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«CLEAN» Die App «Expert Golf» enthält keine illegalen Hilfen.

Der R&A rehabilitiert das Smartphone

Turnusgemäss hat der R&A per 1.1.2014 seine neusten, für zwei Jahre gültigen «Decisions on The Rules of Golf» erlassen. Diese «Entscheidungen» sollen – etwas vereinfacht gesagt – mithelfen, das Regelwerk à jour zu halten.

 

Yves Ton-That, die Golfregeln sind ja eine Wissenschaft für sich – und alles andere als allgemeinverständlich. Deshalb eine simple Frage vorweg: Ist es korrekt, dass seit dem 1. Januar 2014 auch iPhones und andere Smartphones im Turnier zur Distanzmessung erlaubt sind?
YVES TON-THAT: «Im Prinzip ja – immer unter der Voraussetzung, dass der betreffende Club in seinen Local Rules den Einsatz von Distanzmessgeräten erlaubt. Aber das ist meines Wissens mittlerweile in den meisten Golfclubs der Fall.»

Warum waren Smartphones vorher verboten?
«Das war eine etwas groteske Geschichte: Smartphones waren nicht generell verboten, es war lediglich verboten, sie als Distanzmessgeräte einzusetzen. Der Grund dafür war, dass sie standardmässig Apps enthielten, die laut R&A geeignet waren den Spielenden einen Vorteil zu verschaffen. Namentlich ging es dabei um eine Kompassfunktion und den Wetterbericht. Ich habe hingegen immer die Meinung vertreten, dass den Spielenden dadurch keine Vorteile erwachsen.»

Und wie ist es jetzt zu dieser Liberalisierung gekommen?
«Rein formell basiert sie auf den neusten so genannten ‹Decisions on The Rules of Golf›, den ‹Entscheidungen zu den Golfregeln›, oder – um ganz genau zu sein – auf den Deci­sions 14-3/4 und 14-3/18. Diese erlauben jetzt sowohl den Kompass als auch den Wetterbericht. Materiell verdanken wir die Liberalisierung bezüglich Smartphones der Tatasache, dass auch der R&A mittlerweile davon überzeugt ist, dass die standardmässig im iPhone enthaltenen Apps keinen Einfluss auf das Spiel haben.»

Die Entscheidung soll aber an einem seidenen Faden gehangen haben?…
«In der Tat. Als Apple 2013 die neuste Version des Betriebssystems iOS 7 lancierte, war im iPhone neuerdings auch eine Wasserwaage enthalten. Und so wie die Regeln formuliert sind, hätte man denken können, dass allein die Tatsache, dass eine Wasserwaage auf dem iPhone installiert ist, das Gerät als Distanzmesser wiederum illegal macht. Aber der R&A hat gesunden Menschenverstand bewiesen und entschieden, dass das Mitführen der Wasserwaage auf dem iPhone nicht gegen die Regeln verstösst, solange man sie nicht benutzt.»

Was bedeutet der Entscheid des R&A für Sie?
«Für mich persönlich ist er eine Genugtuung, denn ich habe mich immer für die Legalisierung von iPhones und anderen Smartphones eingesetzt. Geradezu ein Quantensprung ist die neue Regelung für meine Firma, die ja neben den Regelbüchern hauptsächlich die GPS-App ‹Expert Golf› produziert, für die wir Tausende Golfplätze in Europa und Übersee vermessen haben. Nach der Lancierung 2010 erfreute sich unsere App grösster Beliebtheit unter den Golfern und wurde auch von Apple empfohlen. Nach dem Entscheid des R&A, iPhones als Distanzmesser nicht mehr zuzulassen, mussten wir in den letzten beiden Jahren einen erheblichen Waachstumsrückgang verzeichnen. Nun ist die App aber wieder zu 100 Prozent legal und daher schauen wir optimistisch in die Zukunft.»

Auch was den Spielfluss betrifft? Darauf konzentriert sich ja die Kritik der Smartphone-Gegner?…
Als Golfer war es mir wichtig, eine App zu entwerfen, die das Golfspiel unterstützt und nicht behindert oder womöglich davon ablenkt. Ich habe mich bei jeder Funktion aufs Neue gefragt, ob sie hilfreich und notwendig ist oder nicht. Auch den Spielfluss hatte ich dabei immer im Hinterkopf. ‹Expert Golf› sollte keine Spielerei werden, sondern dem Golfer einen echten Mehrwert bieten, ohne den Reiz des Spiels zu beeinträchtigen. Fazit: ‹Expert Golf› enthält so viele Funktionen wie nötig und so wenige wie möglich.»

