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KARIBIK PUR Die Bottom Bay ist eine der schönsten Beaches auf Barbados.

Traumgolf auf der Insel des Grünen Affen

Royal Westmoreland, Apes Hill und Green Monkey, so heissen die drei schönsten Resortplätze auf Barbados. Externe Golfgäste, die auf diesen Courses ebenfalls mitspielen wollen, müssen sich an enge Zeitfenster halten – und genügend Kleingeld mitbringen. Aber es lohnt sich…

Wie viele andere Karibikinseln hat sich auch Barbados im Laufe der Jahre zu einem wahren Golfmekka etabliert. Nicht umsonst entscheiden sich Golflegenden wie Tiger Woods oder Ian Woosnam immer wieder für Erholungsurlaub auf der barbadischen Insel. Grund dafür sind unter anderem die perfekten Bedingungen: optimales Golfwetter dank 3000 Sonnenstunden im Jahr, Temperaturen von 23 bis 29 Grad Celsius und leichten Nordostpassatwinden, abwechslungsreichen Golfplätzen und zahlreichen luxuriösen Golfresorts. Was will man mehr?

Dabei ist das im Südosten der Kleinen Antillen liegende Barbados innerhalb des karibischen Archipels eine verhältnismässig kleine Insel: dreieckig, 33 Kilometer lang und an der weitesten Stelle 23 Kilometer breit. Mit ihren 431 Quadratkilometern ist Barbados etwa doppelt so gross wie der Kanton Zug und besteht zum Grossteil aus Zuckerrohrplantagen. Die flachen, recht kargen Ebenen – hügelig wirds nur im Norden – erinnern mehr an schottische Gefilde als an die sonst so tropische Vegetation der Nachbarinseln.

Im Gegensatz zu den anderen Karibikinseln ist Barbados nicht vulkanischen Ursprungs, sondern ein aus dem Atlantik ragender Teil eines unterseeischen Kalksteinrückens. Dies wirkt sich einerseits auf die Trinkwasserqualität aus, denn Kalkstein ist sehr durchlässig und dadurch ein natürlicher Wasserfilter. Und andererseits erweitert es den Gestaltungsspielraum der Golfplatzarchitekten, die sich die ehemaligen Kalksteinbrüche zu Nutzen machen und die meisten Golfplätze darin eingebetten.

MEHR GEDULDET ALS WILLKOMMEN
An der nördlichen Westküste von Barbados spielt und haust es sich vorzüglich im Royal Westmoreland Golf Resort. Der von Golfplatzarchitekt Robert Trent Jones Junior entworfene und im Jahr 1995 eröffnete 18-Lochplatz diente von 2000 bis 2009 als Austragungsort für die European Seniors Tour. Mit seinen rund 6440 Metern gehört der Par-72-Kurs zu Barbados’ ganzem Stolz – nicht nur wegen der zahlreichen rotblättrigen Pfauensträucher, die auch «Pride of Barbados» («Stolz von Barbados») genannt werden.

Während sich die Bahnen 5 und 6 durch einen früheren Korallensteinbruch ziehen, erfordert Bahn 12 einen raffinierten Abschlag über eine Schlucht. Der Platz des Royal Westmoreland ist äusserlich zwar nicht spektakulärer als die Courses anderer Golfresorts, wegen seiner hügeligen Landschaft, den zu überspielenden Biotope und den unberechenbaren Windböen aber selbst für erfahrene Golfer eine veritable Herausforderung.

Wenn der Platz nicht zu voll ist, dürfen zwischen 10 und 11 Uhr auch externe Gäste abschlagen, für ein Greenfee von 400 Barbados-Dollar (umgerechnet etwa 200 Franken). Allerdings sind sie eher geduldet als willkommen, denn wahre Members besitzen eine eigene Immobilie auf dem Gelände. Und so zieren denn auch mehr als 200 individuell gestaltete, luxuriöse Villen die Ränder der Fairways. Diese zwischen üppigen Palmengärten und türkisblauen Swimmingpools gelegenen Paläste sind für die Crème de la Crème reserviert, die es sich leisten kann. Der Verkauf der Luxusvillen ist ein Millionengeschäft, mit dem der Golfclub das nötige Kleingeld verdient, um das drei Quadratkilometer grosse, hügelige Resort in Schuss zu halten. Zu den glücklichen Eigenheimbesitzern gehören Profispieler wie Ian Woosnam und Lee Westwood, aber auch andere Sportgrössen wie der britische Fussballstar Wayne Rooney, der an Loch 13 ein Feriendomizil sein eigen nennt.

