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LICHTBLICK Am zweiten Tee zeigte sich kurz die Sonne. Damit wurde die ganze Schönheit dieses Loches sichtbar.

GC Bern – Vom Winde verweht

Der Platz des GC Bern ist zugleich auch jener des Golfparks Moossee der Migros. Das Zusammenleben ist harmonisch, und die Clubmitglieder profitieren von den hohen Migros-Standards. Nur das Wetter machte nicht mit, als wir den wunderschönen Platz testeten.

Schon am Empfang im Golfpark Moossee hatte man beinahe Erbarmen mit uns. Das Wetter war garstig, der starke, kalte Wind böig, und nach Golf war eigentlich niemandem so richtig zumute. Doch alle waren da, waren bereit, das schönste Loch des 18- Lochplatzes des GC Bern zu spielen. Es ist Loch 7, das heisst, der G&C-Flight musste sich zuerst einmal sechs Loch durch den Sturm kämpfen. Hin und wieder war etwas blauer Himmel zu sehen zwischen den rasend schnell vorbeiziehenden Wolken und liess Hoffnung aufkommen. Allerdings vergeblich, wie sich zeigen sollt


Trotzdem: Schon die ersten Löcher vermitteln einen Eindruck von der Schönheit dieses Platzes. Vorbei geht es an Moorgebieten, an kleinen Seen, dann über ein nicht zu unterschätzendes Par 5 den Hügel hinauf zu einem bei den herrschenden Windverhältnissen sehr schwierigen Par-3-Loch entlang einem Seelein. Die Löcher 5 (Par 5) und 6 (Par 4) lassen dann etwas Zeit zum Verschnaufen, denn beide sind recht grosszügig angelegt. Gleich nach Green 6 gehts dann hinauf auf den höchsten Punkt des Platzes und zu Tee 7 – und damit zum Loch, das der Club als schönsten ausgewählt hat.

Handicap 1
Es ist nicht nur ein schönes, sondern auch ein schwieriges Loch. Ein Par 4, doch wer den Platz nicht kennt, hat hier eigentlich keine Chance. Vom Abschlag aus bekommt man eine ziemlich falsche Vorstellung, und die Distanzen sind schwer einzuschätzen. Da hilft auch der Parbreaker, respektive die «EagleMap» des Golfparks Moossee nicht viel. Einzig die Distanz vom Tee zur Krete ist eingezeichnet. Aber das ist nicht die einzige Schwierigkeit. Beim Besuch von G&C war es der Wind, welcher derart streng über den Hügelrücken brauste, dass es zum ersten «no return» in der Geschichte dieser Serie kam: Der Schreibende traf seinen Abschlag in der Kälte derart schlecht, dass eine alte Verletzung wieder aufbrach. Nachdem auch sein zweiter Teeshot irgendwo im Rough verschwunden war, gab er auf.

Proette Wendy Miles (vgl. Seite 27), Member Astrid Valente und Juniorencaptain Milan Kunze machten es besser und nützten ihre Platzkenntnisse. Die Ladies platzierten ihre Vorgrün und von dort zwei Putts zum guten Bogey ausreichten. Die verflixten Hanglagen…

Die Ladies hatten zwar gut abgeschlagen, doch die Lage ihrer Bälle auf dem Fairway unterstrich eine der vielen kleinen Schwierigkeiten, welche dieses Loch zu bieten hat. Beide mussten ihren zweiten Schlag aus einer heiklen Abwärtslage heraus spielen. Wie es sich für eine Proette gehört, griff Miles das Green mit einem Eisen 5 an. Den Ball traf sie eigentlich ganz gut, doch trotz der Abwärtslage verzog sie ihn ein bisschen nach links, knapp hinter den dort neben dem Green lauernden Bunker. Ein Pitch mit der 60-Grad-Wedge und zwei Putts – auch sie fuhr ein Bogey ein. Blieb Astrid Valente: Ihr Ball lag nach dem Drive nur wenige Meter neben jenem von Miles. Deshalb hatte sie mit den gleichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Vorsichtig, oder besser gesagt umsichtig, spielte sie den zweiten Schlag defensiv. Mit einer Sandwedge legte sie ihn sicher in die schmale Ebene vor dem Bach. Für den Schlag aufs Green wählte sie ein Eisen 11, das in etwa einer Approach-Wedge entspricht.


Dann hatte sie ein bisschen Pech. Ihr erster Putt blieb an der Lochkante stehen, und so reichte es auch für sie «nur» zu einem Bogey – für Amateure sicher ein gutes Resultat an diesem Loch. Immerhin ist es nicht nur das «schönste», sondern auch das schwierigste auf dem Platz.

