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IMMERHIN DAS KLEINE Die imposanten Schneeberge am Horizont sind Breithorn und Kleines Matterhorn.

Golf vor fantastischer Kulisse

Der Platz des GC Matterhorn hat zwar «nur» neun Löcher. Aber die sollte man gespielt haben. Sie machen Spass und sind zum Teil ganz schön tricky. Und das Panorama dazu ist einfach Spitze – mit einem kleinen Schönheitsfehler …

Der Berg ist omnipräsent im GC Matterhorn: Im Club-Logo, auf Fotos und Postern an den Wänden des Clubhauses, auf Souvenirs – ja sogar die Abschlagmarkierungen sind kleine «Matterhörner» in Weiss, Gelb, Blau und Rot. Nur: Sehen kann man das «Horu» nicht, jedenfalls nicht vom Golfplatz aus. Aber letztlich ist das nichts anderes als ein kleiner Schönheitsfehler, denn eine Runde auf dem 9-Loch-Course des GC Matterhorn macht enormen Spass, und die Landschaft ist auch ohne das 4478 Meter hohe Wahrzeichen der Region beeindruckend schön.

Chapeau, Mr. Chilver-Stainer!
Wer meint, der Platz des GC Matterhorn, der in der Ebene zwischen Randa und Täsch auf 1400 m ü. M. liegt, sei ein «Geissenplatz», der liegt komplett falsch. Die höchste Erhebung, die es auf einer Runde zu überwinden gilt, ist der kleine Anstieg hinauf zum Abschlag bei Loch 2. Von hier aus hat man einen wunderbaren Blick das ganze Tal der Vispa hinauf Richtung Zermatt.

Aber der Reihe nach, denn für einmal berichten wir in dieser Serie nicht «nur» über das schönste, sondern über alle Löcher, die wir gespielt haben. Am ersten Abschlag beeindruckt die Vispa, der schäumende Gebirgsbach hinunter nach Visp, den es zu überspielen gilt. Das Loch ist ein kurzes Par 3 (ab Gelb 125 m), das eigentlich nur aus Teebox und Green besteht – und dem dazwischen rauschenden Wasser … Es braucht etwas Mut und den richtigen Schläger, aber dann kann man schon beim Start gut scoren.

Nach dem Überqueren der Vispa sind wir jetzt auf der linken Talseite, und hier liegen sechs interessante Golflöcher vor uns. Die 2 hatte Präsident Alex Burgener als schönstes Loch auserkoren (mehr dazu auf Seite 60/61), und der bereits erwähnte Überblick von den beiden Herrenabschlägen aus liess Vorfreude aufkommen auf das, was uns erwartete.

Keine Frage: Dem Schotten John Chilver-Stainer ist es gelungen, in diese raue, ursprüngliche Landschaft einen technisch und taktisch anspruchsvollen, attraktiven Platz zu bauen. Nicht weniger als sechs Mal kommt dabei Wasser ins Spiel, und der grosse See bei den Löchern 3 und 4 stellt denn auch besondere Herausforderungen dar. Eine davon ist sicher das Anspielen des vierten Grüns, das zu neun Zehnteln ein Inselgrün ist: Aufs Green gelangt man über eine Brücke, nur verlassen kann man es dann wieder auf «normalen» Wegen. Inselgreens sind ja gross «in Mode», aber jenes im GC Matterhorn passt wirklich sehr gut ins Gesamtbild. Apropos Grüns: Chilver-Stainer hat es für ein Mal geschafft, diese so zu ondulieren, dass es immer noch Spass macht, darauf zu putten …

Der richtige Schläger bringts!
Nach der Rückkehr ans rechte Ufer der Vispa wartet noch ein happiges Stück Arbeit: Gleich zwei Par-5-Löcher bilden den Abschluss im GC Matterhorn. Nicht extrem lang, aber nicht ohne Tücken. Auf dem achten Fairway ist da zum Beispiel die Out-of-Bounds-Grenze entlang der Visp-Zermatt-Bahn auf der rechten Seite, dann der See auf der linken, und zum Schluss das leicht erhöhte, je nach Fahnenposition nicht einfach anzuspielende Grün.

Auf der 9 stellt sich auf dem Abschlag die Frage nach dem richtigen Schläger: Wer über einen guten Drive verfügt, sollte sich überlegen, hier nur mit einem langen Eisen oder einem Fairwayholz abzuschlagen. Die Landezone neben dem See (230 Meter vom gelben Tee aus) ist nämlich nur wenige Meter breit, und nach dem Rough folgt dann gleich wieder die Out-Grenze. Bei dieser Schlägerwahl besteht dann allerdings kaum mehr eine Möglichkeit, das Grün in zwei Schlägen zu erreichen. Das ist aber nicht so tragisch, denn ein guter Schlag übers Wasser bringt einen ohne zu forcieren in die Region von weniger als 100 Metern zum Loch, also in eine gute Ausgangslage, um das geforderte Par zu erreichen.

