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AUSSICHTSREICH Der Golf-Club Sylt mit Blick auf den Kampener Leuchtturm gilt als nördlichster Golfplatz Deutschlands.

Ab auf die Insel!

Sylt ist eine Golfreise wert. Ab Zürich per Direktflug oder über Hamburg mit dem Autozug gut erreichbar, wartet die Nordseeinsel mit vier ausgezeichneten Golfplätzen auf.

Die Zeiten, als Golfende in der Schweizer Nebensaison immer nur gegen Süden zogen, sind mit der zunehmenden Klimaerwärmung wohl bald vorbei. Während die Hitze in der südlichen Hemisphäre das Golfspiel heute oftmals nur zur frühen Morgen- oder späten Abendstunde erträglich macht, mausern sich Golfdestinationen in gemässigten Klimazonen zu den heimlichen Trenddestinationen. Die Nordseeinsel Sylt profitiert definitiv von diesem Trend, aus dreierlei Gründen: Erstens bietet die Schweizer Airline Swiss je nach Saison bis zu vier Mal wöchentlich einen kurzen Direktflug zwischen den Flughäfen Zürich und Westerland an.

Zweitens stehen auf Sylt vier ausgezeichnete Golfplätze zur Verfügung, die alle für auswärtige Gäste zugänglich sind. Und drittens hält das Golfspiel auf der von Meer umgebenen Insel so manche Herausforderung bereit. Wir haben die vier Golfclubs Budersand, Sylt, Marine Golf und Morsum im letzten Oktober während eines dreitägigen Kurzbesuchs bei herrlichem Sonnenschein gespielt und waren von der Qualität der Anlagen und dem Spielerlebnis angetan.

GOLFCLUB BUDERSAND

Der Golfclub Budersand ganz im Süden der Insel bei Hörnum gilt für manche Golfjournale als bester Golfplatz Deutsch­lands. Und tatsächlich erweisen sich die 18 Bahnen des Links-Courses teilweise als spektakulär. Der Par-72-Kurs ist mit seiner Gesamtlänge von 6000 Metern anspruchsvoll. Was einem hier rasch klar wird: Unpräzise Schläge landen rasch im dichten Heidegestrüpp und Ginster neben den Fairways und sind dort meist unauffindbar. Da die Spielbahnen mit wenigen Ausnahmen aber schön breit angelegt sind und das Rough zumindest bei unserem Besuch kurz geschnitten war, mussten wir nur wenige Bälle verloren geben.

Eine weitere Herausforderung von Budersand sind die teilweise tiefen Fairway-Bunker. Auf den ersten drei Par-4- Spielbahnen kann man sich gut daran gewöhnen. Dafür wartet spätestens am kurzen Par-3 Loch 4 eine Frage darauf, beantwortet zu werden, die sich auf Sylt überall stellt: Wie stark weht der Wind und aus welcher Himmelsrichtung? Wind ist auf der flachen Insel immer ein Thema und beeinflusst jeden Golfschlag mehr oder weniger stark. Wir haben uns sagen lassen, es werde auf Sylt erst dann nicht mehr Golf gespielt, wenn der Ball vom Green geweht wird. Glücklicherweise blieben wir auf Budersand von starken Böen verschont.

Die grösste Distanz will mit 466 Metern (ab Gelb) auf der Bahn 7 gemeistert werden. Ansonsten erwartet einen auf der ersten Spielhälfte eine gute Abwechslung von flachen und kupierten Bahnen. Auf der zweiten Hälfte folgen sich auf der 10 und 12 gleich zwei dramatische Doglegs.

Unser Favorit ist aber Loch 13: Das Green des Par-3 ist von einer künstlich aufgeschütteten Düne eingekreist und trägt nicht umsonst den Namen «Hörnem Borig», was wir salopp mit Hörnumer Burg übersetzen. Die folgenden Bahnen 14 bis 17 gewähren herrliche Ausblicke aufs unmittelbar angrenzende Wattenmeer, was eine der grossen Qualitäten des Golfclubs Budersand ist und hier jede Runde zum Erlebnis macht.

GOLF-CLUB SYLT
Früh am nächsten Morgen stehen wir beim Golf-Club Sylt am ersten Abschlag. Das Bewusstsein, hier auf dem nördlichsten Golfplatz Deutschlands spielen zu dürfen, macht die ganze Sache feierlich. Dem nicht genug, trägt die freie Sicht auf den Kampener Leuchtturm am Horizont weiter zum speziellen Sylt-Feeling bei. Vor uns liegt eine Par-72-­18-Loch-Anlage mit einer Gesamtlänge von 6129 Metern, durchzogen von 30 000 Quadratmetern Wasserflächen und nicht weniger als 58 Bunkern. Was sich anspruchsvoll liest, erweist sich im Spielverlauf als durchaus angenehm.

