---
facebook twitter google plus print

Blitze könne auch Golfe gefärden

Potz Blitz!

Von der sicheren Wohnung aus mag ein Gewitter faszinieren, auf dem ungeschützten Fairway aber kann ein Unglück passieren. Wann, warum und wie Golfende bei Blitz und Donner reagieren sollten.

 Der Himmel meint es leider auch mit Golfenden nicht immer gut. Besonders dann, wenn er ein Donnerwetter loslässt. Wenn er ganz plötzlich eine Wolkenwand aufstellt, mit Regen und Hagelkörnern aufs Green schiesst und mit Blitzen die Erde unter Strom setzt. Um Himmels Willen, dann kommen Mensch und Tier in Lebensgefahr!

 

«Golfende sind ein bevorzugtes Ziel von Blitzen», sagt Jörg Kachelmann von der Meteomedia AG in Gais AR trocken: «Sie halten sich an Orten auf, die bei Gewitter zu den gefährlichsten überhaupt zählen.» Der Meteorologe, der regelmässig auch im deutschen Fernsehen vor nahendem Unwetter warnt, erklärt: «Menschen, die Golf spielen, sind allein auf weiter Flur. Sie bewegen sich auf exponierten Geländeabschnitten, ziehen an metallenen Fahnenstangen und an Baumgruppen vorbei, tragen metallene Schläger bei sich, ziehen einen metallenen Trolley – und halten häufig noch einen aufgespannten Regenschirm in einer Hand.» 

 

Wie wahr Kachelmanns Worte sind, könnten die Cracks Lee Trevino, Bobby Nichols und Jerry Heard bezeugen. Sie waren 1975 am US Open in Chicago auf der Runde, als sich der Himmel über ihnen zusammenzog und Blitze zuckten. Alle drei wurden vom selben Blitz getroffen. Immerhin hatte das Trio Glück im Unglück: Es erlitt «nur» Verletzungen. Eine elektrische Entladung zwischen Himmel und Erde kann 30 000 Grad Hitze und eine Stromstärke von 200 000 Ampère erzeugen!

 

Weltweit entleeren sich nonstop 2000 bis 3000 Gewitter. Das führt zu täglich 10 bis 30 Millionen Blitzen, oder anders ausgedrückt: zu mehr als 100 Blitzen in der Sekunde. In der Schweiz schlägt der Blitz rund 200 000 Mal im Jahr ein, und es sterben etwa fünf Menschen. Auch wenn dies nur eine «kleine» Zahl ist und nicht alle Blitze in den Boden einschlagen, sollte jedes einzelne Gewitter ernst genommen werden. «Wenn zwischen Blitz und Donner10 bis 15 Sekunden liegen, dann ist die Gefahr nur noch drei bis fünf Kilometer entfernt», sagt Jörg Kachelmann. «Spätestens dann sollte sich jeder Golfspieler in Sicherheit bringen. Denn es sind schon Menschen vom Blitz erschlagen worden, als die Gewitterfront erst im Anzug und der Himmel über ihnen noch blau war.»

 

Schutz bieten je nach Standort des Golfenden das Clubhaus, sein Auto – oder seine Körperhaltung. Fehlt nämlich die Zeit, ein gesichertes Dach über dem Kopf zu erreichen, gibts nur noch eines. Kachelmann: «Halten Sie genügend Abstand zu Ihren metallenen Golfutensilien, zu Wasserstellen oder Bäumen. Gehen Sie möglichst in einer Geländemulde tief in die Hocke, die Hände eng an den Körper gepresst und die Füsse möglichst dicht aneinander.» In dieser Stellung ist die Spannung zwischen den Füssen klein, was verhindert, dass Strom durch den Körper jagen kann.

 

Vor Volksweisheiten warnt der Wetterfachmann aber wie vor dem Blitz. «Meiden Sie Bäume generell», betont er. «Wenn Sie das alte Sprichwort befolgen, wonach man «Eichen weichen, aber Buchen suchen› soll, bringen Sie sich in echte Lebensgefahr!»

 

So entsteht ein Gewittermit Blitz und Donner 

 

Die wichtigsten Zutaten für Gewitterwolken sind Hitze und Wasserdampf. Kondensiert der Wasserdampf in der Luft, entwickelt sich eine so genannte Cumuluswolke. Sind die äusseren Bedingungen günstig, strömt die warme Luft weiter in die Höhe und die Cumuluswolke wird zum 

 

Cumulonimus. Das heisst: Dann wächst der Wolke ein ambossförmiges «Dach» aus winzigen Eiskristallen. In diesem «Dach» trennen sich die Ladungen durch Reibung und Zerstäuben der Wasserteilchen. Die Eiskristalle im oberen Teil laden sich positiv auf, die weiter unten liegenden Tropfen negativ. Bei einer Spannung von mehreren hundert Millionen Volt überschreitet die Feldstärke die kritische Schwelle von etwa 170 000 Volt pro Meter. Es kommt zum Kurzschluss, zum Blitz.

 

Die Stromstärke kann beim Entladen 100 000 Ampère erreichen. Und weil die Temperatur bis auf 30 000 Grad Celsius steigt,  dehnt sich die Luft im Blitzkanal innert Millionstelsekunden zum Plasma aus. Dies verursacht Schockwellen, und die hören wir als Donner. 

 

Autor: Elisabeth Carabelli