---
facebook twitter google plus print

ANECKEN ERWÜNSCHT! Diese Greens und Bunker sind streng geometrisch und rechtwinklig gelayoutet.

Ein Juwel mit Ecken und Kanten – im wahrsten Sinn des Wortes…

Wer in der Provence Golf spielt, sollte unbedingt den Golf du Domaine de Manville besuchen. Der Course ist in vielerlei Hinsicht einzigartig.

Nüchtern betrachtet, ist die Provence einfach eine Landschaft im Südosten Frankreichs. Aber die Farben der Natur, das Licht und die Gerüche machen diese Region zu etwas ganz Besonderem. Ihre Schönheit und ihr Charme entzücken nicht nur Künstler, sondern auch ganz gewöhnliche Reisende, zu denen viele Golfende gehören. Plätze wie Barbaroux, Mougins oder Terre Blanche sind Legende.

Mit dem Golf du Domaine de Manville ist seit September 2014 nahe des Städtchens Les-Baux-de-Provence ein neuer Platz in Betrieb, der einen durch sein ungewöhnliches Design und die atemberaubende Lage in seinen Bann zieht.

Aber zuerst einige Sätze zu Les-Baux-de-Provence, das von 1641 bis 1791 ein Lehen der Grimaldis aus Monaco war: Mit seinen Festungsmauern, Kapellen, alten Häusern und der betörenden Aussicht in alle Himmelsrichtungen hat sich der Ort einen Platz gesichert unter «Les plus beaux villages de France», einer Vereinigung, die 1982 von Charles Ceyrac gegründet wurde, dem Bürgermeister von Collonges-la-Rouge. Der Zusammenschluss soll kleine Kommunen mit einem besonderen historischen Erbe in Tourismuskreisen bekannt machen.

Zu Füssen des schmucken Städtchens lag bereits früher ein kleiner, charmanter 9-Lochplatz. In den vergangenen Jahren wurde die Anlage komplett erneuert, und das dazugehörende Fünfsternehotel, das zu den «Small Luxury Hotels of the World» gehört, lässt selbst für verwöhnte Reisende kaum Wünsche offen.

Der Golfplatz wurde auf 18 Löcher erweitert, und sein Layout ist wahrscheinlich weltweit einmalig: Die Greens und Bunker sind allesamt in geometrisch-rechteckigen Formen gehalten, und sogar die Fairways folgen mehr oder weniger geraden Linien. Selbst unvoreingenommene Betrachtende werden bei diesem Anblick vielleicht zuerst einmal die Augen verdrehen und sich fragen, ob das Ganze ein Tribut an den Kubismus sein soll oder ob das Design einfach auf einem Spleen des Architekten Thierry Sprecher beruht.

Jérémy Picot, der Directeur du Golf, erklärte uns während der Platzbesichtigung, dass die Gründe für die eigenwillige Gestaltung des Platzes auf einer ganzen Reihe von Auflagen beruht, die die Bauherrschaft zu erfüllen hatte. Dazu gehörten zum Beispiel der Schutz von historischen Gebäuden, die Einhaltung der Umweltdirektiven im Naturpark Alpilles und die Respektierung der landschaftlichen Grenzlinien. Die Gegend wird seit Jahrhunderten geprägt von Olivenhainen, Weinbergen und Trockensteinmauern, und deren Parzellengrenzen verlaufen grösstenteils gradlinig. Nicht zuletzt sollte auch der «alte» Golfplatz möglichst erhalten bleiben und in den vergrösserten Parcours integriert werden.

Golfplatzarchitekt Sprecher, übrigens auch der Erbauer des Parcours von Villars VD, legte Wert darauf, die natürlichen Ressourcen der Landschaft zu schonen. So experimentierte er mit verschiedensten Grassorten, um den Wasserbedarf zu minimieren. Das Resultat überzeugt: Der 18-Lochplatz kommt heute mit der gleichen Wassermenge aus, die früher der 9-Lochcourse benötigte. Die empfindliche Vegetation wurde schon während der Bauphase konsequent geschützt und mit heimischen Zypressen und Hecken ergänzt.

Einige der hinteren Abschläge sind in die felsigen Hänge eingebunden, und hier spielt man ab Bio-Plastikmatten, weil der Aufbau und vor allem die Pflege von Grasabschlägen auf dem Kalksteinboden viel zu aufwändig wäre. An sechs Löchern erwartet einen also eine kleine Kletterpartie über Stock und Stein, aber die Sicht auf die tiefer liegenden Fairways ist den kurzen Aufstieg wert, und die Abschläge sind optisch und spielerisch schlicht beeindruckend.

Trotz des etwas speziellen Anblicks stand unser Urteil schon nach wenigen gespielten Löchern fest: Der Platz fügt sich völlig harmonisch in die Umgebung ein, und die Ecken und Kanten der Greens und Hindernisse fallen nach kurzer Angewöhnungszeit überhaupt nicht mehr auf – von negativ gar nicht zu reden! Zudem war die Qualität der Greens bei unserem Besuch nur knapp zwei Jahre nach der Eröffnung erstaunlich hoch. Der Parcours musste auf einem relativ kleinen Areal von nur 44 Hektaren untergebracht werden, und das wird schon beim ersten Blick auf die Scorekarte offensichtlich: Von den Backtees aus misst der Parcours nur gerade 5502 Meter, keines der vier Par 5 ist länger als 460 Meter, und das längste Par 4 flösst mit mit 390 Metern auch nicht gerade Furcht ein.

