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Background - Februar 2010

SGN macht im Cyberspace einen Quantensprung

2009 haben über eine halbe Million Schweizer Golferinnen und Golfer ihre Tee-Time über das Swiss Golf Network (SGN) gebucht. Bei einem Teil von ihnen blieb es aus technischen Gründen allerdings beim Versuch … Doch jetzt ist alles vorgekehrt für eine pannenfreie Saison.

GEBALLTE RECHENPOWER An diesem «Hirn» hängt künftig die halbe Golf-Schweiz: Ein Blick in einen der Räume des Rechenzentrums der Migros Ostschweiz, dem neuen «Zuhause» von Swiss Golf Network.

Der im Frühling 2009 online eine Tee-Time über das Portal von Swiss Golf Network buchen wollte, brauchte zuweilen viel Geduld. Manchmal arbeitete das System einwandfrei, aber oft wurde der Vorgang zum ärgerlichen «slow play», und hin und wieder zwangen Totalabstürze zum wiederholten, mühsamen Neu-Einloggen.

«Ja, es stimmt, anfangs letzter Saison hatten wir riesige Probleme mit unserer Dienstleistung», sagt Sarah Roberts, die Gründerin und Betreiberin von Swiss Golf Network SGN (vgl. Boxen Seiten 30 und 31). «Aber diese Schwierigkeiten gehören der Vergangenheit an, und jetzt haben wir alles im Griff.» Schuld am digitalen Gau vom Frühling 2009 sollen zwei Faktoren gewesen sein: Der Anschluss der Migros an SGN und das gute Wetter.


Der Wechsel von Migros zu SGN war zwar von langer Hand geplant und in mehreren Testläufen simuliert worden. Aber die Tatsache, dass das sozusagen über Nacht einsetzende milde Frühlingswetter die wintermüden Golferinnen und Golfer gleich scharenweise mobilisiert habe, sei nicht vorauszusehen gewesen, sagt Roberts. «Dieser Ansturm war schlicht und einfach zu viel für unser System.»

Unterstützung erhält Roberts von Patrick Mosberger, dem IT-Leiter der Migros Ostschweiz in Gossau SG, wo die SGN-Server neuerdings «zuhause» sind: «Wir dürften damals mit unseren Golfparks für die Hälfte des ganzen Datenflusses verantwortlich gewesen sein», sagt Mosberger, «und wir fühlten uns gewissermassen mitverantwortlich für einen Teil des Schlamassels. Deshalb haben wir Sarah Roberts und SGN auch sofort unseren uneingeschränkten Support angeboten.»


Diese souveräne Hilfsbereitschaft hatte natürlich nicht nur altruistische Gründe. Mosberger realisierte, dass es unter den «SGN-Geschädigten» auch viele Migros-Golfkunden hatte, denen es egal sein würde, wo genau der «Schuldige» sass. Sie würden einfach frustriert feststellen, dass ein System versagt hatte und sie ihre Tee-Time auf dem anvisierten Migros-Platz nicht buchen konnten. Also setzten Mosberger und sein Team alles daran, SGN wieder «zum Laufen zu bringen».


Diese «Feuerwehrübungen» wurden im Laufe der vergangenen Saison mehr und mehr zu einer eigentlichen Partnerschaft. Sie gipfelte darin, dass Sarah Roberts die SGN-Server seit 2010 im Rechenzentrum der Migros Ostschweiz in Gossau SG «housen» lässt.

Am ursprünglichen Standort der Hardware waren die Bedingungen – gelinde gesagt – suboptimal: «Sarah musste sich selber um die ganze Hardware kümmern, dabei ist sie doch Software-Expertin», sagt Mosberger. «Aber jetzt hat sie ja einen passenden Partner gefunden.»

Die «Migros-Klammer»
An dieser Stelle scheint eine Klammerbemerkung angebracht: Was veranlasste die Migros überhaupt dazu, ihr eigenes Golfpark-Reservationssystem aufzugeben und zu SGN zu wechseln? Das sei primär eine Frage der Benutzerfreundlichkeit gewesen, sagt Mosberger. «Da das Migros-System ja nur ein Reservationstool und keine Handicapverwaltung war, mussten sich unsere Golferinnen und Golfer bei zwei verschiedenen Systemen einloggen – je nachdem, welche Dienstleistung sie beanspruchen wollten.»

Ein weiterer Grund für den Wechsel zu SGN waren die Kosten: Die Migros erkannte schnell, dass sie der Vertrag mit dem bisherigen Anbieter wesentlich mehr kostete als ein Deal mit SGN.

Und schliesslich sei da noch das Golf-Knowhow gewesen, sagt Timo Zingg, Chef der IT-Unit «Freizeitanlagen», die ebenfalls in Gossau stationiert, aber für die Einrichtungen in der ganzen Schweiz zuständig ist. «Sarah Roberts brachte dieses Knowhow mit», sagt Zingg. «In dieser Beziehung war die Zusammenarbeit mit dem vorherigen Partner recht schwierig. Bei Systemanpassungen mussten wir quasi in jeder Diskussion ‹das Golf-Rad neu erfinden›.»


