---
facebook twitter google plus print

EXAKT Die S20 zeigt die Distanzen bis zur Mitte, zum Ende und zum Anfang des Grüns (v.o.n.u.).

Garmin Approach S20: Distanzen nur zu schätzen, das war gestern

Als Golfnovize ist man für (fast) jede Art von Hilfestellung dankbar. Die Approach S20 von Garmin bietet in dieser Beziehung verschiedenste Dienste. Wir haben die Golfuhr der neusten Generation getestet.

Wie um Himmels Willen bekomme ich als Golfanfänger auf dem Platz die dauernd wechselnden Distanzen zu Hindernissen, Bunkern und Greens in den Griff? Mein Gefühl für die Entfernungen entwickelt sich zwar langsam, aber auf dem Fairway befällt mich noch zu oft die Unsicherheit. Muss ich nun 80, 100 oder 120 Meter überwinden?

Ein Freund – Anfänger auch er – riet mir zur Garmin Approach S20: eine erschwingliche Golfuhr, die einfach zu handhaben sei und die Daten von weltweit mehr als 40 000 Golfplätzen gespeichert habe. Viel wichtiger aber schien mir die Hauptfunktion: Die S20, lobte mein Freund, zeige auf dem Golfplatz stets die genauen Distanzen an und – nomen est omen – vereinfache deshalb den wohltemperierten Approach zum Green. Das überzeugte mich, und so kaufte ich mir das Teil für rund 200 Franken und machte bei den nächsten Runden die Probe(n) aufs Exempel.

Wie bei jedem technischen Gerät muss man sich auch der Approach S20 vor Inbetriebnahme erst einmal annähern. Garmin macht es einem da aber erfreulich leicht. In der kompakten  Verpackungsschachtel stecken neben der bereits voll aufgeladenen und betriebsbereiten Uhr nur noch ein kurzes Ladekabel mit USB-Anschluss und eine gedruckte Schnellstartanleitung. Wie heute üblich, findet sich die detaillierte Gebrauchsanleitung online. Und besonders praktisch: Für die Speicherung der auf der Uhr gesammelten Daten stellt der Hersteller mit Garmin Connect ein eigenes Online-Tool zur Verfügung.

Doch zuerst gilt es, die Grundfunktionen der S20 in den Griff zu bekommen. Das gelingt rasch, da die Uhr erfreulicherweise nur vier Knöpfe hat, mit denen sich das Bedienmenü steuern lässt. Über die beiden Knöpfe an der linken Seite blättert man im Menü rauf und runter. Hat man die passende Seite gefunden, ist der Knopf oben rechts das Okay, also quasi der Mausklick beim Computer. Und der Knopf unten rechts ist die Back-Funktion, mit der man im Bedienmenü wieder einen Schritt zurück machen kann.

PREMIERE IN ANDERMATT
Für den ersten Test habe ich mir Andermatt Swiss Alps ausgesucht, wo ich noch nie gespielt habe und deshalb besonders froh bin über Distanzangaben.

Andermatt präsentiert sich an diesem Herbsttag ausnahmsweise praktisch windstill, und die Sonne lacht vom blauen Himmel. Gespannt starte ich am ersten Abschlag auf der Garmin das Golfprogramm, und sofort beginnt die S20 mit der Satellitensuche. In knapp 30 Sekunden hat mich die Uhr über ihren GPS-Sender geortet und zeigt mir auf dem gut lesbaren Display «Golf Andermatt» zur Auswahl an. Einen Okay-Knopfdruck später erscheinen bereits die Angaben zum ersten Fairway, und das Spiel kann beginnen: Loch Nummer 1 ist ein Par 4 mit 374 Metern bis zur Mitte des Greens. Zwei weitere Distanzangaben zeigen mir die Entfernungen bis zum vorderen und hinteren Ende des Greens sowie dessen Form an. Später werde ich in der Online-Bedienungsanleitung auch erfahren, dass selbst die regelmässig wechselnden Fahnenpositionen mit ein paar wenigen Manipulationen dem aktuellen Stand angepasst werden können.

So viele Informationen sind mir aber jetzt gerade etwas zu viele, und es wäre sicherlich hilfreich gewesen, mir für die detaillierte Anleitung etwas mehr Zeit zu nehmen.

DIE S20 HAT AUCH GRENZEN
Auf dem hügeligen Platz von Andermatt fühle ich mich mit der Garmin Approach rasch wohl und lerne die Vorzüge der Distanzanzeige zu schätzen. Auf den Löchern 1 bis 4 zeigt sie mir verlässlich die Distanz zum Green an, und das erleichtert mir die Schlägerwahl extrem. Willkommen ist auch die Funktion der Hindernisanzeige: An den Par-4- und Par-5-Löchern zeigt mir die Uhr nach zwei Knopfdrückern auf dem Display die Distanzen zum vorderen und hinteren Bereich des nächsten Hindernisses, und  auch dessen Art, beispielsweise ein Bunker, ist gut zu erkennen.

