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Neuer Trend: Schläger-Klau in Schweizer Golfclubs

Simpler Diebstahl kommt gelegentlich auch in Schweizer Golfclubs vor. Die systematischen Einbrüche der letzten Monate indes sind ein neues Phänomen – das sich zu einer wahren Einbruchserie entwickelt hat.

«RISIKOGRUPPEN» Die Diebe haben es vor allem auf teure Putter sowie Hölzer der Marken Callaway und TaylorMade abgesehen.

Von Andreas Bonifazi 

 

Es ist Freitagnacht, ein Uhr dreissig. Das Turnier mit anschliessendem Nachtessen ist vorüber, alles ist ruhig auf dem Golf, der Parkplatz ist leer. Plötzlich schleichen dunkle Gestalten über die Anlage, Glas klirrt, die Männer steigen durch die zerborstenen Fenster in den Caddieraum ein. Einige Minuten später haben sie die teuersten und neusten Schläger, die sie erbeuten konnten, in einen Transporter geladen und fahren davon. Auf Nimmerwiedersehen.


Ein schlechter Golf-Krimi? In der Schweiz reine Fiktion? Keineswegs, leider sind solche Fälle Realität geworden. In den letzten zwölf Monaten wurden in mehreren Golfanlagen der Schweiz Einbrüche verübt. Begonnen hat die Serie in der Westschweiz und griff dann über auf die Deutschschweiz. Die Liste der betroffenen Clubs ist lang: Source du Rhône, Wallenried, Limpachtal, Realp, Heidental, Ybrig, Interlaken – und diese Aufzählung ist nicht abschliessend.


Die Vorgehens-Muster gleichen sich: Die Diebstähle geschehen nach Mitternacht, gestohlen werden immer nur wertvolle Schläger, vorzugsweise Hölzer der Marken Callaway und TaylorMade sowie Putter. Von den Tätern fehlt meist jede Spur. Kamera-Bilder aus verschiedenen Golfclubs zeigen, dass die Täter in den Tagen vor dem Einbruch die örtlichen Gegebenheiten inspiziert hatten. In einem Club hatten sie sogar unter falschem Namen eine Pro-Stunde gebucht. Die verdächtigen Bewegungen sind aber erst im Nachhinein aufgefallen.

Es geschah am helllichten Tag
Diebstähle auf Golfplätzen gibt es hin und wieder. Sogar mit ausgesprochen frechem Vorgehen, wie Pit Kälin, der Leiter des Golfparks Holzhäusern, festgestellt hat. Schon im Jahr 2008 hatte er zwei Diebstähle im Caddieraum zu beklagen – und zwar «am helllichten Tage». Die Einbrüche der vergangenen Monate sprechen jedoch eine andere, rauere Sprache.


Die Systematik ist unübersehbar und legt die Vermutung nahe, dass eine professionelle Bande am Werk ist. Was bleibt, ist Erstaunen, Ärger sowie eine Verunsicherung bei allen Betroffenen. Für die Golferinnen und Golfer sind vor allem die ganzen Formalitäten nach einem Einbruch aufwändig – immerhin sind die Kosten durch die Versicherung im Normalfall gedeckt.


Noch lästiger ist das Ganze für die Manager der Golfclubs, die sich mit verschiedenen Problemen konfrontiert sehen: mit dem Ärger der Mitglieder etwa, den Untersuchungen der Polizei und – nicht zuletzt – dem wirtschaftlichen Schaden. Denn trotz Versicherung entsteht bereits durch den Einbruch selbst meistens beträchtlicher Sachschaden, etwa durch zerbrochenes Glas oder Beschädigung von Einrichtungsmaterial.


Im Falle des Golfclubs Limpachtal war das besonders ärgerlich, weil in den teuer verglasten Showroom eingebrochen wurde. Und auch die entwendeten Schläger schlagen aufs Budget, wie Boris Lah vom GC Limpachtal sagt: «Es entsteht ein betriebswirtschaftlicher Schaden, denn die Testschläger bekommen wir via Pre-Order-Bestellungen zu guten Konditionen, aber die Versicherung erstattete uns nur genau diesen Betrag. Nachbestellungen sind dann deutlich teurer.»

Professionelles Vorgehen
Die Hoffnung, das Diebesgut zurückzubekommen, erweist sich meistens als Illusion. Die Schläger tauchen in der Schweiz nicht mehr auf, auch nicht auf offiziellen Internet-Plattformen: «Wir wissen nichts von gestohlenem Golfmaterial, das bei uns angeboten wurde», sagt Barbara Zimmermann von ricardo.ch. Auch bei eBay Schweiz und auf ausländischen eBay-Plattformen weiss man nichts von Diebesgut aus der Schweiz.


Allerdings ist fraglich, ob diese Art von Wiederverkauf von Online-Börsen überhaupt registriert würde. Die allgemeinen Geschäftsbedingungen von ricardo regeln zwar, dass «der angebotene Artikel Eigentum des Verkäufers sein muss». Auch hat die Online-Plattform einige Sicherheitsmassnahmen eingebaut. Doch Barbara Zimmermann hält fest, dass ricardo.ch im Normalfall «ohne ordentliche Anzeige einer dritten Partei (zum Beispiel Polizei) keine Möglichkeit hat, gestohlene Ware als solche zu identifizieren». Das professionelle Vorgehen der Diebe beim Delikt selbst weist darauf hin, dass auch der Wiederverkauf raffiniert abgewickelt wird und damit kaum nachzuverfolgen ist.