ZWISCHEN KARIBIK UND ATLANTIK
Fährt man vom Royal Westmoreland Golf Club geradeaus Richtung Ostküste, erreicht man nach nur wenigen Kilometern die nächste Golf-Perle von Barbados: den Apes Hill Club. Die auf 300 Meter über dem Meeresspiegel gelegene Luxusanlage wurde erst 2009 eröffnet und zählt somit zu den jüngeren 18-Loch-Facilities der Karibik. Die ehemalige Zuckerrohrplantage ist heute ein in Familienbesitz befindliches Lifestyle-Resort, in dem mit dem Apes Hill 2016 der erste Country Club von Barbados eröffnet wurde. Der Panoramablick auf den Atlantik und das Karibische Meer ist überwältigend. Nichtmitglieder dürfen hier täglich ab 7 Uhr morgens den Course geniessen. Das Greenfee beträgt zwischen 170 und 280 Dollar, als Gegenwert gibts unter anderem eine traumhafte, tropische Vegetation: Guavenpflanzen und Bananenstauden zieren neben majestätischen Palmen die Hügel, und von Loch 12 aus, dem sogenannten «Signature Hole», sieht man bis zur Ostküste der Insel. Ausser Golf kann man übrigens auch Polo und Tennis spielen oder schwimmen.

TEUER, TEURER, SANDY LANE
Einer der wohl teuersten und exklusivsten Golfplätze der Welt wurde in einen alten, barbadischen Kalksteinbruch gezaubert: der Green Monkey des legendären Sandy Lane Hotels in der Nähe des Hafenstädtchens Holetown. Spätestens nachdem Tiger Woods im Jahr 2004 auf der Terrasse des Sandy Lane das schwedische Model Elin Nordegren ehelichte, ist der «Grüne Affe» unter Golfern kein Geheimtipp mehr.

Die für Barbados typischen Kalksteinfelsen bilden einen wunderschönen Kontrast zu den üppigen, gewellten Fairways und den gepflegten Grüns. Abschlag für Abschlag erfreuen perfekt geschnittene, samtene Rasenflächen ein jedes Golferherz, bevor an 15 der 18 Löcher Bilderbuchausblicke auf das Karibische Meer die Atmung fast aussetzen lassen.

Für den Top-Course verantwortlich ist der berühmte Golfplatzarchitekt Tom Fazio, der mit dem Green Monkey sein erstes Projekt ausserhalb der USA realisiert hat. Benannt wurde der 18-Lochkurs übrigens nach der auf Barbados weit verbreiteten, heimischen Affenart «Bajan Green Monkey». Selbst einer der Sandbunker ist mit einem perfekt geformten Affen aus Gras geschmückt.

Wer den rund 6750 Meter langen Par-72-Kurs spielen will, muss allerdings nicht nur früh auf den Beinen sein, sondern auch extrem gut bei Kasse: Hotelgäste dürfen zwischen 8.30 Uhr und 9.30 Uhr abschlagen und zahlen ein Greenfee von 390 US-Dollar. Gar nicht so teuer für einen der spektakulärsten Golfplätze der Welt?

Nun ja, in Tat und Wahrheit eben schon! Denn gleichzeitig werden – je nach Saison – zwischen 3000 und 9000 US-Dollar für eine Nacht im Sandy Lane Hotel fällig, welches in der Hauptsaison auch noch einen Mindestaufenthalt von 14 Tagen fordert. Zudem dürfen täglich nur zwanzig Hotelgäste den Green Monkey spielen. Diese selektive Unternehmenspolitik geht sogar so weit, dass im Pro Shop eine exklusive Green-Monkey-Kollektion angeboten wird, die jedoch nur von Hotelgästen erworben werden kann…

Obwohl der Green Monkey das exklusive Aushängeschild des Sandy Lane ist, gibt es pro Tag einen einzigen Flight für externe Golfer und Golferinnen. Egal, ob vier Spielende am Start sind oder nur eine Person, nötig ist das grosse Portemonnaie, denn das Greenfee beläuft sich auf 4000 US-Dollar. «Trotz des Preises ist der Spot immer ausgebucht», sagt Elvis Medford, der Manager des Sandy Lane. Sobald die wenigen Flights vergeben sind, gehört der Platz für den Rest des Tages den echten Affen und den grösstenteils weiblichen Greenkeepern. «Sie haben ein besseres Auge für die Details als die männlichen Kollegen und untersuchen jeden Grashalm einzeln, wenn es nötig ist», erklärt Medford.

Neben dem Green Monkey gehören zwei weitere, weniger teure und der Öffentlichkeit zugängliche Golfplätze zum Sandy Lane Resort. Einer davon ist der ebenfalls von Tom Fazio entworfene und 2001 eröffnete «The Country Club» mit 18 Holes. Mit seinen üppigen Grünflächen, den fünf Seen und den makellos zurechtgestutzten Fairways gehört der anspruchsvolle, rund 6450 Meter lange Kurs ebenfalls zu den besten Golfplätzen von Barbados.

Übrigens wurde im Jahr 2009 auf ebendiesem Parcours ein ganz besonderer Rekord aufgestellt: Ein Golfer schaffte in zwölf Stunden 54 Birdies und erreichte damit in der Kategorie «Die meisten Birdies an einem Tag» eine der besten Leistungen weltweit.

Der andere Course heisst «The Old Nine» und ist der älteste Golfplatz des Sandy Lane. Im Gegensatz zu den beiden 18-Loch-Meisterschaftsplätzen schlängelt sich der 1961 erbaute 9-Lochplatz mit schmalen Fairways und kleinen Grünflächen durch das Resort. Wahrscheinlich lockt der 3250 Meter lange Par-36-Kurs gerade deshalb präzisionsverliebte Golfende an.

