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BLICK ZURÜCK So schön kann Loch 12 sein, wenn man von Fairway 10 über den Teich in Richtung Abschlag schaut und die Sonne lacht.

Nicht nur auf dem Platz sucht man hier kreative Strategien

Manager Giusy Abatemarco bestimmte die 12 als zu spielendes «schönstes Loch» in Leuk.

Wenn Engel reisen, lacht der Himmel – sagt man. Als G & C im vergangenen Herbst den GC Leuk besuchte, weinte er. Das mag man interpretieren, wie man will. Tatsache ist, dass es so heftig goss, dass hier für einmal Fotos aus dem Archiv des bespielten Golfclubs zu sehen sind. Als Leserin oder Leser dieses Artikels bekäme man sonst einen falschen Eindruck vom Platz des Golfclubs Leuk.

Beim Stichwort «Golf im Wallis» denkt man wahrscheinlich zuerst an Crans-sur-Sierre, wo jeden September das Omega European Masters ausgetragen wird. Doch in den letzten Jahren sind im Kanton zahlreiche neue Golfplätze entstanden. In Verbier, Sierre und Sion sind es Courses mit jeweils 18 Löchern. Neun Holes sind es auf der Riederalp, in Obergesteln (GC Source du Rhône) und Zermatt (GC Matterhorn). Vom schönsten Loch dieses Clubs wird G & C übrigens in einer der nächsten Ausgaben berichten.

Heftige Geburtswehen
Im Frühjahr 1996 hat sich der Walliser Staatsrat ausführlich mit den Golfplätzen auf Kantonsgebiet befasst. Für das Oberwallis legte er fest, dass die Golfanlage im Leukerfeld der einzige 18-Loch-Platz in der Talsohle sein sollte – bespielbar während rund neun Monaten im Jahr.

Die Initianten der Golfanlage, zu denen auch Präsident Marcel Berchtold gehörte, hatten die Idee schon viel früher in sich getragen. «Ernsthaft haben wir das Thema erstmals 1985 diskutiert», sagt Berchtold. Dass der in Siders wohnhafte Versicherungsberater von Anfang an dabei war, hängt auch damit zusammen, dass er in Agarn aufgewachsen ist, einem von Leuks Nachbardörfern.

1993 wurde der Zonenplan Leuk revidiert, und die ersten Vorabklärungen für den Bau eines Golfplatzes wurden getroffen. Bereits zwei Jahre nach dem Entscheid des Staatsrates war es dann so weit: Die Baubewilligung wurde erteilt. «Trotzdem, zwischen der Idee und dem Überwinden aller Hindernisse lagen 13 arbeitsintensive Jahre», sagt Berchtold. «Und nachdem die Baubewilligung vorlag, lief zuerst mal gar nichts mehr.» Dann sei man mit dem Burgerpräsidenten zusammengesessen, «und innert drei Tagen haben wir die Golf Leuk AG und den Golfclub Leuk gegründet».

So einfach läuft das eben manchmal im Wallis.

Spannend und anspruchsvoll
Die Leuker nennen ihren Platz «den einzigen Linkscourse der Schweiz» – und automatisch stellt sich die Frage: Was ist eigentlich ein Linkscourse? Giusy Abatemarco, der Manager in Leuk, sagt: «Natürlich haben wir keine Dünen, aber der Platz ist genau gleich aufgebaut wie ein Links. Auch das verwendete Gras ist das gleiche.»

Der beim G & C-Termin zufällig ebenfalls in Leuk anwesende ASG-Generalsekretär Johnny Storjohann sagte: «Leuk ist ein idealer Trainingsplatz für unsere Nationalmannschaften, bevor sie auf einem Links spielen müssen.» Aber bei dieser Aussage war wohl der Wunsch der Vater des Gedankens: Bis zum heutigen Tag ist in Leuk noch keine Nationalmannschaft zum Training aufgetaucht …

Charakteristisch für den Stil des Architekten John Chilver-Stainer sind auch in Leuk die stark ondulierten Greens. Wie man auf der folgenden Doppelseite erfahren kann, haben nicht nur Gäste ihre liebe Mühe damit … Aber alles in allem hat der Schotte einen sehr interessanten Platz ins Gelände gelegt.

Als «scenery hole» darf die 14 bezeichnet werden, ein Par 3 mit viel Wasser vor dem Green. Wäre es nicht ein Par 3, wäre es vermutlich zum «schönsten Loch» und damit Gegenstand dieses Artikels geworden.

Als taktisch besonders interessant und anspruchsvoll gelten neben der 12 die Löcher 4, 8, 10 und 13.

Clevere Investitionspolitik
Das Ziel in Leuk war von Anfang an, den Platz so intensiv wie möglich zu belegen. Eindrücklich sind diesbezüglich auch die Zahlen der vergangenen Saison: An rund 270 Spieltagen wurden 135 Turniere ausgetragen und 6500 Greenfeerunden gespielt. Abatemarcos Devise lautet denn auch: «Wir wollen Events schaffen, möglichst für alle Golferinnen und Golfer!»