Interview: Franco Carabelli

 

 

Smartphone und Golf – was ist erlaubt, was ist verboten?

  • GPS Es ist erlaubt, GPS-Apps zu verwenden, um sich die Distanz zum Grün oder anderen Punkten auf dem Platz angeben zu lassen. Ebenfalls erlaubt ist es, damit die Schlaglänge zu messen. Allerdings müssen die beiden folgenden Punkte erfüllt sein:

    • In den Platzregeln muss die Verwendung von Distanzmessgeräten erlaubt sein.
    • Auf dem Gerät darf keine App installiert sein, die gegen die Regeln verstösst. Dies wäre zum Beispiel bei einem Windmesser der Fall. Vorsicht: Die meisten GPS-Apps geben Empfehlungen zur Schlägerwahl und sind daher ebenfalls verboten. (Ausnahme: «Expert Golf» ist zu 100 Prozent regelkonform.)
      Wenn Sie keine exotischen Golf-Apps (siehe «Spezialapps» unten) auf Ihrem iPhone haben, werden Sie kaum Probleme haben.

  • Birdiebuch Es ist erlaubt, mittels App oder via Internetbrowser ein Birdiebuch in elektronischem Format (zum Beispiel PDF) zu verwenden.
  • Golfregeln Es ist erlaubt, mittels App oder via Internetbrowser auf die Golfregeln, Platzregeln, Wettspielbedingungen usw. zuzugreifen.
  • Scorekarte Es ist erlaubt, Apps zu verwenden, um den Score zu zählen und sich um Beispiel die Spielvorgabe (Playing Handicap) sowie die Stablefordpunkte automatisch ausrechnen zu lassen.
  • Tipps Es ist erlaubt, Apps zu verwenden, die generelle Ratschläge geben wie Spieltipps für schwierige Lagen oder Schwungtipps, sofern die entsprechenden Informationen bereits vor der Runde in der App enthalten waren.
  • Telefon/SMS Wichtig: Bitte beachten Sie die Vorschriften des Clubs zur Benutzung von Mobiltelefonen. Das Führen von Telefongesprächen ist auf den meisten Golfplätzen unerwünscht. Stellen Sie sicher, dass Ihr Handy auf lautlos geschaltet ist. Grundsätzlich erlauben die Regeln, mit dem Handy über nicht golfbezogene Themen zu kommunizieren, die dem Spieler keinen Vorteil für sein Spiel verschaffen.
    Ebenso ist es zum Beispiel erlaubt, im Clubhaus anzurufen, um einen Schiedsrichter anzufordern oder Informationen einzuholen, die im Sinn der Regeln nicht als «Belehrung» gelten. Es ist jedoch nicht erlaubt, etwa den Pro anzurufen, um Ratschläge einzuholen.
  • Kamera Es ist erlaubt, Fotos und Videos zu Erinnerungszwecken aufzunehmen. Es ist jedoch nicht erlaubt, Fotos und Videos aufzunehmen, um während der Runde     den Schwung zu analysieren.     
  • Notizen Es ist erlaubt, sich Notizen über Schlägerwahl, Layup-Punkte und Spielstrategie zu machen und diese während der Runde abzurufen.
  • Wetter Es ist erlaubt, sich mittels App oder via Internetbrowser über Wetterprognosen oder Gewitterlagen zu informieren.
  • Kompass Es ist erlaubt, einen Kompass zu verwenden, um etwa die Windrichtung oder die Richtung des Graswuchses zu bestimmen.
  • Wasserwaage Es ist nicht erlaubt, eine Wasserwaage zu verwenden, um zum Beispiel das Break des Grüns oder das Gefälle einer Spielbahn zu bestimmen. (Grundsätzlich darf eine Wasserwaage auf dem Smartphone installiert sein, sie darf bloss nicht verwendet werden.)
  • Musik Es ist nicht erlaubt, während der Runde Musik zu hören, um sich nicht durch andere Geräusche ablenken zu lassen. Beachten Sie zudem, dass dies gefährlich wäre, da «Fore»-Rufe nicht gehört würden.
  • Spezialapps Es existieren diverse spezialisierte Golfanwendungen wie Windmesser, Breakmesser, Schwung-/Schlaganalysetools usw., die nicht regelkonform sind. Wenn Sie unsicher sind, empfiehlt es sich, entsprechende Apps vor einer Turnierrunde vom Gerät zu löschen.

Bitte achten Sie bei der Verwendung Ihres Smartphones darauf, dass der Spielfluss nicht behindert und die Mitspieler nicht gestört werden.

 

 

 





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