Wie fast immer erzählen die reinen Distanzen aber nur die halbe Geschichte. Die technischen Anforderungen auf dem Golf du Domaine de Manville sind aufgrund der natürlichen und konstruierten Hindernisse nicht zu unterschätzen. An sieben Löchern muss der Ball gut platziert werden, sonst versperren hohe Bäume den direkten Weg zum Ziel, und an sechs Bahnen gilt es, auf den wieder an die Oberfläche geholten kleinen Bach zu achten. Vor allem aber kann der Wind an den Ausläufern der Alpilles die Spielenden ganz schön aus dem Konzept bringen. So zum Beispiel an Loch 8, einem Par 3 mit bloss knapp über 100 Metern Länge. Da mussten wir verblüfft feststellen, dass selbst ein gut getroffenes mittleres Eisen deutlich zu kurz geriet!

Diese Lektion und das amüsierte Schmunzeln des einheimischen Begleiters nahmen wir aber emotionslos zur Kenntnis – die Umgebung ist einfach zu schön, um Frust oder Ärger zu empfinden. Immer wieder eröffnen sich neue, faszinierende Ausblicke auf die Landschaft, und über allem thront hoch oben, auf dem Felssporn, wie ein Geist aus längst vergangenen Tagen die alte Festung mit ihren Zinnen und Scharten.

HAUSMANNSKOST VS. STERNEKOCH
Wie beim Design des Platzes wurde auch beim Bau des Hotels grösster Wert auf die Konservierung des bestehenden Gutshofs gelegt. Das Resultat ist überzeugend, selbst die neu erstellten Bauten wie das Clubhaus fügen sich nahtlos in die Anlage ein. Im Innenhof – in der Provence «Mas» genannt – spenden mächtige Bäume Schatten, und die Springbrunnen sowie der Pool sorgen selbst in den heissen Sommermonaten für ein angenehm kühles Setting. Der Spa, der im ehemaligen Heuschober untergebracht ist, umfasst fünf Behandlungskabinen, in denen eine hauseigene Kosmetiklinie verwendet wird, ein Hamam, eine Sauna, Entspannungsbecken sowie einen Fitnessbereich.

Etwas abseits von Hotel und Clubhaus wurden neun zweistöckige Villen erstellt, von denen man eine tolle Aussicht auf den Golfplatz und die hügelige Landschaft geniessen kann. Jede Einheit bietet mit Wohnräumen, Küche, Terrassen und jeweils drei Schlafzimmern mehr als genügend Platz für Familien oder Golfgruppen. Das einzige Problem, das sich Gästen stellt, ist die Frage, ob sie sich kulinarisch selbst versorgen wollen – oder doch lieber beim Sternekoch im Restaurant «La Table». Um alles andere kümmern sich die aufmerksamen und hilfsbereiten Gastgebenden.

AUTOR: PETER HODEL; Fotos: Domaine de Manville, Peter Hodel



FACTS & FIGURES

Domaine de Manville
www.domainedemanville.fr

  • Ökozertifizierter 18-Lochplatz (Par 71, 4385 bis 5502 Meter) 
  • Greenfees € 55.– bis € 72.–; Elektro­caddie: € 15.–; Cart: € 40.–
  • Fünfsternehotel (Member der «Small Luxury Hotels of the World»)
  • 30 Zimmer und Suiten
  • Neun Villen mit je rund 220 Quadratmetern Wohn­fläche (6 bis 8 Personen)
  • Gourmetrestaurant und Bistro
  • Spa mit 530 Quadratmeter für aktive und passive Entspannung
  • Miniclub für Kinder mit Betreuung


Anreise

  •  Auto: ab Zürich etwa sieben Stunden (680 Kilometer)
  •  Bahn: TGV bis Avignon, Transfer zum Hotel zirka 40 Minuten
  •  Flüge nach Marseille oder Nîmes, Transfer zum Hotel rund eine Stunde.




TYPISCH PROVENCE Das Licht und die Farben der Natur gehören zu den Markenzeichen der Region.

AUS EINEM GUSS Auch die neu erstellten Gebäude fügen sich nahtlos ins Gesamtbild ein.

BIO-TEE Auf den höher gelegenen Tees schlägt man von Bio-Plastikmatten ab.

GEOMETRIEUNTERRICHT Eines der Greens hat die Form eines Pentagons.

KLEIN ABER FEIN Die Domaine de Manville gehört zu den «Small Luxury Hotels of the World».

ERFRISCHEND Der Pool im Innenhof der Domaine de Manville.

EINLADEND Das Gourmetrestaurant «La Table» von aussen.

CARRY Die höher gelegenen Tees sind zugleich Aussichtspunkt und sportliche Herausforderung.

RESPEKT Auf das bestehende Landschaftsbild wurde durchweg Rücksicht genommen.

ALLES GERADEAUS Auch Loch 15, ein Par 3, ist ein Golfhole mit Ecken und Kanten…