Nach diesen neun wirklich erlebnisreichen Löchern hat man logischerweise Lust auf mehr. «Wer 18 Löcher spielen möchte, für den buchen wir zwei Startzeiten ein», erklärt Manager Jean-Pierre Murith das «Matterhorn-System».

Dann gings Schlag auf Schlag
Der GC Matterhorn wurde am 17. September 1990 gegründet, und gleichzeitig begann auch die Planung des Golfplatzes. Diskutiert wurde die Idee eines Golfs in der Region bereits drei Jahre zuvor. Eine Interessengemeinschaft gründete dann die Golf Mischabel AG. Die Einheimischen zeigten von Beginn weg grosses Interesse am Projekt, doch damals verhinderten lokalpolitische Unstimmigkeiten das Projekt. Dank den Brüdern Bernhard und Christian Seiler konnten immerhin ein 6-Loch-Platz ohne Greens und eine Driving-Range ohne Ballmaschine eingerichtet werden. In dieser quasi «original schottischen» Infrastruktur fanden viele Anfänger den Weg zum Golfsport.

Einen grossen Schritt vorwärts bedeutete ein Ja der Stimmbürger von Randa zur Umzonung des Areals in eine Golfzone im Jahr 1992. Vier Jahre später bestimmte der Staat Wallis für den Bau eines Golfplatzes den Standort Randa/Täsch, doch auch nach fast zehn Jahre dauernden Verhandlungen kam mit dem Haupt-Grundbesitzer keine Einigung bezüglich des Kaufpreises zustande. 1999 strukturierte sich die Golf Mischabel AG um und konnte jetzt mit über 60 Grundeigentümern langjährige Mietverträge abschliessen. Die AG unterbreitete dem Kanton Ende August 2000 einen Voruntersuchungs-Bericht und den Entwurf für die Umweltverträglichkeits-Prüfung.

Pro Natura und WWF wurden ins Projekt eingebunden, und schon Anfang Februar 2001 wurde das Baugesuch eingereicht. Von den drei Einsprachen konnten zwei bereinigt werden, wegen der dritten musste eine Parzelle aus den ursprünglichen Plänen herausgenommen und das Projekt leicht umgeplant werden.

Dann gings fast Schlag auf Schlag: Im April 2002 erfolgte der Spatenstich, ein Jahr später wurde eingesät, 2004 wurde der Golfclub Matterhorn in die ASG aufgenommen, und am 17. Juni des gleichen Jahres wurde der Spielbetrieb aufgenommen.

Grosse Zukunftspläne
Auf unserer Runde schwärmte Präsident Alex Burgener von den ganz besonderen Möglichkeiten «seines» Golfplatzes: «Es war Anfangs November, und am Morgen waren wir mit den Ski auf dem Kleinen Matterhorn – und am Nachmittag haben wir dann noch neun Löcher gespielt!»

So etwas ist wohl nur im GC Matterhorn möglich. Die Einheimischen jedenfalls identifizieren sich immer mehr mit dem Golfplatz und dem Club. Von den 450 Mitgliedern (inklusive rund 90 Junioren) kommt der grösste Teil aus Zermatt und Umgebung, und fast alle sind in irgendeiner Form und im weitesten Sinn in der Tourismusbranche tätig.

Das mag einer der Gründe sein, warum man im GC Matterhorn laut über eine Erweiterung auf 18 Löcher nachdenkt. Präsident Burgener sagt: «Wir wollen uns in der Golfszene weiter profilieren, und dazu gehört eine Erweiterung auf 18 Löcher.»

Die Bevölkerung wurde schon im Oktober 2008 an einer Orientierungsversammlung über das Vorhaben informiert. Das konkrete Projekt liegt bei der Gemeinde Täsch, und der Zonennutzungsplan mit Bericht des Staates Wallis wird im ersten Halbjahr 2010 erwartet. Der Zeitplan sieht vor, gegen Ende dieses Jahres den Zonennutzungsplan (der nicht nur das Projekt Golfplatz vorsieht) bei einer so genannten «Ur- und Burgerversammlung» in Täsch vor das Volk zu bringen. Mehr über die Pläne wollen zurzeit weder der Club noch die Besitzer-AG verraten.  

 

Infos
www.golfclubmatterhorn.ch

Karte (klicken)


Autor: Hannes Huggel (Text & Fotos)

VORSICHT Beim Loch 3 kommt erstmals der angelegte Teich ins Spiel.

UNBEEINDRUCKT Präsident Burgener lässt sich von der Aussicht vom Tee des schönsten Loches nicht ablenken.