---
facebook twitter google plus print

PRÄSIDIAL Der Teeshot auf der 12 von Gstaad will gut überlegt sein. Präsident Hammer wählte ein Holz 7.

GC Gstaad – Hoch oben in den Bergen

Und hier soll man Golf spielen? Die Frage betrifft natürlich nicht die Qualität des Platzes von Gstaad. Sie richtet sich an die Schönheit der Natur, die es einem hier oft schwer macht, sich aufs Spiel zu konzentrieren.

Am Abend nach der Ankunft in Gstaad trafen wir an der Bar des Hotels Grand Chalet den Besitzer und Chef, Franz Rosskogler. Rosskogler, ein charmanter Österreicher (mit Schweizer Pass) und begeisterter Golfer, war ein bisschen erstaunt, als wir von der 18 als vorgeschlagenem schönstem Loch «seines» Golfclubs sprachen. Er konnte nicht glauben, dass es nicht die 12 sein sollte. «Das ist ein so schönes und schwieriges Loch, das müsst ihr euch genau ansehen, wenn ihr den Platz spielt. Dort findet ihr alles, was unseren einmaligen Golfplatz so schön macht.» Wenn jemand so von einem Golfloch schwärmt, dann ist es erlaubt, dem Präsidenten die Frage nach dem Grund seiner Wahl für die 18 zu stellen. Bruno Hammer, der Zahnarzt aus Gstaad, der das Amt 2005 übernommen hatte, war nicht überrascht, als wir ihn mit Rosskoglers Aussage konfrontierten. Ein kurzes Gespräch mit Pro Bruno Herrmann, und man war sich einig: «Wir nehmen die 12, aber achtet bei der Runde auch auf die 18, die ist ebenfalls sehr schön.»

Überwältigende Ausblicke
Und so gings auf die Runde. Für den Schreibenden wars die erste auf dem 1995 bis 1998 umgebauten und erweiterten Platz, der 1999 mit seinen jetzt 18 Löchern eingeweiht wurde. Obwohl es lange her ist, seit der G&C-Mann dort oben seine allererste Golfrunde spielte, eines ist gleich geblieben: Auf fast jedem Fairway, auf fast jeder Teebox, auf fast jedem Green eröffnen sich Ausblicke, wie sie nur Gstaad bieten kann. Die Konzentration aufs Spiel wird hier, inmitten der prächtigen Bergwelt, schwierig. Fauna und Flora tragen das ihre dazu bei, noch mehr abgelenkt zu werden…

Die neuen Alten
Die ersten neun Löcher des ausgebauten Platzes haben viel gemeinsam mit den  ursprünglichen. Doch die noch unter Club-präsident Max Staub umgebauten alten neun Löcher sind golftechnisch sehr viel besser geworden. Es beginnt schon auf der 1. Das frühere Par-4-Loch wurde zu einem Par 5, und ein neu angelegter See macht schon den Abschlag spannend. Auf der zweiten Spielbahn wurden die Abschläge versetzt, was das Ganze fairer macht. Bei Loch 3, dem ersten Par 3 mit der charakteristischen Hütte, wurde das Green weiter nach hinten verlegt, so dass die Hütte kaum mehr ins Spiel kommt. Bei der Vier wurde das Fairway verbreitert und auf der linken Seite aufgeschüttet, so dass man etwas besser vor dem «Out of Bounds» geschützt ist.

Und so gehts auf allen Löchern der ersten Neun: Überall wurden kleine, aber fürs Spiel wesentliche Verbesserungen vorgenommen. Dabei kam den Gstaadern ein gewisser Lothar «zu Hilfe». «Die Schäden, die der Sturm Ende 1999 verursachte, und die Borkenkäferplage führten dazu, dass mehr als doppelt so viele Bäume gefällt werden mussten, wie ursprünglich vorgesehen war», erklärt Hammer die ungewohnt offene Sicht auf fast allen ersten neuen Löchern.

Eine andere Golfwelt
Die zweiten Neun sind fast ein bisschen aus einer anderen Golfwelt. Sie liegen alle tiefer als die ersten Neun, das heisst, irgendwo muss es mal hinunter und an einem anderen Ort wieder hinauf gehen. Das ist auf den Spielbahnen 10 und 16 der Fall.

