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«Heute muss man für Erfolg hart arbeiten»

Die ASGI ist eine der beiden Public-Golf-Organisationen und hat rund 17 000 Mitglieder. Wir trafen Mitarbeiter Nicolas Thommen und befragten ihn zu den neuen Entwicklungen sowie den Plänen für die Zukunft. Das folgende Gespräch stammt aus der Juni-Printausgabe von Golf&Country.

Welche Auswirkungen hatte die Golfplatzsperre während des Lockdowns für die ASGI und deren geplante Aktivitäten?
Nicolas Thommen: «Wir mussten alle unsere Events bis 8. Juni absagen, weil keine Wettkämpfe stattfinden durften. Aufgrund der Unsicherheit mussten wir auch grössere Turniere wie die Swiss Golf Week und unser ProAm absagen. Wir hatten zu wenige Informationen, wie es weitergehen wird. Daher ist eine Organisation einer Veranstaltung in dieser Grössenordnung natürlich unmöglich.»

Wie verlief der Neustart nach der Eröffnung der Golfplätze?
«Eigentlich gut. Wir haben gemerkt, dass es wieder mehr Anfragen, Anrufe und Anmeldungen gab. Viele haben gewartet, da sie sich nicht in der golflosen Zeit anmelden wollten. Nach der Öffnung der Golfplätze hatten wir dann auch wieder mehr zu tun.»

Wann wird es wieder Events geben? Sind Änderungen aufgrund der Sicherheitsbestimmungen geplant?
«Es kann sein, dass das Rahmenprogramm kürzer sein wird. Damit hätten die Spieler die Möglichkeit, trotz der Einschränkungen ein Turnier zu spielen. Wir werden die Sicherheitsmassnahmen sicher jederzeit berücksichtigen und einhalten. Dann werden wir sehen, was wir im Rahmen davon machen können und was nicht.»

Sie waren ja selbst Golf-Pro. Wie helfen Ihnen diese Erfahrungen in Ihrer aktuellen Funktion?
«Nach einigen intensiven Amateurjahren spielte ich vier Jahre profimässig, das ist eine wahnsinnige Lebensschule. Meine Erfahrungen als Pro und Vollzeitamateur sind für mich sehr wertvoll und helfen mir tagtäglich: unter anderem Disziplin und Leidensbereitschaft. Golf-Pros und Clubmitglieder spielen zwei verschiedene Sportarten, etwas überspitzt gesagt. Deshalb sehe ich die  Erfahrungen durch meine Ausbildung in einem Golfclub, wo auch ­Greenkeeping mit einfloss, zusammen mit den erworbenen Kenntnissen der Schweizer Golfszene als sehr wertvoll für meine jetzige Arbeit bei der ASGI.»

Sehen Sie eine Konkurrenz zwischen Public-Golf-Organisationen (PGOs) und «klassischen» Golfclubs?
«Nein, eigentlich sogar das Gegenteil. Ich habe das Gefühl, wir unterstützen die klassischen Golfclubs nicht nur mit dem Fonds, sondern auch mit Members, die zu den Golfclubs gehen. Wir legen die finanzielle Hürde extrem tief: So gewinnen wir neue Golfer, die sich diesen Sport anfänglich gar nicht leisten können oder wollen. Diese gehen dann später vielleicht in einen Club – dadurch sind die PGOs für Golf in der Schweiz sehr hilfreich. Daher sehen wir es nicht als Verlust, wenn ein Mitglied von uns zu einem Club wechselt und weiterhin Golf spielt. Ich sehe uns deshalb nicht als Konkurrenz zu den Clubs, sondern als Reservoir der Clubs für neue Mitglieder.»

Vor zwei Jahren wurden die PGOs in den Golfverband integriert. Was hat sich seit damals verändert?
«Wir sind nun offiziell in die Statuten aufgenommen, das gibt uns Sicherheit. Die Zusammenarbeit ist enger – automatisch schon dadurch bedingt, dass unser Präsident Franz Szolansky im Vorstand von Swiss Golf ist. Jetzt ist es ein Miteinander statt eines Gegeneinanders – profitieren soll davon am Schluss der Schweizer Golfsport.»

Die Differenzen mit Swiss Golf wurden offiziell beigelegt. Funktioniert die Zusammenarbeit nun nach Ihren Vorstellungen oder würden Sie sich wünschen, dass manche Dinge anders liefen?
«Es ist vielleicht noch zu früh, um das schon beurteilen zu können. Es war sicher ein guter Richtungswechsel und es herrscht jetzt ein respektvoller Umgang. Ob es Dinge zu verbessern gibt, wird man erst zu einem späteren Zeitpunkt sagen können. Jetzt geht es in die richtige Richtung und alle ziehen am selben Strang. Wir sind daher insgesamt durchaus zufrieden – es wird aber nach wie vor Dinge geben, welche man verbessern kann und muss.»

Wie arbeiten die ASGI, Migros GolfCard und Golf Swiss zusammen? Welche Projekte gibt es dabei aktuell?
«Man trifft sich ziemlich regelmässig, Hauptthema ist dabei meist ‹Supporting Golf Together›. Wir diskutieren auch das Klima im Schweizer Golfsport und arbeiten zusammen statt gegeneinander – das kann allen nur guttun. Die Konkurrenz zwischen Migros GolfCard und ASGI soll gesund bleiben und beiden vorwärtshelfen. Swiss Golf hat dabei die Rolle, die der Dachverband haben soll – er bringt Gespräche zustande.»

