---
facebook twitter google plus print

ABLENKUNG VERBOTEN Wer in Gonten Loch 13 spielt, braucht volle Konzentration.

Nur ein «halber» Appenzeller

Von den Appenzellern sagt man, sie seien von eher kleiner Statur, hätten aber einen grossen Charakter. Einen grossen Charakter hat auch das 13. Loch von Gonten – aber ist es unheimlich lang …

Drei Mal hat der Schreibende im vergangenen Jahr den Golfclub Appenzell in Gonten (AI) besucht. Drei Mal war das Wetter gegen ihn – obwohl Manager Ruedi Eberle immer versichert hatte: «Do bi üüs isch es allewil schö!»

Doch der Säntis versteckte sich jedes Mal hinter Wolken, meistens regnete es sogar. Allerdings: Als wir für die Serie «Die schönsten Golflöcher der Schweiz» in Gonten spielten, hatte Petrus ein Einsehen.

Knifflige Aufgabe
Man sagt Appenzellern gerne nach, sie seien von eher kleiner Statur, hätten aber einen grossen Charakter. Demzufolge wäre die 13, die von Clubpräsident Linus Dermont als «Vorzeigeloch» ausgewählt wurde, nur ein «halber» Appenzeller: Mit seinen 480 Metern von Weiss ist dieses Hole für den Platz geradezu extrem lang. Aber die Hindernisse (vgl. Seite 57) verleihen dem Par 5 viel Charakter.

Der Platz misst von Weiss aus 5151 Meter, für die Ladys ist er 4059 Meter lang. Eher wieder typisch also – um bei den Klischees zu bleiben. Der Course liegt in einer offenen, hügeligen Landschaft mit Blick aufs Alpsteinmassiv und den Säntis – wenn nicht die Wolken die «atemberaubende» Sicht versperren. Der geringe Baumbestand ist ebenso typisch für die Gegend wie die Streusiedlungen in der Umgebung. Dank grosser Rücksichtnahme ist die charakteristische Landschaft der Gegend weitestgehend erhalten geblieben.

Trotz nur 55 Hektar ist der Platz in Gonten nicht eng. Die Gefahr, auf ein falsches Fairway zu spielen, ist gering – ausser man verzieht wirklich –, und in die Quere kommt man sich eigentlich nur gerade bei der «Kreuzung» von Abschlag 9 und Abschlag 14. Die Fairways sind aber meist relativ schmal und erfordern ein präzises Spiel. Hanglagen erschweren das Spiel zusätzlich und machen die Runde interessant. Natürlich hats in Gonten nicht nur hervorragende Löcher wie die 13: Ab und zu muss man auch einen «blinden» Schlag aufs Green machen.

Kaum Unterstützung für Rusch
1989 unterhielt sich Josef Rusch, Landwirt im Appenzellerland und Besitzer von ein paar Hektaren Land, in Deutschland mit einem Kollegen über die Zukunft der Landwirtschaft. Man kam auf Golf zu sprechen, und die beiden besichtigten noch am gleichen Tag den Golfplatz in Weissensberg bei Lindau. Eine Vision begann zu reifen: ein eigener Golfplatz in Ruschs Heimat.

Doch zurück in der Schweiz, fand Rusch wenig Unterstützung. 900 Meter seien zu hoch für einen Golfplatz, hiess es. Es gebe zu wenig Spieltage, und somit könne die Anlage nicht wirtschaftlich betrieben werden. Aber Rusch liess sich nicht beirren. Es war seine feste Absicht, seinen Bauernbetrieb durch einen Golfplatz zu ersetzen.

Es wurde auch für Rusch zu einem langen, hindernisreichen Weg. Das erste Projekt wird 1991 an einer Konsultativabstimmung der Bezirksgemeinde Gonten abgelehnt. Es folgen Einsprachen von Nachbarn und vom Naturschutz, die erfolgreich erledigt werden. Zwei Jahre später ein erster Erfolg: die Umzonung wird mit einer 80-Prozent-Mehrheit genehmigt. Wie üblich folgen die nächsten Einsprachen, und auch die ersten finanziellen Ansprüche von Nachbarn und Naturschutz trudeln ein.