Immer wieder eröffnen sich den Spielenden auf diesem kaum kupierten Kurs Ausblicke auf die schöne Heidelandschaft rundum. Auf dem zwölften Tee geniesst man einen herrlichen Blick auf das Wattenmeer. Vier Par 5, zehn Par 4 und vier Par 3 wechseln sich auf dem Golf-Club Sylt munter ab. Einige Wasserhindernisse gehören hier ebenso zur Herausforderung wie zahlreiche Büsche und naturbelassene Roughs. Im schönen Clubhaus mit herrlicher Sonnenterrasse und Weitblick geniesst man nach dem Spiel die verdiente Mittagspause. Und der trendige Ort Kampen mit angesagtem Shopping und Restaurants ist nur einen Katzensprung entfernt.

MARINE-GOLF-CLUB SYLT
Linksgolf auf einem schönen Platz zwischen Dünen, Meer und Heide verspricht auch unsere nächste Destination, der Marine-Golf-Club Sylt. Die Anlage ist nur wenige Fahrminuten vom Golf-Club Sylt entfernt und steht uns für die Nachmittagsrunde offen. Vom hübschen, achteckigen Clubhaus aus hat man einen herrlichen Ausblick auf diesen gepflegten Kurs, der in seiner Machart an Vorbilder von der britischen Insel erinnert. Auf 80 Hektaren ziehen sich die Bahnen der Par-73-18-Loch-Anlage über eine Distanz von 6300 Metern. Weite Fairways, wogende Roughflächen und tiefe Bunker bilden auch hier das typische Sylter Golfer­lebnis.

Etwas kurios ist der Abschlag bei Loch­ 3: Das Championship-Tee ist auf einer ehemaligen militärischen Geschützstellung eingerichtet, von wo man einen grandiosen Rundumblick hat. Dass während unserem Spiel auf dem benachbarten Flughafen Westerland ein Kleinflugzeug fortwährend seine Übungsvolten dreht und dabei immer wieder die sonst himmlische Ruhe auf dem Platz stört, ist das einzige Manko, welches wir nach Beendigung unserer Runde notieren müssen.

GOLFCLUB MORSUM
Unser heimliche Favorit der vier Sylter Golfplätze ist aber definitiv der Golfclub Morsum. Er liegt fernab des Touristentrubels ganz im Osten der Insel. Der 1964 vom deutschen Verleger Axel Springer gegründete Privatclub war lange für Greenfeespieler geschlossen. Dass diese Regelung heute nicht mehr gilt, und auswärtige Gäste willkommen sind, betrachten wir als wahren Glücksfall.

Denn die idyllische Lage des Par-72-Kurses direkt am Wattenmeer, das ihn umgebende Naturschutzgebiet und die Tatsache, dass man die meiste Zeit des Jahres mehr Rehe und Fasane auf der Anlage antrifft als Golfer, sprechen für sich. Wer den kaum ausgeschilderten Weg hierher gefunden hat und im kleinen, reetgedeckten Clubhaus sein Greenfee gelöst hat (wir empfehlen eine telefonische Voranmeldung), wird hier garantiert ein unvergessliches Golferlebnis haben.

In bester Erinnerung blieb uns die Bahn 3, ein Par 4. Hier gilt es, vom Abschlag einen grasbewachsenen Deich zu überspielen! Dass auf der ganzen Anlage mit acht Teichen auch immer wieder Wasserhindernisse zu bewältigen sind, macht den Morsumer Platz zu einer sportlichen Herausforderung par excellence.


SYLT ENTDECKEN
Die Friesische Insel in der Nordsee Deutschlands ist seit langem ein beliebtes Ausflugs- und Ferienziel. Nebst den vier herrlichen Golfplätzen ist Sylt für seine endlos scheinenden Strände, die schicken Ferienorte wie Kampen oder für das von der UNESCO ausgezeichnete Wattenmeer auf der östlichen Inselseite bekannt. Die nur 38 Kilometer lange und maximal 12,6 Kilometer breite Insel lässt sich einfach mit dem Auto bereisen – oder auch mit dem Velo. Was auf Sylt nie fehlt, das ist der zügige Wind. Für Golfende kann er eine grosse Herausforderung bilden.

DIE GOLFPLÄTZE AUF SYLT

Golfclub Budersand Sylt e.V.
www.gc-budersand.de

Golf-Club Sylt e.V.
www.golfclubsylt.de

Marine-Golf-Club Sylt eG
www.sylt-golf.de

Golfclub Morsum auf Sylt e.V.
www.golf-morsum.de

Text: Thomas Borowski
Fotos: Stefan von Stengel; Golfclub Budersand; Marine Golf Club Sylt; Golfclub Morsum; Adobe Stock, Benno Hoff

 

 



SPEKTAKULÄR Der GC Budersand im Sylter Süden bei Hörnum begeistert mit seiner Lage und Architektur.

RUHEOASE Das Hotel Budersand bietet Golfenden eine komfortable Unterkunft.

GASTFREUNDLICH Im Clubhaus des Marine-Golf-Club Sylt sind alle willkommen.

ABGELEGEN Auf dem Golfclub Morsum sagen sich Fuchs und Hase gute Nacht.

ÜBERRASCHEND Selbst ein Deich gehört beim Golfclub Morsum zum Spiel.



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