Zwei ganz spezielle Löcher. Beim Abschlag der 10 kann man sich problemlos vorstellen, am Start einer Skiabfahrt zu stehen. Da gehts so steil hinunter, dass man beim ersten Mal schnell mal einen Schläger zuviel wählt und dann zu lang und damit im Wald ist. Auch bei der 16 sind gute Platzkenntnisse ein Vorteil, will man das extrem hoch gelegene Green in Regulation anspielen. Heimwärts gehts dann mit einem relativ einfachen Par 3 und über die alte Driving Range retour zum umgebauten und erweiterten Clubhaus. Doch zuerst darf ja noch das schönste Loch gespielt werden.

Kurz und präzise
Warum das 12. Loch etwas Besonderes ist, spürt man vom ersten Moment an, wenn man sich vom 11. Green (Par 3) in Richtung Teebox bewegt. Bei der Zwölf ist nichts mehr von der auf den beiden Löchern zuvor herrschenden Enge zu spüren – zumindest auf den ersten Blick. Es ist die wunderschöne Landschaft, die sich hier auftut, die von den golftechnischen  Problemstellungen ablenkt.

Auf den zweiten Blick, vor allem dann, wenn man auch noch den Parbreaker konsultiert hat, wirds aber ein bisschen anders. Wie soll ich dieses Loch spielen? Nur gerade 351 Meter lang von den hintersten Abschlägen, sieht man zwar in der «Ferne» das Grün, doch zuerst sticht einem eine wildbewachsene Mulde in die Augen. Dahinter das Fairway, und mittendrin auf dem Weg zum Grün steht ein riesiger Baum in der Spielbahn. Was heisst da ein Baum? Zwischen riesigen Tannen hat es eine Lücke, welche direkt zum Ziel führt. Hier muss man durch, alles andere ist eine grüne Wand.

Der Abschlag entscheidet
Über Erfolg oder Misserfolg an diesem Loch entscheidet, ausgeprägter als in vielen anderen Fällen, der Abschlag. Ist er zu weit rechts platziert, hat man kaum mehr eine Chance, das Green mit dem zweiten Schlag zu erreichen. Zu weit links besteht die Gefahr, dass der Ball auf dem dort hängenden Fairway in den Wald hinunterrollt. Der G&C-Flight machte seine Sache eigentlich ganz gut. Pro Bruno Herrmann schlug von den weissen Abschlägen seinen Ball mit dem Driver («den nehme ich normalerweise nicht, aber ich konnte mich nicht einspielen») ziemlich genau Mitte Fairway, landete etwa 100 Meter vor dem Grün und hatte damit freie Sicht auf die Fahne. Auch Präsident Bruno Hammer war eigentlich ganz zufrieden – er lag mit dem Holz 7 auf etwa 80 Meter und hatte freie Sicht. Nicht optimal platzierte G&C-Mitarbeiterin Brigitte Huggel ihren Abschlag von den blauen Tees aus. Zu weit rechts, weshalb sie den zweiten Schlag vorlegen musste. Marianne Matti, die auf letzte Saison hin das Amt des Ladies’ Captains übernommen hatte, setzte ihren Drive an die von ihr bevorzugte Stelle auf der linken Fairwayseite. So weit links, dass sich zwischen der Riesentanne in der Fairwaymitte und dem Wald eine recht grosse Lücke auftut. «Ich liege fast immer hier, egal ob ich von Blau oder von Rot abschlage.»

«Nur» ein Par
Matti sollte recht behalten. Sie war die Einzige, welche das Green in Regulation
erreichte und mit zwei Putts das Par erzielte. Huggel hatte, nachdem sie vorgelegt hatte, mit der Wedge «es Häckerli» und danach zwei Putts zum Bogey. Zu zwei Stablefordpunkten hätte es trotzdem noch gereicht…

Etwas unglücklich spielte Präsident Hammer. Aus optimaler Lage schlug er den zweiten Schlag mit einer Pitchingwedge rechts vom Grün ins Naturschutzgebiet. Ballverlust, Strafschlag, Approach und zwei Putts, das Doppelbogey war Tatsache. Auch Bruno Herrmann konnte mit seinem zweiten Schlag nicht zufrieden sein. Er verzog seine Pitchingwedge nach links, kam beinahe beim Abschlag 13 zu liegen und brachte dann den Ball mit der Sandwedge nicht genügend nahe an die Fahne. Zwei Putts – Bogey.

Damit hatte sich Franz Rosskoglers Einschätzung vom Vorabend eindrücklich bestätigt: «Ein schönes und schwieriges Loch.»

