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Swiss Scene - Von: Eine Schweizerin am Solheim Cup

2 Siege: Sherlyn Popelka bestand Solheim-Test

Die 17-jährige Zürcherin Sherlyn Popelka erhielt als erste Schweizerin überhaupt ein Aufgebot für den Junior Solheim Cup. Hier erzählt sie selber, wie sie zwei von ihren drei Matches gewann.

Sherlyn Popelka und ihre Partnerin Klara Spilkova beglückwünschen sich nach einem Punktgewinn.

Die Medien haben es nicht gemerkt – oder fanden es nicht wichtig genug. Als Mitte August im Aurora Country Club in Aurora, Illinois, der Solheim Cup der Juniorinnen über die Fairways ging, war auch eine Schweizerin mit dabei: die 17-jährige Sherlyn Popelka. Als erste Schweizerin überhaupt hatte sie ein Aufgebot für die europäische Auswahl erhalten, die gegen die besten amerikanischen Juniorinnen zum Kontinentalwettkampf antrat.

 

Die Einladung hatte sich die junge Zürcherin, die seit Sommer 2004 in den USA lebt und trainiert, aufgrund ihrer Leistung an der Team-EM der Girls in Kokola (Finnland) anfangs Juli gesichert.

 

Dort belegte Sherlyn in der Einzelqualifikation hinter der Irländerin Leona Maguire den hervorragenden zweiten Rang. Und auch in der Teamwertung liess Popelka ihr Talent aufblitzen: Die Handicap +2.1-Spielerin absolvierte die beiden Runden in 145 Schlägen (74 und 71) und kam damit zusammen mit der Spanierin Anna Arese auf den zweiten Rang von insgesamt 76 Spielerinnen.

 

Nicht zuletzt dank der starken Leistung von Sherlyn Popelka, die neben drei ausländischen Spielerinnen als Einzige unter Par blieb, klassierte sich das Schweizer EM-Quartett hinter Irland, Spanien, Finnland und England im fünften Rang. Dabei liessen die Schweizerinnen Nationen wie Schweden, Frankreich, Deutschland und Schottland hinter sich.

 

G&C hatte schon vor einem Jahr auf Popelka und ihr aussergewöhnliches Talent hingewiesen. Mit gutem Grund: Sherlyns Trainer Henri Reis, der unter anderem die langjährige Weltnummer 1, Annika Sörenstam aus Schweden, seit ihrem 15. Lebensjahr betreut, lobte die Schweizerin in höchsten Tönen. Reis glaubt sogar, dass Sherlyn in naher Zukunft zu den besten Spielerinnen Europas zählen wird. Wie es scheint, ist Popelka auf dem besten Weg, diese Prognose zu bestätigen, denn auch beim Solheim Cup überzeugte die junge Frau auf eindrückliche Weise.

 

Sherlyn hat das Wort Aber übergeben wir an dieser Stelle das Wort an die Hauptdarstellerin, denn für G&C hat Sherlyn Popelka ihre Eindrücke und Erlebnisse im unten stehenden «Solheim-Tagebuch» aufgezeichnet.


15. AUGUST «Das erste Treffen mit ‹meinem› Team»

 

Mein Vater Frank und ich werden am Flughafen O’Hare in Chicago abgeholt und ins Hotel gebracht. Noch vor dem Nachtessen haben wir Gelegenheit, dem Aurora Country Club, dem Austragungsort des Cups, einen Besuch abzustatten. Die Anlage ist 100 Jahre alt, und eines ihrer Markenzeichen ist denn auch ein wunderbarer Bestand an alten Eichen.

 

Beim Nachtessen treffen wir die übrigen Mitglieder des Teams. Wir gehen früh zu Bett, da wir am Morgen beizeiten raus müssen. Ich teile das Zimmer mit der Tschechin Klara Spilkova.

 

16. AUGUST «Die Grüns sind schnell – und die Fairways eng»

 

Nach dem Frühstück absolvieren wir eine Übungsrunde. Wir starten um 11 Uhr. Das Wetter ist fürchterlich, und wir müssen zwei Mal unterbrechen, sodass unsere Runde fast sieben Stunden dauert. Der erste Eindruck: Die Grüns sind extrem anspruchsvoll und schnell. Und die Fairways eng …

 

Beim gemeinsamen Nachtessen treffen wir das US-Team. Die meisten der Amerikanerinnen kenne ich schon. Es ist schön, sie alle wiederzusehen. Ich habe das Glück, neben Nancy Lopez zu sitzen, der Captain des US-Teams. Es ist eine grosse Ehre für mich, und wir unterhalten uns bestens. Sie erzählt, dass ihr Vater ihr immer geraten hatte: «play happy». Zweifellos ein sinnvoller Ratschlag.