Beim Andermatter Loch 5 stosse ich dann allerdings an die Grenzen des satellitengestützten Distanzmessens: Das Par 3 mit einem erhöhten Abschlag auf ein gut 140 Meter entferntes und um einiges tiefer liegendes Green wird von der S20 zwar korrekt und mit richtiger Distanz angegeben. Aber anscheinend bringt es die Technik nicht fertig, den Höhenunterschied in Distanz umzurechnen. Dafür muss ich wohl oder übel mein eigenes Gefühl entwickeln – die Garmin jedenfalls bietet mir hier keine zusätzliche Hilfe an.

Perfekte Dienste liefert mir die Uhr hingegen am berüchtigten Loch 9, dessen Layout zwischen Abschlag und Green quasi nur über Wasserhindernisse führt (siehe Grafik Seite 71). Die S20 relativiert nämlich die offiziellen Angaben auf der Abschlagtafel und macht aus den 161 Metern effektive 140 bis zum Anfang des Grüns. Mein Eisen 7 landet bei 137 Metern und hoppelt noch etwas näher zum Loch.

Meine erste Runde in Andermatt entwickelt sich weiterhin erfreulich, und am Ende des (Golf-)Tages bilanziere ich, dass die Bedienung der Approach S20 überaus intuitiv und problemlos funktioniert.

SCHLAG FÜR SCHLAG IM «REPLAY»
Wieder zu Hause angekommen, stelle ich einen weiteren Pluspunkt meiner neuen «Assistentin» fest: Nach dem Download der gesammelten Daten auf meinen Computer, das wenige Minuten dauert, zeigt mir Garmin Connect überraschende Details an.

Zum einen erfahre ich, dass ich während der Andermatter Runde über 14 000 Schritte gemacht, gut zwölf Kilometer zurückgelegt und dabei mehr als 2600 Kalorien verbrannt habe. Die S20 ist nämlich auch ein Activity-Tracker, der alle mit Bewegung und Ruhephasen zusammenhängenden Tagesaktivitäten aufzeichnet. So kann man auf der Garmin-App in einem Online-Kalender seinen körperlichen Output der vergangenen Tage und Wochen überprüfen und auch mit anderen Golferinnen und Golfern vergleichen – wenn man das will…

Zum anderen wird mir jetzt auch klar, weshalb mich die S20 am Anfang immer aufgefordert hatte, ihr den benützten Schläger zu melden. Ein Prozedere, das mich auf den ersten drei Holes extrem verunsichert und abgelenkt hatte, bis ich herausfand, dass man diese Funktion («Messen der Schlagweite») auch deaktivieren kann…

Hat man die Schläger aber brav angegeben, kann man jetzt die Früchte ernten: Auf schön dargestellten Vogelperspektive-Grafiken kann man sich jeden einzelnen Schlag auf dem Bildschirm anschauen. Ein cooles Tool, das zusätzlich seine seriöse Seite hat: Es unterstützt die Analyse und den Vergleich der gespielten Runden – wenn man das will…

Bei zwei weiteren Testrunden mit der Approach S20 auf dem 18-Lochplatz von Samedan im Engadin und dem 9-Lochcourse von Winterberg bei Zürich hatte ich mich bereits an die einfache Handhabung der Garmin gewöhnt, und die Schlagweitenmessung brachte mich auch nicht mehr aus dem Konzept.

Und so freue ich mich schon jetzt darauf, mein Spiel, das sich hoffentlich kontinuierlich verbessern wird, über die ­Jahre zu beobachten und zu vergleichen. Vorerst ist mir die Garmin Approach S20 aber einfach der perfekte Distanzmesser – und mit ihren Zusatzfunktionen eine technisch hochstehende Golfuhr mit viel Nutzwert. 

TEXT&FOTOS: THOMAS BOROWSKI


Garmin Approach S20
Batterietyp: Lithium-Ionen-Akku
Batterielaufdauer Uhrbetrieb: bis zu 8 Wochen
Batterielaufdauer Golfspiel: bis zu 15 Stunden
Wasserdichtigkeit: 5 ATM (bis 50 Meter Wassertiefe)
Funkfrequenz: Bluetooth Smart Wireless Technologie
Kosten: ab rund 200 Franken

WIE WEIT? An Loch 9 in Andermatt lohnt es sich besonders, die genauen Distanzen zu kennen.

POTENZIAL Leider rechnet die Uhr an Loch 5 den Höhenunterschied (noch?) nicht in Distanz um.

PROTOKOLL Die S20 listet genau auf: 12,57 Kilometer, 2681 Kalorien, 14 065 Schritte.

BEREIT Die Garmin Approach S20 mit dem USB-Aufladekabel.