Eine Spur führt nach Holland
Offenbar werden die Driver und Putter ins Ausland transportiert und dort verkauft: «Wir wissen aufgrund der Seriennummern, dass die bei uns gestohlenen Driver in Holland von Golf-Pros verkauft wurden», sagt Boris Lah vom GC Limpachtal. Die Chance, diese Schläger zurückzubekommen, besteht allerdings kaum. Welches Ziel die gestohlenen Driver und Putter sonst nehmen, ist unklar. Polen ist als Bestimmungsort genannt worden, doch die polnische Polizei hat diesbezüglich keine näheren Hinweise.


Aufgefallen ist in betroffenen Golfclubs einige Zeit vor dem Einbruch zudem ein unbekanntes Auto mit französischen Nummernschildern. Der einzige wenigstens halbwegs konkrete Hinweis führt jedoch wie erwähnt nach Holland – auch wenn man dort nichts davon wissen will: «Aber wenn das wahr ist», sagt Alexander Robijn vom niederländischen Golfverband, «dann ist es keine gute Sache.» Ein wahres Wort!
Diebstahl von Golf-Equipment ist nicht nur in der Schweiz ein Problem: In den Vereinigten Staaten schätzt «USA Today», dass der Handel mit gestohlenem Material bis zu 10 Prozent des Gesamtumsatzes der Branche ausmacht. Und dieser Prozentsatz entsprach schon 2005 rund 200 Millionen Dollar…


Da sind die Dimensionen in der Schweiz kleiner, aber das Thema treibt die Golf-Manager auch hier zu Lande um: «Das Ganze ist sehr ärgerlich», sagt Mario Rottaris, Manager des GC Wallenried und Präsident der ASGM (Schweizer Verband der Golfmanager). «Das Lästige für die Clubmanager sind vor allem auch die Versicherungsfragen nach solchen Einbrüchen. Die ASGM hat ein Dossier erstellt, das den Managern hilft, die Versicherungen ihrer Clubs zu überprüfen und die Mitglieder über deren notwendigen privaten Versicherungsschutz zu instruieren.»

Schlaraffenland Schweiz?
Die Einbruchserie scheint vorerst ausschliesslich auf Schweizer Golfanlagen beschränkt zu sein. Die meisten Golfclubs im süddeutschen Raum und im Elsass  sind noch nicht betroffen und wissen nichts von solchen Einbrüchen. Erste Indizien deuten aber darauf hin, dass die Täter ihren Wirkungskreis auch auf Süddeutschland ausdehnen. Hagen Dillmann, Manager des bei Schweizern beliebten Platzes Obere Alp, berichtet von  einem Golfclub in Süddeutschland, der Fotos von mutmasslichen Einbrechern in Umlauf brachte.


Welche Massnahmen können Golfplatzmanager ergreifen, um diese Einbruchserie zu stoppen? Einige Clubs haben sich zusätzliche Sicherheitsmassnahmen überlegt oder bereits eingerichtet: den Einbau neuer Schlösser, die Verstärkung aller Eingangstüren oder die Installation von Alarmanlagen, die direkt mit Sicherheitsfirmen oder der Polizei verbunden sind. Auch Videoüberwachungen sind mancherorts im Gespräch.


Ob diese Massnahmen Wirkung entfalten, wird sich weisen. Zumindest sind die Golfclub-Manager untereinander gut vernetzt und informieren sich gegenseitig sofort, wenn etwas geschieht. Ein gemeinsames Vorgehen planen sie nicht, das «ist Sache der Kooperation zwischen den kantonalen Kriminalpolizeien», sagt der Präsident der ASGM, Mario Rottaris.

Es gibt auch positive Aspekte
Die ernüchternde Tatsache bleibt: Von Tätern und gestohlenem Material fehlt vorerst jede Spur. Auffällig ist das dreiste Vorgehen der Täter, die sich offenbar sehr sicher fühlen oder die Lage genau inspiziert haben. Sie brechen sogar ein, wenn die Fluchtmöglichkeiten aufgrund der Zufahrtswege wie etwa im Ybrig äusserst schlecht sind.


Bei all den negativen Erlebnissen gibt es aber auch zwei positive Aspekte: Es sind bisher keine Menschen zu Schaden gekommen, und der Zusammenhalt unter den Mitgliedern von betroffenen Clubs ist häufig gewachsen. Jimmy Jörg vom GC Ybrig will beobachtet haben, dass sich die Mitglieder nach dem Diebstahl sehr solidarisch zeigten: «Die Mitglieder haben sich – weil der Diebstahl während den Clubmeisterschaften geschah – sogar gegenseitig Schläger ausgeliehen, damit alle  das Turnier zu Ende spielen konnten.»


Unbestätigten Gerüchten zufolge soll das Score unter den ungewohnten Bedingungen bei den meisten nicht gelitten haben …     

 
 
 
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