Und damit sei die «Migros-Klammer» geschlossen.

Safety first!
Auch in Sachen Support wird der Umzug nach Gossau für SGN einen Quantensprung bedeuten. Mosberger steht dort ein Stab von 54 IT-Experten zur Verfügung, der rund um die Uhr auch die kniffligsten technischen Probleme löst.


Gossau hat aber noch einen weiteren «Standortvorteil»: Wie erwähnt, ist hier  auch eine Crew von rund acht Fachleuten stationiert, die – gewissermassen «genossenschaftsübergreifend» – für die nationalen IT-Belange «Freizeit und Klubschulen» zuständig ist. In dieser Abteilung verantwortet Timo Zingg den Bereich Freizeitanlagen – zu denen auch die Golfparks gehören.

Untergebracht sind die Golf-Server in Gossau in zwei voneinander getrennten, 2007 erstellten Rechenzentren der Migros Ostschweiz. Etwa 300 Server versehen dort ihren Dienst, drei bis vier davon sind für SGN im Einsatz.


Die Einbindung ins IT-System eines «Goliaths» bietet einem «David» wie SGN neben dem Support einen zweiten grossen Vorteil: Die Vernetzung mit der Rechenanlage des (in diesem Fall orangen) Riesen. Dadurch werden die Daten dauernd «gespiegelt», das heisst, es wird permanent eine Sicherheitskopie aktualisiert. So gehen keine Daten verloren, und selbst wenn mal eines der SGN-Geräte schwächeln sollte oder gar alle gleichzeitig versagen, bricht nicht gleich das ganze System zusammen.

Komfortables «housing» zum Freundschaftspreis
Die Datenmengen, welche die SGN-Server zu bewältigen haben werden, sind eindrücklich. Über Swiss Golf Network wurden bereits in der vergangenen Saison stolze Zahlen abgewickelt: 500 000 Tee-Time-Buchungen, 98 000 Turnierergebnisse, 58 000 Turnieranmeldungen, 9000 Adressmutationen für «Golf Suisse», das Verbandsmagazin.


Diese Zahlen werfen natürlich die Frage nach den Kosten für das «Migros-Housing» auf. Roberts möchte da keine Angaben machen, und auch Mosberger hält sich bedeckt. «Ich schätze mal», sagt er, «dass 2010 etwa die Hälfte der Serverkapazität allein für Dienstleistungen zu Gunsten unserer Golfparks beansprucht wird. Eine vernünftige Kostenstruktur liegt also in unserem ureigensten Interesse.»

Im Klartext dürfte diese etwas gewundene Aussage wohl bedeuten, dass Sarah Roberts für das Housing ihrer SGN-Server der Migros nicht einen handelsüblichen, sondern einen Freundschaftspreis bezahlt. Eine Vermutung, die durch ein anderes Statement Mosbergers gestützt wird: «Die Kapazitätsanforderung für SGN bewegt sich im Promillebereich unserer gesamten Informatikleistungen», sagt er.

Die SGN-Preise
Trotzdem fallen für SGN natürlich Kosten an, und da scheint es angebracht, mal einen Blick auf die Einnahmequellen von Sarah Roberts’ System zu werfen. Jeder Club, der bei SGN abonniert ist, bezahlt pro Jahr eine Grundgebühr von 1350 Franken. Darin inbegriffen ist die Online-Publikation von grundsätzlichen Infos wie Greenfeepreisen, Kontaktpersonen, Scorekarte des Platzes, Turnierkalender etc. Ebenfalls inbegriffen ist die Möglichkeit, dass sich User für ein Turnier anmelden und die Rangliste einsehen können. Neben diesen Basics kann ein Club zwölf weitere (kostenpflichtige) Module abonnieren.

Auf einer anderen Schiene laufen die Tee-Time-Reservationen. Hier ist die Anzahl der Buchungen aus dem Vorjahr die Basis für die Jahresgebühr, die zwischen 400 und maximal 4800 Franken liegt; der Maximalansatz kommt bei mehr als 7000 Buchungen zur Anwendung. Zudem kann ein Club ein Abo zum Verschicken von Serien-E-Mails lösen (Fr. 300.–), eines für einen Online-Fotoalbumservice (Fr. 450.–), eines für ein Dokumenten-Managementsystem für Club-News (Fr. 300.–) oder eines für einen SMS-Dienst, der alle Clubmitglieder über Turnierstartzeiten informiert (Fr. 2400.–).


Von der Rechenleistung her sei man gewappnet, sagt Mosberger. «Wir haben die neuste Generation von Rechnern im Einsatz. Noch mehr Power wäre weder bezahlbar noch sinnvoll.»

Swiss Golf Network sei jetzt sehr gut aufgestellt, sagt Mosberger. «Besonders wenn man bedenkt, dass das Ganze ja keine lebensnotwendige Applikation ist.»

Sie ahnen es, liebe Leserinnen und Leser: IT-Experte Patrick Mosberger spielt kein Golf …     

 

Autor: Franz Scherrer (Text & Fotos)  

 
 
 
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