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FOTO 1: TÜCKISCH Der nächst­gelegene Punkt der Erleichterung ist nicht immer auch der angenehmste Punkt der Erleichterung…

Regelwissen: Sind Sie fit?

Zu Beginn der neuen Saison möchten wir Ihnen die gängigsten Spielregeln und Erleichterungsverfahren in Erinnerung rufen. Wir hoffen, dass Sie dank dieses «Refreshers» immer straflos über die Runden kommen – und hin und wieder auch mal in den Genuss eines «Free Drops»…

Von Yves C. Ton-That*

Dass Regelwissen einen Vorteil für das eigene Spiel bringt, ist allgemein bekannt. Einerseits verleiht es dem Spieler Selbstsicherheit und andererseits bewahrt es ihn vor Strafschlägen und – viel wichtiger – erlaubt ihm, sich mittels Erleichterungsverfahren aus misslichen Lagen zu befreien, ohne unnötig Schläge zu verlieren.

Alle Regeln zu kennen, ist schlicht unmöglich
Niemand erwartet von Ihnen, dass Sie alle Regeln kennen. Das ist gar nicht möglich. Wichtig ist jedoch, dass Sie bei Standardsituationen wie zum Beispiel «Ball im Aus» oder «Ball im Wasserhindernis» auswendig wissen, wie vorzugehen ist – alles andere verunsichert und verzögert das Spiel. Zudem hilft es, wenn Sie den wichtigsten Grundsatz im Golf verinnerlichen, der da lautet: «Spiele den Ball, wie er liegt.» Das bedeutet, dass seine Lage nur in Ausnahmefällen verbessert werden darf. Falls Sie nicht sicher sind, ob eine Regel ein besonderes Vorgehen erlaubt, spielen Sie den Ball besser, wie er liegt, denn dabei können Sie fast nie etwas falsch machen, es sei denn:

  • der Ball liegt im Aus;
  • der Ball liegt auf einem falschen Grün;
  • der Ball liegt in Boden in Ausbesserung, von dem das Spiel verboten wurde (beachten Sie hierzu die Platzregeln);
  • der Ball liegt in einem Biotop, von dem das Spiel verboten wurde (beachten Sie hierzu die Platzregeln).

In diesen Fällen dürfen Sie den Ball nicht spielen, wie er liegt. Ansonsten ist «Ball spielen, wie er liegt» der beste Leitsatz und eine elegante Art, komplizierte Regelanwendungen zu vermeiden. Allerdings verpasst man unter Umständen das eine oder andere Erleichterungsverfahren, das einem Schläge hätte sparen können. Daher ist es durchaus sinnvoll, bei Unsicherheit die Mitspieler zu fragen, im Regelbuch nachzuschlagen oder zwei Bälle zu spielen.

Der Zähler hat keine Schiedsrichterfunktion
Wenn Sie sich bei einer Regel unsicher sind und Ihre Mitspieler um Rat fragen, denken Sie daran, dass auch diese sich irren können. Bitte beachten Sie insbesondere, dass die falsche Auskunft eines Mitspielers nicht vor Strafe schützt. Hat Ihnen zum Beispiel Ihr Zähler ein Vorgehen wie etwa «straflos droppen» erlaubt, das nicht von den Regeln vorgesehen ist, können Sie sich nicht auf diese Auskunft berufen und werden bestraft. Der Zähler schreibt lediglich Ihre Schlagzahlen auf, hat aber keine Schiedsrichterfunktion. Als Spieler sind Sie allein dafür verantwortlich, dass Sie die Regeln einhalten.

Das beste Vorgehen bei zweifelhaften Situationen ist daher, im Regelbuch nachzuschlagen. Mein handlicher Guide «Golfregeln kompakt» beziehungsweise die App «iGolfrules» habe ich genau zu diesem Zweck konzipiert – damit finden Sie die richtige Regelauskunft innerhalb von Sekunden und können ohne Zeitverlust das Spiel fortsetzen.

Sollten Sie nach Konsultation der Mitspieler und des Regelbuchs immer noch nicht sicher sein, wie zu verfahren ist, können Sie auch zwei Bälle spielen (Regel 3-3). Kündigen Sie an, welcher der beiden Bälle gelten soll, falls beide Verfahren regelkonform sein sollten, und spielen Sie dann beide Bälle bis ins Loch. Nach der Runde können Sie mit der Spielleitung in aller Ruhe klären, welches das korrekte Vorgehen war und die richtige Schlagzahl auf der Scorekarte eintragen. Bitte beachten Sie, dass Sie die Spielleitung auf jeden Fall informieren müssen, auch dann, wenn Sie mit beiden Bällen dasselbe Resultat erzielt haben.

