Von Franco Carabelli
Das Handy piepste am Sonntag, 13. Dezember, um 12.37 Uhr MEZ. Die SMS lautete: «Habe den Bescheid schon bekommen, habe die Tourkarte für 2010 (Smiley) Jupiee!!! Gruss, Caroline.»
Und auch im Blog auf ihrer Webseite (www.carolinerominger.ch) freute sich die 26-jährige Engadinerin: «Endlich ist es sicher, und das Warten hat ein Ende. Dank dem 73. Platz im ‹exemption ranking› ist meine volle Spielberechtigung für 2010 gesichert.» Dieses Ranking wurde Rominger von der LET zugestellt, unmittelbar nachdem am Persischen Golf die letzten Spielerinnen das Dubai Masters beendet hatten.
Hand aufs Herz, Caroline Rominger: Wars eine Zitterpartie? «Ach, so würde ich das nicht ausdrücken», sagte die über Jahre hinweg beste Schweizer Amateurgolferin, die Anfang 2009 den Schritt ins Profilager wagte. «Irgendwann habe ich die Rechnerei und die Spekulationen aufgegeben und versucht, möglichst cool die offiziellen Nachrichten abzuwarten. Und jetzt bin ich einfach mega-happy, dass es geklappt hat.»
Wenn man sich das Exemption Ranking etwas genauer anschaut, stellt man fest, dass Rominger durchaus noch etwas «Luft» hatte auf die Schwedin Lotta Wahlin, die mit Platz 80 die Liste der «fully exempted players» abschliesst. Wahlin totalisierte rund 15 800 Euro an Preisgeld, Rominger brachte es auf 18 900. «Die 3100 Euro Differenz mögen auf den ersten Blick nicht so komfortabel erscheinen», sagt die Schweizerin. «Aber da die Preisgelder an unseren Events ja recht bescheiden sind, entsprechen die 3100 Euro in etwa einer Platzierung in den Top 10 bis Top 20 an einem mittelgrossen Turnier.»
«Der Job gibt mir Bodenhaftung»
Die gut 3000 Euro sind allerdings viel mehr wert als die 4641 Franken, denen sie zum Tageskurs des 13.12.09 entsprachen: Erstens kann Caroline Rominger ihre zweite Profisaison viel gezielter und unabhängiger planen. Zweitens kann sie während der Saison viel freier entscheiden, welche Turniere sie spielen will, und ob es unter bestimmten Bedingungen klüger ist, mal einen Event auszulassen und intensiv an einem technischen Detail zu feilen – oder einfach mal die Seele baumeln zu lassen. «Diese volle Spielberechtigung macht einfach alles viel leichter, sagt Rominger, «und ich bin überzeugt davon, dass sich das auch positiv auf meine Resultate auswirken wird.»
Die ersten Entscheidungen für eine Saison unter neuen Voraussetzungen hat Caroline Rominger schon getroffen. «Bis Ende Januar, Mitte Februar werde ich zu Hause im Betrieb arbeiten, um ein bisschen Geld zu verdienen», sagt sie. Ihre Eltern betreiben in Pontresina ein Schreiner- und Inneneinrichtungs-Geschäft. «Der Job bringt mir aber nicht nur finanziell etwas», sagt Rominger und lacht. «Er gibt mir Bodenhaftung, und er ist eine sinnvolle Abwechslung zum Leben auf der Tour. Wenn es dann dort wieder losgeht, freut man sich viel mehr auf die Reiserei und den ganzen Rummel.»
Saisonstart in Down Under
Im Februar wird Rominger zum Training nach Südafrika fliegen. Ihre Basis ist Fancourt, ein schickes Resort in der Nähe von George. «Dort habe ich eine optimale Infrastruktur», sagt sie. «Die Südafrikanerin Val Holland ist meine Techniktrainerin, und dann kann ich auch noch auf eine Physio und einen Konditionstrainer zurückgreifen. Ideale Bedingungen also, um mich auf meinen ersten Turniereinsatz vorzubereiten.»
Die Wettkampfsaison 2010 wird Caroline Rominger in Australien und Neuseeland beginnen. «Der genaue Plan ist zwar noch nicht draussen, aber vielleicht wird es so sein, dass ich direkt von Südafrika aus nach Down Under fliege. Aber solche Sachen sind jetzt schon fast Details, und ich werde dann relativ spontan entscheiden.»
«Management by Caroline»
Bis es so weit ist, beschäftigt sich die «selbstständige Golf-Unternehmerin» mit der Akquisition von Sponsoren. «Auch in dieser Beziehung sollte mir mein neuer Status innerhalb der LET gewisse Vorteile verschaffen.» Rominger, die sich selber managt, sagt, sie sei für 2010 noch «an zwei, drei viel versprechenden Sachen dran». Dann hofft sie natürlich auf die Fortsetzung der Unterstützung durch die Swiss Golf Foundation und den Swiss Golf Pro Supporter Club. Bereits verlängert haben die Ausrüster Titleist (Schläger und Bälle) sowie Lyle & Scott (Bekleidung). Und sein Engagement ebenfalls schon erneuert hat auch Caroline Romingers Hauptsponsor, die Schweizer Beteiligungsgesellschaft BB Biotech AG.
Alle Ampeln stehen also auf Grün. Das bedeutet freie Fahrt für den Rominger-Express, und wer weiss, vielleicht piepst ja irgendwann wieder das Handy. Diesmal mit einer SMS zum ersten Profisieg einer Schweizer Golferin …