist Schiedsrichter und hat mit «Golfregeln kompakt» das meistverkaufte Golfbuch der Welt geschrieben. Seine Bücher und Lehrmaterialien werden in verschiedenen Golfclubs und -schulen weltweit eingesetzt und gelten als Standard in der Regelausbildung.

  • «Golfregeln kompakt», der Regelführer für den Platz, 50 Seiten, plastifiziert und spiralisiert, ISBN 978-3-909596-83-6, CHF 18.90

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  • «Golfregeln und Etikette: Klipp und klar!», das leicht verständliche Standardwerk zur Vorbereitung auf die Platzreife, 185 Seiten, ISBN 978-3-909596-93-5, CHF 35.90