Klare Parolen prägen auch die Investitionspolitik: «Zuerst machen wir alles, was nichts kostet», sagt Abatemarco, der auch den Walliser Golfverband präsidiert. Aus diesem Prinzip ist zum Beispiel der «Barhocker-Club» entstanden, der sich ums Inventar des Restaurants gekümmert hat. «Der Eintritt in diesen Club kostet 200 Franken, die Jahresmitgliedschaft noch einmal 100 Franken», erklärt Abatemarco. «Wir haben schon über 200 Mitglieder. Sie finanzieren auch die neue Info-Tafel und spenden nebenbei noch 5000 Franken für die Juniorenkasse.»

Für einen noch jungen Club ist in Leuk das Engagement in Sachen ASG-Turniere vorbildlich: 2009 wurden fünf Verbands- bzw. Swiss-PGA-Turniere ausgetragen, und 2010 gehts im gleichen Stil weiter. Am 17./18. April findet hier der Auftakt zur Credit Suisse Junior Tour statt. In dieser Beziehung könnte sich so mancher renommierte Club an Leuk ein Beispiel nehmen …

Interessantes Modell
«Outsourcing» heisst eines der Zauberworte im GC Leuk. Das beginnt bei der Golf Leuk AG, der Bauherrin und Eigentümerin. In dieser AG vertreten sind die Burgerschaft Leuk, die mit der Gesellschaft einen Baurechtsvertrag über 60 Jahre hat, die Pfarrei Susten, auf deren Land die Driving-Range liegt, sowie die Golfclubmitglieder.

Mit dem Golfclub Leuk wiederum hat die AG einen Pacht-, Miet- und Kooperationsvertrag. Für den Betrieb der Anlage ist als eingetragener Verein der Golfclub verantwortlich. Der wiederum hat einen Servicevertrag mit der Rhonegreen AG, einer Firma in Privatbesitz. Auch das Restaurant ist natürlich verpachtet, und Giusy Abatemarco ist das Paradebeispiel für einen «outgesourcten» Multi-Funktionär: Er ist Direktor der AG, Clubmanager, Clubcaptain und zusammen mit seiner Partnerin Petra Perren auch Restaurantbetreiber.

Interessant ist auch die Mitgliederstruktur bzw. die Vielfalt von Mitgliedschaftsformen: Da gibt es Einzelmitglieder, Paarmitglieder, Firmen- und Hotelmitglieder, Zweitmitglieder, Partnermitglieder, Juniorenmitglieder, ASGI-Mitglieder sowie sechs Mitglieder aus der Rhonegreen AG. «Wir haben eine gute Mischung aus Ober- und Unterwalliser Mitgliedern», sagt Präsident Berchtold. «Das ist – neben der hervorragenden Küche und dem Service – sicher mit ein Grund für die stets gute Ambiance im Restaurant.»

Bedrohte Braunkehlchen
Aber natürlich ist nicht nur die tolle Stimmung im GC Leuk ein Thema: Auch der Naturschutz wurde von Anfang an grossgeschrieben. Zumal die Baubewilligung nur unter der Auflage erteilt wurde, dass ein Drittel des Golfplatzes als ökologische Ausgleichsfläche reserviert und entsprechend intensiv und naturnah gepflegt wird.

Ausserdem haben Kanton, Golfclub und die Schweizerische Vogelwarte Sempach eine Vereinbarung betreffend Schutz von bedrohten Arten unterzeichnet.

Dazu zählen ganz besonders die Population der Braun- und jene der Schwarzkehlchen. Bertrand Posse, der Beauftragte der Vogelwarte Sempach, kann noch nicht Entwarnung geben: «Die im Leukerfeld lebende Gruppe Braunkehlchen ist die letzte in der Schweiz», sagt er. Und auch das Schwarzkehlchen sei bedroht, selbst wenn es nicht so selten sei wie seine «braunen Verwandten».
Die wichtigste Unterstützung durch den GC Leuk besteht darin, dass das hohe Gras bis 15. Juni nicht gemäht wird, was wiederum die Nester und die Jungvögel schützt. Aber diese Frist ist für Posse noch nicht ausreichend. «Um die Fortpflanzung dieser seltenen Vögel wirklich schützen zu können, sollten die ökologischen Ausgleichsflächen nicht vor Ende Juli betreten werden», sagt er. Und auch wenn das viel verlangt ist – G & C ist überzeugt, dass sich auch für dieses Problem eine «Walliser Lösung» finden lässt.     

 

Infos

www.golfleuk.ch  

 

Karte (klicken

 

Autoren: Hannes & Brigitte Huggel (Text & Fotos)

STILSTUDIEN Die Gastgeber voll im Schwung, Präsident Marcel Berchtold (o. l.), Petra Perren (grosses Bild) und Pro Laurent Mudry (u. l.).

AUCH SCHÖN Loch 14 wäre sicher das schönste Loch, wenn es nicht ein Par 3 wäre.