Von Franco Carabelli und Hannes Huggel
Es war eine überschaubare Runde, die sich da in einem der Konferenzräume der Anwaltskanzlei Staiger, Schwald & Partner AG an der Genferstrasse in Zürich eingefunden hatte: Am einen Kopfende des Sitzungstisches sass Gastgeber Markus Gottstein, seines Zeichens Rechtsanwalt in besagter Sozietät und Präsident der Kommission Spitzensport im Schweizerischen Golfverband ASG. Rechts von ihm hatten Barbara Eberhart und Cecilia Seitz-Bjöörn Platz genommen. Erstere ist Präsidentin der Nachwuchskommission, Letztere die Regionalcapitaine Ost. Links von Gottstein sassen die G & C-Vertreter Hannes Huggel, nebenbei Juniorencaptain im GC Rheinblick, und Franco Carabelli.
Die Kommunikation beginnt
Die Vorgeschichte zu diesem Round-Table-Meeting ist schnell erzählt: In der Septemberausgabe hatte G & C unter dem Titel «20 Jahre hintendrein – oder um Meilen voraus?» über das Schweizer Juniorenwesen berichtet und dabei auf verschiedene Missstände hingewiesen. In der Folge meldeten sich vor allem Juniorencaptains via E-Mail bei der Redaktion, gratulierten zur Themenwahl und berichteten von ihren Problemen mit verschiedenen Dispositionen der ASG und deren Nachwuchschefin.
Als sich G & C in einem Rundschreiben direkt an weitere Juniorencaptains wandte und sie um ihre Meinungen bat, schaltete sich Gottstein ein und monierte, ein der-artiges Vorgehen zeige Züge einer persönlichen Kampagne gegen seine Vorstandskollegin Barbara Eberhart. Diese wiederum signalisierte Gesprächsbereitschaft, worauf G & C vorschlug, sich zu einer Aussprache an einen Tisch zu setzen. Und Gottstein erklärte sich bereit, die Räumlichkeiten für das Treffen zur Verfügung zu stellen.
Das also ist die Ausgangslage des Meetings, das Gottstein am 21. Oktober um 11.30 Uhr mit der offiziellen Begrüssung der Parteien eröffnete. Die Schreibenden bedankten sich im Namen von G & C für die Einladung und die Diskussionsbereitschaft und betonten, es sei bei den verschiedenen Artikeln in erster Linie um die Sache gegangen. Wenn man den Eindruck erhalten haben sollte, es gehe um einen Feldzug gegen die Präsidentin der Nachwuchskommission, dann bedauerten sie dies.
Das Nachwuchskonzept
Dann lanciert G & C den ersten konkreten Kritikpunkt: das Fehlen eines allgemein zugänglichen und schriftlichen Konzepts zur Nachwuchsförderung mit generellen strategischen und messbaren operativen Zielen sowie den Vorstellungen, wie diese erreicht werden sollen.
Doch bevor sich die Runde des Themas annimmt, möchte Gottstein festgehalten haben, dass die Clubs von der ASG generell zu viel erwarten würden. «Grundsätzlich ist die Juniorenarbeit ja Aufgabe der Clubs», sagt er. Aber natürlich sei der Verband bereit, die Clubs dabei zu unterstützen. «Aber die ASG kann und will den Clubs nicht grundsätzlich die Arbeit abnehmen. In dieser Beziehung denken einige Juniorenverantwortliche schon etwas gar egoistisch.» Den Einwand, der Verband schüre diese Erwartungshaltung geradezu, indem er eine entsprechende Kommission unterhalte und das Ressort auch straff führe, lässt Gottstein nur zum Teil gelten.
Zum Nachwuchskonzept sagt Barbara Eberhart, es gebe sehr wohl ein solches Konzept, und es liege auch in schriftlicher Form vor. Nur, allgemein einsehbar sei es tatsächlich nicht. «Doch unser Konzept ist bekannt – nur schon durch unsere Strukturen und die Art und Weise, wie in den vergangenen Jahren gearbeitet wurde.» Gottstein unterstützt seine Vorstandskollegin und ergänzt, sportliche Ziele zu setzen mache wenig Sinn, «weil die Qualität der Juniorinnen und Junioren von Jahrgang zu Jahrgang sehr stark schwankt».
G & C beharrt auf der Meinung, dass es für den zehntgrössten Sportverband der Schweiz nicht angehen kann, kein allgemein zugängliches Nachwuchskonzept mit definierten Zielen zu haben.
Die Bemerkung, ein solches Konzept sei auch zwingend nötig im Hinblick auf die Zukunft von Golf als olympischer Sportart und die Zusammenarbeit mit Swiss Olympic, stösst bei der ASG-Delegation nur zum Teil auf Verständnis. Gottstein sagt, er glaube nicht, dass sich «da in den nächsten zwei, drei Jahren viel ändern» werde. Diese Zeit brauche man für eine saubere Lagebeurteilung. Wenn sich daraus ergebe, dass eine engere Bindung an Swiss Olympic sinnvoll sei, dann werde man sie auch eingehen. «Und wenn Swiss Olympic dann unbedingt ein solches Konzept will, dann reichen wir selbstverständlich eines ein.»
Die Verkleinerung der Kader
Der nächste Diskussionspunkt betrifft die Verkleinerung der Regionalkader. Viele Juniorencaptains bezweifelten in ihren Mails, dass eine Nachwuchsförderung Sinn macht, die sich nur der Spitze annimmt.