Bewegte Geschichte
In Gstaad wurde bereits in den 30er-JahrenGolf gespielt, auf einem 9-Lochplatz, betrieben von Hoteliers und dem einheimischen Gewerbe, benutzt eigentlich nur von Gästen. Mit dem Zweiten Weltkrieg wurde der Spielbetrieb eingestellt, und dabei blieb es bis gegen Ende der 50er-Jahre. Es war kein einfacher Weg, bis im März 1959 entschieden wurde, das Projekt im Saanenwald zu realisieren. Ende Jahr  wurde der Golfclub gegründet. Die Finanzierung lief über die Hoteliers, die 10 Rappen pro Logiernacht verlangten und den Betrag weitergaben sowie über eine Erhöhung der Kurtaxen, was zusammen immerhin etwa 32000 Franken jährliche Einnahmen brachte. Bis Ende 1960 betrug das Eintrittsgeld 400 Franken, ab 1961 600 Franken. Dazu kam ein Mitgliederbeitrag von 350 Franken pro Jahr, Familienangehörige zahlten 250 Franken.

Von Harradine zu Harradine
Nach schlechten Erfahrungen mit dem ersten engagierten Golfplatzarchitekten wurde dessen Vertrag aufgekündigt und Donald Harradine verpflichtet. Jetzt gings vorwärts, es wurde fach- und sachgerecht gebaut, so dass im Juni 1962 in einer schlichten Feier im Clubhaus der 9-Lochplatz eingeweiht werden konnte. Bereits 1984 erhielt Donald Harradine den Auftrag für eine Erweiterung der bestehenden Anlage – ein Jahr später lag das Projekt vor. Doch dann kam die Annahme der Rothenturm-Initiative, und in der ganzen Schweiz wurden die Moore inventarisiert – auch im Saanenwald. Die geplante Erweiterung lag genau in einem solchen Flachmoor, «vermutlich» von nationaler Bedeutung. Es begann ein langes Hin und Her.

Grossräte, Regierungsräte, Nationalräte setzten sich für das Projekt ein, doch die Fronten blieben verhärtet. 1993 schliesslich übernahm Max Staub die Präsidentschaft im Golfclub, und mit ihm wurde der «Streit» wieder versachlicht. Umweltkreise wurden in die Planung einbezogen. Peter Harradine löste seinen Vater Donald ab, und innert überraschend kurzer Zeit konnte eine Einigung erzielt werden. 1996 wurde der erste Spatenstich ausgeführt, am 1. August 1997 konnte die neue Anlage eingeweiht werden. In der Clubchronik kann man nachlesen: «Die Erhaltung der Flachmoore hat sich gelohnt, die Flora neben den Fairways ist einzigartig, und die Einbettung des Golfkurses unter Rücksichtnahme auf die Natur in einer parkähnlichen, reizvollen Umgebung brachten dem Platz bereits das Prädikat ‚schönster Alpengolfplatz der Welt’ ein.»

Mitten durchs Naturschutzgebiet
Was herauskommt, wenn sich Golfclub, Platzarchitekt und Naturschutzgremien zusammentun und gemeinsam Lösungen suchen, zeigt sich in Gstaad eindrücklich. Der Weg vom Green 13 (ein einfaches Par 3) zum Abschlag 14 führt mitten durch ein unter Schutz stehendes Alpenwiesengebiet. Selbst der Abschlag 14 ist noch in dieser Schutzzone drin. Was sich hier – je nach Jahreszeit – vor den Augen der Golfer an Alpenflora ausbreitet, kann man nicht beschreiben. Es ist schlicht traumhaft.

 

Infos
www.gstaad.ch

www.swissgolfnetwork.ch 


Golfclub Gstaad-Saanenland
Golfstrasse 4
3777 Saanenmöser
Tel. +41 (0)33 748 40 30
Fax +41 (0)33 748 40 38
golfclub(at)gstaad.ch

 

Karte (klicken)

 

Autor: Hannes Huggel

BLICK ZURÜCK Vom Green aus erkennt man die wenigen Wege aufs Green noch besser.

VERZOGEN Herrmanns zweiter Schlag gelang nicht optimal und landete beinahe auf Abschlag 13.

ZUFRIEDEN Gute Laune vor dem Start. Der G&C-Flight v.r. Marianne Matti, Pro Bruno Herrmann, G&C-Frau Brigitte Huggel und Präsident Bruno Hammer.

CLUBHAUS In die Gegend passend verbirgt sich hinter der Fassade ein hervorragendes Restaurant.

STRAFSCHLAG Hammers zweiter Schlag landete im Biotop statt auf dem Green.