Alles begann im TGV
Es ist erst gut drei Jahre her, seit die vom mittlerweile renommierten Golfplatzarchitekten Kurt Rossknecht erbaute Anlage eingeweiht wurde. Somit zeichnet der lindauer Rossknecht inwischen für die Plätze von neun ASG-Clubs verantwortlich: Rheinblick, Schloss Goldenberg, Lipperswil,Lenzerheide, Breitenloo, Moossee, Otelfingen, Sempachersee und Kyburg. Seit der Einweihung hat der Platz von Moossee bereits enorm gewonnen. Die Umgebung der Fairways, die vielen Teiche, die freigelegten Bäche, die Biotope, aber auch die landwirtschaftlichen Flächen bilden zusammen mit den interessant angelegten Spielbahnen mit zahlreichen Doglegs und gut platzierten Hindernissen bereits eine grosse Einheit.

Gemäss einer Kontrolle durch den Thuner Biologen Roland Luder im letzten Jahr, hat sich «der Migros Golfpark zu einem der ökologisch wertvollsten Gebiete im Norden der Agglomeration Bern entwickelt». Angefangen hat die Geschichte des Golfparks Moossee und des GC Bern im TGV zwischen Paris und London. Ernst Aemisegger, der Präsident des GC Bern, erinnert sich: «Wir waren eine Gruppe Migros-Kaderleute unterwegs nach London und machten uns im Zug daran, dieses Projekt zu lancieren und den Verein zu gründen. Der Standortentscheid fiel dann 1999, danach ging es an die Landbeschaffung und die Verhandlungen mit den 25 Eigentümern.» Dann folgten die üblichen Bewilligungsverfahren, und bereits im April 2002 konnte mit dem Bau begonnen werden. Im Mai 2003 wurde das Golfodrom mit der Golfakademie und dem Golfhaus eröffnet, zwei Monate später die ersten neun Löcher des 18-Lochplatzes, wieder einen Monat später der 6-Lochplatz. Nochmals zwei Monate danach wurde die gesamte 18-Lochanlage für den Spielbetrieb freigegeben, und 2004 wurde auch die 9-Lochanlage fertig und die offizielle Einweihung konnte stattfinden.

Schritt für Schritt vorwärts
«Bei der Ankündigung der Pläne für die neue Anlage und den neuen Golfclub gab es überhaupt keinen Run auf Mitgliedschaften », sagt Aemisegger. «An der ersten Mitgliederversammlung waren vielleicht 40 bis 50 Personen anwesend. Alles hat sich eher langsam entwickelt, und manchmal hatten wir fast das Gefühl, es laufe nicht wie erwartet. Aber ich denke, dass es für den Club gar nicht so schlecht war, dass alles ein bisschen langsamer ging als zuerst erwartet. Aber der Golfer will heute eben sehen, was er für sein Geld geboten bekommt.» Mit heute insgesamt 673 Mitgliedern, davon 86 Junioren, ist der GC Bern praktisch beim gesetzten Ziel von maximal 600 Aktivmitgliedern angelangt. Gute Zusammenarbeit Dass der Golfclub Bern mit dem Migros-Golfpark gut zusammenarbeitet erstaunt nicht. Präsident Ernst Aemisegger ist heute zwar Mitglied der Geschäftsleitung der Genossenschaft Migros Ostschweiz, war aber zur Zeit der Planung und des Baus bei der Migros-Genossenschaft Aare tätig, welche das Projekt realisierte. «Das Paket, das wir mit der Migros schnüren konnten, ist ein sehr gutes. Es wurde von den Mitgliedern gut angenommen, wir haben eine angenehme Atmosphäre im Club mit Mitgliedern aus ganz unterschiedlichen Schichten. Eigentlich sind wir ganz einfach ein ASG-Club in einem Migros-Golfpark. Das bedingt eine gewisse Regelung für die Startzeiten.» Dank der guten Zusammenarbeit mit Golfparkleiter Heinz Leuenberger würden die getroffenen Abmachungen sehr tolerant gehandhabt, sagt Aemisegger.

Hervorragende Infrastruktur
Dank dem Golfpark Moossee, dem mittlerweile sechsten Golfpark der Migros, steht den Mitgliedern des GC Bern auch eine hervorragende Infrastruktur zur Verfügung. In der Golfakademie von Thierry Moser arbeiten sechs ausgebildete Teaching-Pros, und die offenen Einsteigerkurse für Mädchen und Knaben sind ein wertvolles Reservoir für den Club. 

 

Infos
www.golfclub-bern.ch
 

 

Karte (klicken)

 

Autor: Hannes Huggel

AN DER KRETE soll der Abschlag vom gelben Tee aus landen.

ÖKOLOGIE Der Platz wurde innert kurzer Zeit zu einem der ökologisch wertvollsten Gebiete bei Bern.

HANGLAGEN Astrid Valente hatte trotz gutem Drive mit der Hanglage zu kämpfen.

GEFÜHLVOLL Trotz Kälte schlug Wendy Miles ihren Pitch mit viel Gefühl.