EINMAL BRITISCH, IMMER BRITISCH
Aufgrund der Tatsache, dass sich Stars wie R&B-Sängerin Rihanna und Golflegende Tiger Woods regelmässig im Sandy Lane einquartieren, gerät schnell in Vergessenheit, dass das nahegelegene Küstenstädtchen Holetown auch historischen Wert hat. Denn genau hier legten  im Jahr 1625 mit Kapitän John Powell und seinem Schiff «Olive Blossom» («Olivenblüte») die ersten britischen Siedler an. Powell beanspruchte die Insel für den britischen König James I. und legte damit den Grundstein für die britische Kolonialherrschaft. Zwei Jahre später folgten die ersten britischen Kolonisten und gründeten eine Siedlung mit 80 Zivilisten und zehn afrikanischen Sklaven.

In den Folgejahren setzte der Anbau von Zuckerrohr ein, der die Insel über Nacht reich machte und ihr den Beinamen «brightest juwel in the english crown» («strahlendstes Juwel in der englischen Krone») einbrachte. Erst drei Jahrhunderte später, im Jahr 1966, erlangte Barbados seine vollständige politische Unabhängigkeit von Grossbritannien. Ein Denkmal im Stadtzentrum von Holetown erinnert bis heute an die historische Bedeutung des Ortes. Trotz der Unabhängigkeit hat Barbados seinen britischen Touch beibehalten und wird noch heute liebevoll als «Little England» bezeichnet.

«Da unsere Kulturen Parallelen haben, fühlen sich britische Gäste hier wie zuhause», erzählt Golflehrer Sean Edey vom Royal Westmoreland Golf Club. Zudem habe Grossbritannien zwar eine lange Golftradition, aber die Wetterverhältnisse in Europa seien ­einfach zu schlecht. «Kein Wunder also, dass so viele Briten zum Golfen in die Karibik kommen», so Edey. Auf diese Weise ist Barbados auch 50 Jahre nach Ende der Kolonialzeit «very ­british» geblieben. Daran wird sich wohl auch nichts ändern, jedenfalls nicht im Bezug auf die oberen Zehn­tausend…

TEXT: Anna Karolina Stock

Fotos: Barbados Tourism Marketing; Royal Westmoreland; Sandy Lane; Getty Images; Anna Karolina Stock; Fotolia, Simon Dannhauer, Tomato Studio; Grafik: G&C

Die Recherchereise für diesen Beitrag wurde unterstützt von Barbados Tourism Marketing.



FACTS&FIGURES
Golfplätze
Apes Hill Golf Club in St. Peter
www.apeshillclub.com

Royal Westmoreland Club in St. James
www.royalwestmoreland.com

Sandy Lane in St. James
www.sandylane.com

Währung
Die barbadische Währung ist der Barbados-Dollar, der im Verhältnis zwei zu eins an den US-Dollar gekoppelt ist.

Reisezeit/Wetter
Mit 3000 Sonnenstunden im Jahr und ständigen Passatwinden aus nordöstlicher Richtung beträgt die Lufttemperatur das ganze Jahr über angenehme 23 bis 29 Grad Celsius. Besonders mild und trocken ist es zwischen Dezember und Mai. Von Juli bis November herrscht Regenzeit mit Hurrikangefahr.

Essen
In Oistins an Barbados Südküste findet freitags das Oistins Fish Fry statt, der perfekte Event, um ins Wochenende zu starten: Fisch vom Grill, lokales Kunsthandwerk und natürlich Live-Musik. Im Lobster Alive (www.lobsteralive.net )in Bridgetown wird gegrillter Hummer serviert, in legerer Atmosphäre direkt am Strand und manchmal mit Live-Jazz. Zwischen Holetown und Bridgetown liegt das gehobenere Restaurant Cin Cin By The Sea (www.cincinbythesea.com). Die Küche ist mediterran mit karibischem Einfluss. Als Sahnehäubchen gibts eine Terrasse und eine hippe Lounge-Bar direkt über dem blauen Ozean.

Unterkünfte
Die meisten Hotels und Resorts liegen an der ruhigeren Westküste. So auch das Waves Hotel&Spa in Prospect Bay, St. James (eleganthotels.com/waves-hotel-spa).

Weitere Infos
Hilfreiche Informationen zu Planung, Unterkünften und Aktivitäten auf der Insel liefert Visit Barbados (www.visitbarbados.org/de).


ANSPRUCHSVOLL Loch Nummer 7 im Royal Westmoreland Golf Club.

TÜCKISCH Im Westmoreland (hier die 10) gilt es, ein paar Schluchten zu überwinden.

VORSICHT, LEBEWESEN! Die Gewässer (und Strände) sind die Heimat von Seeschildkröten.

SCHMUCKSTÜCK Der Apes Hill ist einer der jüngsten (und besten) 18-Lochplätze der Karibik.

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