Die ASG-Delegation beharrt geschlossen auf der Meinung, ihre Strategie sei die richtige. Eberhart sagt, in den Jahren 2000 bis 2007 habe man die Breite gefördert, und 2008 sei man dann plangemäss zu einer Konzentration auf die Elite übergegangen: «Wir fördern jetzt intensiver und gezielter.» Der Verband verfüge über Zahlenmaterial, das die Richtigkeit dieser Strategie belege. Gottstein fügt an, das Ganze sei auch eine Frage der zur Verfügung stehenden Mittel. «Und die reichen nun mal nicht aus, um die ‹Beinahe-Guten› ebenfalls zu fördern», stellt er klar. «Auch deshalb mussten wir die Latte höher legen.»
Das «Brutalo-System»
Bei der Frage, ob es denn unbedingt nötig sei, dass die U12-Turniere nach Brutto Stableford gewertet würden, zeigen die Verbandsvertreter Verständnis. Es sei natürlich überhaupt nicht der Sinn, die Kleinsten durch «Nuller» zu demotivieren, sagen sowohl Eberhart als auch Seitz-Bjöörn. Gewisse Mängel dieses Systems habe man durchaus erkannt, aber man habe nicht in einer laufenden Saison Modusänderungen vornehmen wollen.
Die ausländischen Pros
Mehr als nur Verständnis und Verhandlungsbereitschaft signalisiert die ASG-Delegation beim Vorwurf, die geltenden Bestimmungen für die Anerkennung von ausländischen Pros als J+S-Leiter seien zu hart. «Wir haben die Anforderungen ja schon im laufenden Jahr angepasst», sagt Eberhart. Und beim Einwand, dabei handle es sich streng genommen nur um eine Sofortmassnahme ohne Präjudiz für die nächste Saison, lässt sie durchblicken, dass die neue Regelung auch für 2010 Gültigkeit haben könnte.
Die Transparenz
Grundsätzlich auf Verständnis stösst auch der Wunsch nach Offenlegung der Unterstützungs- und Bonusgelder, welche die Juniorenabteilungen erhalten. Jurist Gottstein gibt aber zu bedenken, dass es Clubs gebe, die gegen die totale Transparenz seien. «Wenn man die Zahlen öffentlich machen will, dann braucht es dazu das Einverständnis aller Beteiligten», sagt er.
Die CS Junior Tour
Wenig Verbesserungen scheinen im Fall der CS-Junior-Tour-Events möglich. Zahlreiche Juniorencaptains hatten sich über die hohen Kosten der von Freitag bis Sonntag dauernden Auswärts-Events beklagt, und einzelne hatten vorgeschlagen, diese Turniere innert zwei statt drei Tagen durchzuführen (Samstag Proberunde, Sonntag zwei Turnierrunden). Gottstein erinnert aber daran, dass es der CS als Titelsponsor vor allem auch darum gehe, jeweils möglichst viele gute Kids am Start zu haben. Zwei Turnierrunden an einem Tag würden die Teilnehmerzahl aber von 108 auf 54 halbieren.
Die Gesprächsbereitschaft
Auf fruchtbaren Boden fällt der Wunsch nach einer besseren und offeneren Kommunikation. «Dazu sind wir gerne bereit, Kommunikation kann man immer verbessern», sagt Gottstein. Und sowohl Eberhart als auch Seitz-Bjöörn räumen ein, dass in dieser Beziehung in der Vergangenheit «sicher nicht immer alles optimal» gelaufen sei. Beide betonen aber, es liege oft auch an der Zurückhaltung der Juniorencaptains. «Unsere Telefonnummern sind bekannt, und wir stehen für Diskussionen, die uns weiterbringen, jederzeit gerne zur Verfügung.»
Das Fazit
Volle zwei Stunden hatten sich die ASG-Vorstandsmitglieder Markus Gottstein (Spitzensport) und Barbara Eberhart (Nachwuchs und Vizepräsidentin) sowie die Regionalcapitaine Ost, Cecilia Seitz-Bjöörn, Zeit genommen, um gegenüber G & C zu den wichtigsten Anliegen von Schweizer Juniorencaptains Stellung zu nehmen. Damit demonstrierten sie nicht nur Gesprächsbereitschaft, sondern auch den hohen Stellenwert, den sie «der Temperatur an der Basis» einräumen.
Trotzdem hinterliess das Gespräch einen zwiespältigen Eindruck. Einerseits zeigten die Verbandsvertreter viel Verständnis für Verbesserungswünsche, vor allem im organisatorischen und reglementarischen sowie im kommunikativen Bereich.
Markante Fragezeichen hingegen hinterliess bei G & C die «angezogene Handbremse», mit der der Verband die olympische Zukunft anzusteuern scheint. Selbstverständlich muss man der ASG genügend Zeit einräumen, um die verschiedenen Optionen seriös zu evaluieren. Aber beim Langmut, den der Verband bei anderen Dossiers bewiesen hat, kann man sich des Verdachts nicht erwehren, dass aus den erwähnten «zwei, drei Jahren» der Sankt- Nimmerleinstag wird.
Im Namen der Juniorencaptains bedankt sich G & C bei den Gesprächspartnern für die Zeit und das Verständnis.