 

17. AUGUST «Klara Spilkova wird meine Partnerin sein»

Wir spielen ein Turnier mit Sponsoren und den Junioren der Region. In meinem Flight sind drei Mädchen mit Handicap 15. Sehr nette Girls, und wir erleben eine tolle Runde. Wir schreiben eine 61 und klassieren uns im 4. Rang.

 

Nachdem wir auf der Driving Range geübt haben, diskutieren wir mit Captain Carin Koch die Zusammensetzung der Teams für die Fourball- und die Foursome-Partien. Mir wird als Partnerin meine Zimmergenossin Klara Spilkova zugeteilt.

 

Höhepunkt des Tages ist der Besuch meiner Eltern und meines Freundes. Sie sind zur Eröffnungszeremonie angereist, die recht eindrücklich ist. Es gibt Reden von John und Louise Solheim, der Witwe des Trophy-Gründers Karsten Solheim. Dann werden wir alle von unseren Captains einzeln vorgestellt.

Anschliessend werden die Nationalhymnen der insgesamt elf beteiligten Länder gespielt.


18. AUGUST «Mein erster Sieg am Solheim Cup!»

 

Erster Tag des Junior Solheim Cups! Klara und ich haben Tee-time um 8 Uhr 30. Unsere Gegnerinnen sind Stephanie Kim und Ani Gulugian. Das Wetter ist prächtig und der Platz in hervorragendem Zustand.

 

Beste Voraussetzungen für einen tollen Tag. Die Fans sind alle mit Fahnen und bemalten Gesichtern auf dem Platz. Unser Start gelingt optimal: Ich kann zum Birdie einchippen. Nach neun Löchern liegen wir bereits 4up, was natürlich vielversprechend ist. Mein Putter ist heiss, und mir gelingen insgesamt fünf Birdies, sodass das Match bereits am 15. Loch zu Ende ist. Europa gewinnt zwei Matches, die USA deren vier.Nach einer halbstündigen Pause treffen Klara und ich auf Tiffany Lua und Jane Rah.

 

Irgendwie ist bei uns die Luft draussen, und bereits nach neun Löchern liegen wir 4 down. Obschon wir uns auf den zweiten Neun besser schlagen, verlieren wir das Match 3&2. Nach dem ersten Tag führt USA mit 7,5 zu 4,5. Die Singles am nächsten Tag müssen also entscheiden.

 

19. AUGUST «Das war mein bestes Turniererlebnis!»

 

Ein sehr wichtiger Tag für uns alle. Europa müsste acht von zwölf Matches gewinnen, um den Pokal zu verteidigen. Um 9 Uhr 40 trete ich erneut gegen Stephanie Kim an.

 

Und mir gelingt erneut ein Superstart: Birdie, Birdie, und nach acht Löchern steht es 6up zu meinen Gunsten. Zwar verliere ich die Löcher 9, 11 und 13, aber nachdem ich das 14. gewinne, und wir das 15. teilen, steht mein Sieg fest – 4&3!

 

Alle Matches sind extrem umstritten. Nach meinem Sieg über Stephanie eile ich auf den Platz, um meine Mitspielerinnen zu unterstützen. Obschon Ana Fernandez, Sally Watson und Kelly Tidy ihre Matches ebenfalls gewinnen,  reichte es leider nicht: USA gewinnt 15,5 zu 8,5.

 

Ich bin trotzdem sehr stolz auf unser Team, wir haben alle unermüdlich gekämpft, und ich bin sicher, nächstes Jahr holen wir den Pokal zurück. Ich fühle mich sehr geehrt, hier mitgewirkt zu haben. Es ist zweifellos das eindrücklichste Turnier gewesen, an dem ich bisher teilgenommen habe. Ich bedanke mich bei  allen Mitspielerinnen und den Captains: Sie haben dazu beigetragen, dass mein letztes Junioren-Turnier gleichzeitig das beste war!

 

Autor: Piero Schäfer

 

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