Sechs Jahre nach dem ersten Besuch auf einem Golfplatz erhält Rusch die schriftliche Baubewilligung. Mit einem grossen Fest wird die 9-Loch-Anlage im Sommer 1997 offiziell eröffnet. Vor 300 geladenen Gästen spricht Rusch vom «ersten privat erstellten Golfplatz der Schweiz, der für die Öffentlichkeit freigegeben wird».

Selfmademan
Was der 2003 verstorbene Rusch damit meinte, ist klar: Er hatte den Platz quasi im Alleingang initiiert und gebaut. Rechtzeitig hat er eine AG gegründet, deren Aktien alle im Besitz der Familie sind. Seine Tochter Vreni, die G & C auf der Runde begleitete, ist Hauptaktionärin. Sie und ihr Mann, Manager Ruedi Eberle, besitzen zusammen 72 Prozent der Aktien. Der Rest ist im Besitz von Verena Rusch, der Witwe des Gründers. Zusammen mit dem früheren Club-Vizepräsidenten Hubert Gmünder bilden die vier auch den Verwaltungsrat.

Die gesamte Golfanlage ist zu 100 Prozent im Besitz der Golf Gonten AG. Das Grundeigentum hingegen verteilt sich auf mehrere Personen, die ihr Land mit langfristigen Pachtverträgen zur Verfügung stellen. Das Restaurant und der Golfshop sind an Dritte verpachtet.

Schritt für Schritt
Ende der ersten (halben) Saison im Jahr 2007 zählte der Club 130 Vollmitglieder und zehn Junioren. Aber der Club wuchs – und mit ihm auch die Infrastruktur. Die bestehende Scheune wurde umgebaut: Shop, Sekretariat, Garderoben, Duschen und drei Gästezimmer. Das Restaurant erhält eine professionelle Küche und wird ausgebaut. Eine Caddiehalle entsteht, Sitzungs- und Theoriezimmer.

Auch die Mitgliederzahl steigt stetig, die Erweiterung auf 18 Löcher wird zum Thema und 2003 zum Auftrag. Ein Jahr später erfolgt die Baueingabe, und damit beginnt das «Spiel» gegen die Einsprachen von Neuem. Doch vor gut drei Jahren ging der Jungfern-Flight auf der 18-Loch-Anlage auf die erste Runde, und im Juni 2007 erfolgte die offizielle Eröffnung.

Weiter Richtung Zukunft
In den letzten 15 Jahren wurde in Gonten laufend investiert, und ein Ende ist nicht abzusehen. Clubpräsident Linus Dermont: «Wir werden möglicherweise noch vier bis fünf Jahre weiter an der Infrastruktur bauen. Wir haben einige kleine Verbesserungen am Platz vorgenommen und sind jetzt in intensivem Kontakt mit dem Architekten. Dabei soll ein optimales Projekt erarbeitet werden.» Es wird sich einiges verändern, vor allem im Bereich Garderoben, Duschen, aber auch beim Restaurant mit dem sinnigen Namen «Green-Vieh».

Wenn die Bewilligungsverfahren gut laufen, rechnet Dermont mit einem Baubeginn im Herbst 2011. Dann wird die heute für einige Gäste noch ein bisschen einfache Infrastruktur allen Ansprüchen gerecht werden. Dermont: «Heute ziehen Politik und Tourismus mit, deshalb bin ich zuversichtlich.» Und Eberle ergänzt: «Für uns ist der Tagestourismus sehr wichtig. Wir haben viele Greenfee-Spieler, die einen Ausflug ins Appenzellerland mit einer Runde Golf verbinden.»      

 

 

Infos

 

www.golfplatz.ch

 

Karte (klicken)

  

 

Autor: Hannes Huggel; Fotos: Golf Gonten, Hannes Huggel

SÄNTIS Der Vorzeigeberg und das Alpsteinmassiv beeindrucken bei schönem Wetter.

EIN EISEN REICHT Pro Edwin van Westing wählte die defensive Variante.