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WILLKOMMEN Die Caddies im Chatrium Golf Resort sind startbereit.

Vier unbekannte Golfperlen im Königreich Thailand

Unter Thailands mehr als 260 Golfanlagen gibt es nicht nur weltberühmte Plätze, sondern auch bemerkenswerte Courses mit weniger klangvollen Namen. GolfDigest hat für G&C vier dieser golferischen Mauerblümchen besucht.

Thailand galt lange Zeit als Asiens touristisches Wunderkind. Zuwachsraten in zweistelligem Bereich waren die Regel, und im vergangenen Jahr besuchten 33 Millionen Reisende das Königreich. Doch am 11. und 12. August 2016 forderten Bombenanschläge auch in Thailand Tote und Verletzte, vornehmlich in Hua Hin und auf Phuket. Inzwischen haben die meisten Länder ihre Reisewarnungen für Thailand zurückgezogen, und es wird immer wahrscheinlicher, dass die insgesamt elf Explosionen das Werk lokaler Oppositioneller waren.

Noch ist es zu früh, um die Auswirkungen dieser Sabotageakte auf die weitere Entwicklung des Tourismus abzuschätzen, aber grosse inländische Reiseorganisationen wie zum Beispiel «Golf in a Kingdom» sind davon überzeugt, dass sich die Lage «bereits wieder normalisiert» hat.

Tatsache bleibt, dass Golfende im Land des Lächelns mit einem besonders freundlichen «Sawasdee» (dieses Wort heisst «Willkommen!», steht aber auch für Gruss, Dank und Entschuldigung) rechnen können. Denn gemäss einer Studie der «Tourism Authority of Thailand» (TAT) geben sie während ihres Aufenthalts im Schnitt etwa 2600 Euro aus, dreimal mehr als «normale» Touristen.

Entsprechend grosszügig ist das Golfangebot in Thailand. Mehr als 260 Courses überziehen das Land, und die Unterkunftspalette reicht vom einfachen Backpacker-Hotel bis zum Fünfsterneresort. Die eigentlichen Golfzentren Thailands sind – von Norden nach Süden – die Regionen Chiang Mai, Chiang Rai, Bangkok, Pattaya, Chantaburi, Hua Hin, Kho Samui und Phuket. Jeder dieser Landstriche hat seine Star-Plätze, vom Alpine über den Amata Spring, den Thai Country Club, den Black Mountain sowie den Blue Canyon bis zum Red Mountain.

Aber auch abseits der ausgetretenen Pfade bietet Thailand spannende Golferlebnisse. Vier davon haben wir besucht. Zwei dieser Geheimtipps, der Gassan Khuntan und der Mae Moh, liegen im Norden, nahe der ehemaligen Königsstadt Chiang Mai, die auch wegen ihrer Tempelanlagen berühmt ist. Der dritte im Bunde, St Andrews 2000, befindet sich in Pattaya, und das Chatrium Resort Soi Dao ist in Chantaburi zuhause, im Südosten des Landes (siehe Karte).

AM RAND DER ZIVILISATION
Das Chatrium Resort Soi Dao ist nichts für Touristen, die Rambazamba suchen. Bis zum nächsten Flugplatz, dem Trat Airport, sind es eineinhalb Stunden, nach Pattaya dreieinhalb, und Bangkok ist weiter entfernt von der Anlage als die Grenze zu Kambodscha. Viele der Gäste in Soi Dao schätzen die Abgeschiedenheit und die Distanz zur Hektik der Grossstädte.

Im grosszügig gestalteten Resort fehlt es schliesslich an nichts, und zudem wurden die 47 Zimmer kürzlich komplett renoviert.

Der vom Amerikaner Denis Griffiths gelayoutete 18-Lochplatz schlängelt sich durch das coupierte Gelände der Soi Dao Mountains, und die Topographie ermöglicht spektakuläre Löcher wie zum Beispiel die 14, ein Par 3, bei dem das Green 20 Meter tiefer liegt als der Abschlag.

Die Attraktionen rund ums Resort sind ebenfalls von eher beschaulicher Natur: das Städtchen Chantaburi, der Nationalpark Khao Khitchakut, die Soi Dao Wasserfälle.

THAILÄNDISCHE OPULENZ
Gegen Jahresende wird es im Norden Thailands angenehm kühl, und abends können die Temperaturen ohne weiteres bis auf zehn Grad sinken. Etwa eine Stunde südlich von Chiang Mai, in Lamphun, liegen der Gassan Khuntan Golf Club und ein angeschlossenes Hotel mit 50 Zimmern. Vom 2004 eröffneten Platz aus hat man eine fantastische Aussicht auf die Berge des Nationalparks Doi Khuntan, und auch der Course selbst bietet optische Highlights. Geradezu berühmt ist die Silhouette der pittoresken Eisenbahnbrücke über den Mae Tha.

