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YVES TON-THAT

Wenn im Herbst die Blätter fallen…

Sobald sich die Golfsaison dem Ende entgegen neigt, findet man seinen Ball vermehrt zwischen Laub und anderen losen Naturstoffen. Wir zeigen Ihnen, worauf Sie bei solchen Situationen achten müssen.

Von Yves Cédric Ton-That*

Was beim Golfspielen die Lage des Balls am häufigsten beeinträchtigt, sind die so genannten «losen hinderlichen Naturstoffe». Darunter fallen Blätter, aber auch Äste, Steine, abgemähtes Gras und vieles andere mehr. Damit die betreffende Regel 23 zur Anwendung gelangt, müssen zwei Kriterien erfüllt sein: Erstens muss es sich bei den betreffenden Stoffen um natürliche Gegenstände handeln und zweitens müssen sie lose sein.

Laub und lose Zweige
Bei Laub sind diese beiden Vorgaben zweifellos erfüllt. Sie dürfen Blätter daher straflos entfernen, egal, ob sie Sie tatsächlich behindern (da sie zum Beispiel neben Ihrem Ball oder auf Ihrer Puttlinie liegen) oder ob Sie sich lediglich optisch gestört fühlen (z.B. ein farbiges Blatt im Sichtfeld). Beachten Sie dabei jedoch folgende Besonderheiten:

1. Sie dürfen lose Naturstoffe nur ausserhalb von Hindernissen entfernen. Liegt Ihr Ball z.B. im Bunker, dürfen Sie vor dem Schlag keine Blätter aus dem Bunker entfernen.
2. Wenn Sie die Blätter entfernen, darf sich der Ball nicht bewegen – andernfalls müssten Sie ihn mit einem Strafschlag zurücklegen. Wenn also z. B. ein Blatt unmittelbar am Ball liegt, empfiehlt es sich, den Ball einfach zu spielen, wie er liegt, anstatt ein unnötiges Risiko einzugehen. Auf Wald- oder mit Laub bedecktem Boden empfiehlt es sich ebenfalls, nichts anzufassen, da dort oftmals Blätter, Äste und Gräser derart ineinander verflochten sind, dass das Bewegen eines einzelnen Blattes eine richtiggehende Kettenreaktion auslösen kann.
(Ausnahme Grün: Dort wäre das Bewegen straflos, kommt aber in der Regel nicht vor, da man seinen Ball zuvor markiert und aufnimmt und er sich somit gar nicht bewegen kann.)
3. Ein nasses Blatt, das am Ball haftet, gilt im Sinn der Regeln nicht als lose und darf daher nicht entfernt werden.
4. Blätter, die noch am Baum hängen, dürfen vor dem Schlag nicht abgerissen oder heruntergeschlagen werden, um sich Platz für einen freien Schwung zu verschaffen.
5. Ist Ihr Ball in einem von Laub bedeckten Bereich gelandet, müssen Sie beim Suchen vorsichtig vorgehen. Bewegen Sie Ihren Ball aus Versehen, müssen Sie ihn mit Strafschlag zurücklegen. (Dies gilt seit 2012 auf dem ganzen Platz.)

Andere Naturstoffe
Nebst Laub gibt es noch zahlreiche weitere lose hinderliche Naturstoffe. Wichtig ist, dass diese nicht angewachsen oder befestigt sind, nicht fest eingebettet sind und auch nicht am Ball haften. Ein abgestorbener, aber noch mit dem Baum verbundener Ast ist nicht lose. Auch Rankengewächse sind nicht lose, sondern angewachsen und müssen bleiben, wo sie sind. Bitte bedenken Sie, dass die Lage des Balls auch nicht durch Weglegen oder Wegbiegen von Ranken, Ästen, Gräsern oder Ähnlichem verbessert werden darf. Steine, die nicht lose auf dem Boden aufliegen, sondern darin eingebettet sind, dürfen nicht ausgegraben werden.

Im Bunker gilt für Steine jedoch oft eine Ausnahme: Obwohl lose Naturstoffe in Hindernissen grundsätzlich nicht entfernt werden dürfen, besagen die Platzregeln vieler Golfclubs, dass Steine straflos aus Bunkern entfernt werden dürfen. Es lohnt sich daher, die Platzregeln zu lesen.

Sand und lose Erde dürfen übrigens nur auf dem Grün, jedoch nicht anderswo entfernt werden. Insbesondere dürfen sie auf dem Vorgrün nicht entfernt werden. Tau und Reif gelten nie als lose hinderliche Naturstoffe.

*Yves C. Ton-That ist offizieller Schiedsrichter und Regelredaktor für Golf & Country. Seine Regelbücher ­haben internationale Preise gewonnen, wurden in mehr als 20 Sprachen publiziert und weit über eine Million Mal verkauft.

 

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