Muss man rechts oder links von einer Strasse droppen? (Foto 1)
Wenn der Ball auf einer Strasse oder einem Weg liegen bleibt, stellt sich stets die Frage, auf welcher Seite der Strasse gedroppt werden darf. Dies kann nicht generell beantwortet werden, sondern muss aufgrund der konkreten Situation bestimmt werden.

Zunächst muss einschränkend gesagt werden, dass es von Strassen nur im sogenannten Gelände – das heisst insbesondere nicht in Hindernissen! – Erleichterung gibt. Zudem muss es sich um eine Strasse mit künstlicher Oberfläche handeln, das heisst, es muss Fremdmaterial wie Asphalt, Kies, Holzschnitzel oder Ähnliches aufgetragen worden sein. Keine Erleichterung erhält der Spieler beispielsweise von gewöhnlichen Feldwegen und Trampelpfaden.

Steht fest, dass der Spieler von einer Strasse – in der Regelsprache unbewegliches Hemmnis genannt – straflose Erleichterung erhält, muss er zuerst den sogenannten «nächstgelegenen Punkt der Erleichterung» bestimmen. Das ist der nächstmögliche Ort, an dem der Spieler von der Strasse nicht mehr im Stand und im Schwung behindert wird. Im vorliegenden Beispiel ist dies bei Punkt A der Fall. Zwar ist Punkt B gleich weit vom Ball entfernt wie Punkt A, doch ist dort noch keine vollständige Erleichterung gegeben. Und nur «halbe Erleichterung» zu nehmen, ist nicht erlaubt. Der Spieler muss also noch etwas weiter gehen, damit nicht nur der Ball nicht mehr auf der Strasse liegt, sondern der Spieler selbst auch nicht mehr darauf steht. Vollständige Erleichterung wäre erst wieder beim weiter entfernten Punkt C gegeben.

Somit ist A der nächstgelegene Punkt der Erleichterung. An diesem Ort darf der Spieler eine Schlägerlänge abmessen und den Ball, wie immer nicht näher zum Loch, fallen lassen.

Fazit Je nachdem, wo der Ball auf der Strasse liegt, und ob es sich beim Spieler um einen Rechts- oder Linkshänder handelt, liegt die Stelle zum Droppen rechts oder links der Strasse.

Wann misst man eine und wann zwei Schlägerlängen ab? (Foto 2)
Eine Faustregel besagt: Ist ein Verfahren straflos (zum Beispiel «unbewegliches Hemmnis», «ungewöhnlich beschaffener Boden», «falsches Grün»), so steht dem Spieler eine Schlägerlänge zur Verfügung. Bezahlt der Spieler hingegen mit einem Strafschlag (zum Beispiel «unspielbarer Ball», «seitliches Wasserhindernis»), so stehen ihm immerhin zwei Schlägerlängen zur Verfügung.

Bitte beachten Sie, dass diese Faustregel nur gilt, falls tatsächlich Schlägerlängen abzumessen sind. Dies ist nämlich nicht bei jedem Verfahren der Fall: Gemäss mancher Regel ist der Ball auf einer bestimmten Linie fallen zu lassen oder er muss an der Stelle des letzten Schlags gedroppt werden – dann ist diese Linie beziehungsweise diese Stelle gemeint und es kommt keine Schlägerlänge zur Anwendung.

Übrigens darf der Spieler zum Abmessen von Schlägerlängen einen beliebigen seiner Schläger verwenden. Zu empfehlen ist selbstverständlich der Driver oder ein anderes Holz, da dies in der Regel der längste Schläger ist. Es muss insbesondere nicht etwa mit jenem Schläger gemessen werden, mit dem der Spieler seinen nächsten Schlag zu machen gedenkt.

Der Schläger, mit dem man seinen nächsten Schlag machen will, hat allerdings auch seine Bedeutung: Beim Simulieren der Ansprechposition, um den nächstgelegenen Punkt zu bestimmen, sollte der Schläger verwendet werden, mit dem man zu spielen gedenkt.