Auf diesem Platz ein gutes Score zu spielen, ist eine echte Challenge, denn der Architekt Pravit Reang-Po hat sich nicht zurückgehalten: weite Carries, scharfe Doglegs und zahlreiche Wasserhindernisse können das Golferleben ganz schön schwer machen. Besonders heikel sind die Bunker, denn nicht wenige von ihnen sind unappetitlich tief.

Am 5. Loch, einem 150 Meter langen Par 3 mit Inselgrün, empfiehlt es sich, eine Kamera dabeizuhaben. So kann man auf alle Fälle ein schönes Erinnerungsbild knipsen – egal, wo der Tee-Shot gelandet ist…

Ebenfalls denkwürdig ist die 18, denn hier geht es gleich zwei Mal über Wasser, und wer seine Weiten nicht hunderprozentig im Griff hat, der sollte mindestens seine Risikofreude im Zaum halten.

Gänzlich ungefährlich hingegen ist ein Rundgang durch das schmucke Clubhaus von Gassan Khuntan. Wer thailändische Opulenz mag, wird sich hier wohlfühlen.

DAS BIEST VON PATTAYA
Der Badeort Pattaya, dessen Einwohnerzahl von 100 000 während der Saison jeweils auf das Fünffache anschwillt, ist auch für seine rund 20 Golfanlagen berühmt.

Zu den «Must Plays» gehört St Andrews 2000, ein Course, der seinen Namen natürlich dem weltberühmten schottischen Vorbild verdankt. St Andrews 2000 ist aber logischerweise kein echter Linksplatz, sondern wird offiziell als «Resort-Platz mit Links-Elementen» geführt. Vorsicht ist trotzdem geboten, denn der vom Engländer Desmond Muirhead gebaute Parcours ist ein Biest! Der Course hat Par 74, ist mehr als 7000 Meter lang, und integriert sind auch zwei Par-6-Löcher, die beide deutlich mehr als 700 Meter messen.

Aber abgesehen von diesen beiden Monstern: Wer hier trotz aller Schwierigkeiten ein bisschen Spass erleben will, tut gut daran, sein Ego zurückzuschrauben und eine Tee-Box zu wählen, die seinem oder ihrem Spiel entspricht. Denn wenn man das nicht tut, kann der Tag auf dem St Andrews 2000 ganz schön an die Nieren gehen… Dafür sorgen auch recht enge Fairways und die erhöhten Greens, die sehr tricky zu putten sind.

INDIANA JONES LÄSST GRÜSSEN
Im Moment ist der Platz des Mae Moh Golf Clubs bei Lampang eineinhalb Autostunden südlich von Chiang Mai, in der Zwangspause, und zurzeit steht noch nicht fest, wann genau er wiedereröffnet wird. Der Hintergrund: Der Betrieb des Kohlekraftwerks Mae Moh hat offenbar derart grosse Umweltschäden verursacht, dass eine Sanierung des Geländes ansteht. Noch ist aber nicht klar, in welchem Umfang und in welchem Zeitrahmen Rückbau und Sanierung erfolgen. Sobald Mae Moh wieder öffentlich zugänglich ist, sollte man diesen Course aber unbedingt in sein Thailand-Programm einplanen. Der Course wurde auf dem Gelände einer ehemaligen Mine angelegt, auf der im Tagebau Kohle abgebaut wurde. Die ersten neun Holes stammen aus dem Jahr 1884 und ziehen sich über einen Hügelrücken, der entlang der früheren Mine verläuft.

1990 erweiterten die Betreiber, die «Electricity Generating Authority of Thailand», die Anlage auf 18 Löcher. Die neuen Neun enstanden in der Ebene, unmittelbar neben der Mine. Wer hierher kommt, mag weniger den Schnickschnack als das Rustikale. Würde plötzlich «Indiana Jones» als Marshal auftauchen – hier wäre jedenfalls niemand davon überrascht…

AUTOR: Ju Kuang Tan; Fotos: GolfDigest

 

 

STILLE WASSER Auch am Pool des Chatrium Resorts herrscht beschauliche Ruhe.

STILVOLL Die 47 Zimmer des Resorts sind komplett renoviert.

ABWECHSLUNGSREICH Der Platz des Chatrium Resorts liegt in den Soi Dao Mountains.

HOCH HINAUS Das 7. Grün im Gassan Khuntan.

WAHRZEICHEN Die berühmte Brücke am 4. Loch des Gassan Khuntan.

HALBZEIT! Loch 9 im Gassan Khuntan, hinten rechts das Clubhaus.

THAI STYLE Die Aussenansicht des Clubhauses von Gassan Khuntan.

OPULENT In der Lobby des Clubhauses von Gassan Khuntan dominiert fernöstlicher Charme.

IN GUTER GESELLSCHAFT Der Platz des Gassan Khuntan grenzt an einen Nationalpark, den Doi Khuntan.

ZWEI WELTEN Der Blick hinunter auf die Kohlemine im Mae Moh.

MONSTER St Andrews 2000 misst mehr als 7000 Meter, hat Par 74…

(Grafik: Golf&Country)