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«Für ä tüüfä, gsundä Schlaaf»

Im Schnitt verbringen wir rund einen Drittel unseres Lebens in Morpheus’ Armen. Es gibt aber auch Menschen, die von erholsamem Schlaf nur träumen können …

Wenn wir schlafen, sinken Puls, Atemfrequenz und Blutdruck, und die Gehirnaktivität verändert sich. Das alles kann man messen. Aber auf die Frage, warum wir Schlaf brauchen, hat die Wissenschaft bis heute keine klare Antwort. Sie bietet bloss verschiedene Hypothesen an, von denen für die Laien der so genannte «regenerative» Ansatz wohl am lo- gischsten klingt. Er besagt im Wesentlichen schlicht und einfach, dass der Schlaf der Erholung der Organe dient – und somit die körperliche und geistige Fitness aufrecht erhält.

Einer der wohl berühmtesten Werbespots der Schweiz aus den 1970er-Jahren, jener für eine Matratzenmarke, versprach «ä tüüfä, gsundä Schlaaf». Aber den finden nicht einmal alle, die auf einer Bico liegen. Störungen der nächtlichen Regenerationsphase sind weit verbreitet: In der Schweiz hat jeder zweite Mensch ab und zu Mühe, ein- oder durchzuschlafen. «Dabei handelt es sich aber meistens um eine vorübergehende Einbusse der Schlafqualität», sagt Dr. phil. Daniel Brunner (50), Somnologe und Leiter des Zentrums für Schlafmedizin Hirslanden in Zollikon ZH. «Wer nachts hingegen regelmässig keine Ruhe findet, der zählt zu den rund 15 Prozent jener Schweizer und Schweizerinnen, die chronisch schlecht ein- oder durchschlafen.»

Störfaktor Spannung
Weshalb es zu schlechtem Nachtschlaf kommt? Laut Brunner kann dies «genauso gut an einer lärmigen Umgebung und zu hellem Zimmer liegen wie an Atemaussetzern oder einer neurologischen Bewegungsstörung im Schlaf, anhaltendem Stress oder Spannungszuständen». Zu den Spannungszuständen, die akut beginnen und chronisch werden können, gehören Sorgen um den Schlaf. Der Spezialist nennt ein Beispiel: «Jemand hat Angst, an Krebs erkrankt zu sein. Er lässt sich medizinisch untersuchen. Die Abklärungen ergeben zwar, dass er gesund ist. Trotzdem nagt die Angst in ihm weiter. Sie verstärkt die Beschwerden, und die wiederum geben der Angst neue Nahrung. Das führt zu dauerhaft schlechtem Schlaf. Denn diese Person steckt in einem Teufelskreis aus Sorge um den Schlaf oder die Gesundheit und die Verkürzung des Schlafs …»

Anders sei das bei situationsabhängigen Störungen. Denen läge ein lösbarer Konflikt zugrunde, etwa ein Streit mit dem Chef: «Solche Probleme können meistens innert nützlicher Frist gelöst werden, und dann klappt es auch wieder mit dem Schlaf.»

Schlafqualität und Stundenzahl
Wichtig für die körperliche, seelische und geistige Erholung seien weder die Stundenzahl noch die Uhrzeit der Schlafperiode, sagt Somnologe Brunner. «Ein Langschläfer bleibt ein Langschläfer. Und genauso ist es beim Kurzschläfer.» Entscheidend sei die Verfassung morgens beim Aufstehen. «Man kann sogar mal subjektiv das Gefühl haben, eine schlechte Nacht verbracht zu haben. Steht man aber frisch und voller Tatendrang auf, dann hat man objektiv gut und erholsam geschlafen.» Bei einer ernsthaften Schlafstörung seien tagsüber Defizite auszumachen – ein Manko an Konzentration etwa oder eine signifikante Leistungs- und Antriebsschwäche. Chronische Schlaflosigkeit führt sogar zu verringerter Gedächtnisleistung, erhöhter Erkältungsanfälligkeit und einer generellen Einschränkung der Lebensqualität.

Durchschnittlich sieben Stunden, so Daniel Brunner, schlummern Gutschlafende jede Nacht. «Das ist eine Stunde weniger als noch vor hundert Jahren», sagt er. Den Grund erklärt der Experte so: «Die gesellschaftliche Entwicklung hat dazu geführt, dass es heute viel mehr Stimulationsmöglichkeiten rund um die Uhr gibt …»    

Tipps für einen guten, erholsamen Schlaf
Treiben Sie regelmässig Sport – aber nie kurz vor dem Schlafengehen.

Sorgen Sie für eine optimale Raumtemperatur. Die liegt zwischen 16 und 20 Grad.

Wählen Sie Bett, Matratze und Schlafbekleidung, in denen Ihnen wohl ist.

Schirmen Sie Licht- und Lärmquellen nach Möglichkeit ab.

Essen Sie vor dem Zubettgehen nicht fett und nicht mehr üppig. Aber gehen Sie nie hungrig schlafen!

Trinken Sie am späten Abend keinen Alkohol mehr und auch nur noch wenig gesunde Flüssigkeit. So verringern Sie nächtlichen Harndrang und Durchschlafprobleme.

Stehen Sie jeden Morgen zur gleichen Zeit auf – sieben Tage die Woche.

Nehmen Sie Ängste und/oder Sorgen nicht mit ins Bett: Reservieren Sie am frühen Abend etwas Zeit, um sich damit auseinanderzusetzen.

Legen Sie Wecker und Uhr unters Bett. So lassen Sie sich beim kurzen Aufwachen nicht stressen.

Vermeiden Sie lange Versuche einzuschlafen. Stehen Sie stattdessen auf und entspannen Sie sich sitzend bei ruhiger Tätigkeit. Legen Sie sich erst wieder hin, wenn Sie sich schläfrig fühlen.

Lassen Sie die Hände von chemischen Keulen. Holen Sie im Falle anhaltender Schlafstörungen Rat und Hilfe beim Arzt oder der Ärztin. Er oder sie klärt ab, ob Sie an einer verursachenden Krankheit leiden.

Finden Sie mehr Infos auf www.sleepmed.ch

 

Autorin: Elisabeth Carabelli