Wann gibt es einen und wann zwei Strafschläge? (Foto 3)
Diese Frage lässt sich leider nicht pauschal beantworten. Sie werden nicht darum herumkommen, im Zweifelsfall im Regelbuch nachzuschlagen. Eine Faustregel gibt es freilich auch hier, wenn auch mit Ausnahmen. Grundsätzlich gilt: Wenn ein Regelverstoss einen spielerischen Fehler beinhaltet – beispielsweise fliegt ein Ball ins Aus oder ins Wasser, wofür der Spieler ja nicht viel kann –, dann kostet das einen Strafschlag. Verstösst man jedoch gegen eine Regel, obwohl dies vermeidbar gewesen wäre, weil man es besser hätte wissen müssen, wie etwa beim Entfernen loser Naturstoffe aus einem Bunker oder beim Abbrechen eines Astes oder dem Spielen eines falschen Balls, dann erhält man in aller Regel zwei Strafschläge.

Der Ball im Einschlagloch
Gerade jetzt zu Beginn der Saison ist der Boden auf vielen Golfplätzen noch feucht und aufgeweicht. Dann rollen die Bälle nicht nur weniger weit, sie bleiben teilweise sogar im Boden stecken. Da ist es gut zu wissen, dass Regel 25-2 Erleichterung vorsieht: Ein eingebohrter Ball darf straflos aufgenommen und gedroppt werden. Allerdings sind hierbei einige Einschränkungen zu beachten.

Um einen straflosen Drop in Anspruch nehmen zu dürfen, muss der Ball im sogenannten Gelände eingebohrt sein, das heisst, nicht in einem Wasserhindernis und auch nicht in einem Bunker. Darüber hinaus erhält der Spieler nur Erleichterung auf kurz gemähten Flächen, sprich Fairway und Vorgrün (auf dem Grün selbstverständlich auch, denn dort darf man den Ball sowieso aufnehmen und Einschlaglöcher ausbessern). Ist der Ball im Rough oder im Semirough eingebohrt, muss er gespielt werden, wie er liegt. Allerdings kann die Spielleitung per Platzregel bestimmen, dass im gesamten Gelände, also auch auf höher geschnittenen Flächen, straflose Erleichterung gewährt wird. Es lohnt sich daher, die Platzregeln zu lesen.

Nehmen Sie den eingebetteten Ball auf und droppen Sie ihn straflos möglichst nahe seiner ursprünglichen Stelle. Wie immer darf der Ball dabei nicht näher beim Loch zur Ruhe kommen.


* Der international bekannte Referee Yves C. Ton-That ist Regelexperte und Buchautor. Er schreibt in der Schweiz exklusiv für G&C.


SCHNELLE HILFE AUF DEM PLATZ

Golfregeln kompakt

Der handliche Regelführer «Golfregeln kompakt» ist zur Verwendung auf dem Golfplatz konzipiert (wetterfest) und beantwortet alle wichtigen Regelfragen auf einen Blick. Das Büchlein wurde mehrfach preisgekrönt und hat sich in kürzester Zeit zu einem der meistverkauften Golfbücher entwickelt.

«Golfregeln kompakt – Der praktische Regelführer zur Verwendung auf dem Platz», von Yves C. Ton-That, 48 Seiten, farbig illustriert, plastifiziert und spiralisiert, Artigo Publishing International, 50. Auflage 2014, ISBN 978-3-909596-48-5, CHF 18.90

Weitere Infos unter www.golfregeln.ch

iGolfrules
Für iPhone und Windows Phone ist der Bestseller «Golfregeln kompakt» auch als App erhältlich. Damit haben Sie stets einen virtuellen Schiedsrichter an Ihrer Seite, der Ihnen anhand von über 200 Bildern, animierten Illustrationen und Videos das richtige Vorgehen Schritt für Schritt erklärt. Mit nur drei Klicks finden Sie die Antwort auf Ihre Regelfrage.

«iGolfrules», von Yves C. Ton-That, erhältlich im iTunes App Store, CHF 10.–

Weitere Infos unter www.expertgolf.ch


FOTO 2: SCHLÄGERWAHL Für das Bestimmen des nächstgelegenen Punkts (A) ist der Schläger zu verwenden, mit dem der Spieler seinen nächsten Schlag zu spielen gedenkt. Für das Abmessen einer Schlägerlänge (B) darf hingegen ein beliebiger Schläger verwendet werden.

FOTO 3: NASSE FAIRWAYS Von einem einge­bohrten Ball gibt es im Gelände (nicht aber in Hindernissen!) straflose Erleichterung. Allerdings nur, wenn sich der Ball auf einer kurz gemähten Fläche eingebohrt hat.

Der international bekannte Referee Yves C. Ton-That ist Regelexperte und Buchautor. Er schreibt in der Schweiz exklusiv für G&C.

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