Was genau macht die von Swiss Golf, Migros GolfCard und ASGI lancierte Initiative «Supporting Golf Together»?
«Das ist ein Fonds, in welchen von Migros GolfCard, Swiss Golf und ASGI Geld eingezahlt wird. Wir schauen, damit Grossveranstaltungen und grosse Turniere wie in Crans und Gams zu unterstützen. Genauso wie auch Organisationen wie zum Beispiel die Swiss PGA und den Verband der Greenkeeper. Mit Juniorenprogrammen und Events sind das die wichtigsten Eckpunkte, die gefördert werden.»
 
Golf hat hierzulande mit einer Überalterung zu kämpfen. Was kann generell dagegen getan werden und was macht die ASGI konkret?
«Wir brauchen neue Golfer. Die bestehenden Mitglieder werden nun mal älter. Man muss mit der Zeit gehen und braucht neue Trends. Wichtig sind neue Events und neue Angebote – die Leute sind dabei weniger auf einen Ort fixiert. Früher wuchs man zum Beispiel in St. Gallen auf – dann wusste man, dort wird man auch leben und arbeiten. Die Jungen fokussieren sich heute aber nicht mehr so sehr auf einen Ort. Daher müssen sich Golfclubs anpassen und versuchen, den Nerv der Jugend zu treffen. Sehr wichtig ist es eben, an die Jungen zu kommen. Das gelingt unter anderem bei Events wie dem Omega European Masters. Crans ist ein Erlebnis mit grossen Stars, Menschenmassen und Begeisterung. Das war für mich selbst damals ein Grund, warum ich mich in den Sport verliebt habe.»

Wie schätzen Sie die Entwicklung des Golfmarkts ein?
«Noch vor 15 bis 20 Jahren war das Golfbusiness ein boomender Markt. Heute muss man für den Erfolg hart arbeiten, innovativ sein und beste Qualität sowie Service bieten. Der Schweizer ist durchaus bereit, für Qualität und Privilegien Geld auszugeben. Es muss also nicht zwingend überall günstiger werden und eine Preisschlacht entstehen. Gerade die renommierten und stadtnahen Clubs werden weiterhin ihre hohen Einstiegsklauseln und Gebühren behalten können. Bei den restlichen Clubs ist nun eine klare Positionierung, die Verbesserung und/oder Erweiterung der Angebote sehr wichtig.»


S Golf und Swigo möchten in naher Zukunft ebenfalls bei Swiss Golf als PGO aufgenommen werden. Hat es in der Schweiz noch Platz für mehr PGOs?
«Das kommt immer darauf an. Was sind die Pläne, mit welchen Golfern kalkulieren sie? Wenn sie neue Golfer in den Markt bringen, dann profitiert der Golfsport. Wenn mit Mitgliedern von Golfclubs, Migros GolfCard und ASGI kalkuliert wird, dann wäre es ein zusätzlicher Player, der keinen Mehrwert bringt. Dann wird es auch heikel.»

Würde sich der Golfmarkt verändern, wenn es einmal drei oder vier (statt bislang nur zwei) PGOs gäbe?
«Dabei stellt sich die Frage, wie das Konzept der neuen PGOs aussieht. Wenn sie innovativ auf anderen Gleisen fahren und Leute anders abholen, dann bin ich dafür. Am Schluss sollte der Golfsport in der Schweiz als Ganzes profitieren. Wenn es jedoch zu einem Machtkampf wird, dann arbeitet man eher wieder gegeneinander und es kommen keine neuen Golfer. Dann könnte es zu einem Preiskampf führen, der vielleicht nicht gesund ist.»

Die Turnierserie Parcours Gourmands hat sich nun bereits einen Namen gemacht. Gibt es dort irgendwelche Neuigkeiten beziehungsweise was erwartet Teilnehmende dort in diesem Jahr?
«Zu den Neuigkeiten zählt Tanja Grandits, die als Köchin des Jahres prämiert wurde, in Basel im Restaurant Stucki tätig ist und den Teilnehmern in St. Apollinaire  eine Zwischenverpflegung servieren wird. Sven Wassmer vom  Grand Resort Bad Ragaz wurde wieder in unser Programm aufgenommen. Nach zwei Jahren Pause kehren wir wieder in den Gupf in Appenzell zurück, das damals sehr beliebt war. Natürlich wird es wieder Les Chefs geben, neu in Neuchâtel wovon unter anderem Grandits ein Teil sein wird. Einer  der grössten Parcours Gourmands ist in Lausanne mit Franck Giovannini: auf Grund der hohen Anfrage wird dieser Event auf zwei Tage aufgeteilt, die beide bereits seit Längerem ausverkauft sind.»

Diese Saison wurde das Projekt «Golf & More» lanciert. Was genau steckt dahinter?
«Es ist eine Event-Serie, mit welcher wir versuchen, Golf mit anderen Aktivitäten zu kombinieren. Dabei geht es von Golf und Wein über Golf und Cars bis zu Golf und Paragliding. Den  Ideen sind keine Grenzen gesetzt. Es ist jedoch keine Turnierserie – wir wollen etwas gemeinsam machen, aber nicht zwingend ein Turnier spielen – sondern beispielsweise ein Scramble oder ein gemütliches freies Spielen. Mit Kombinationen wollen wir golfübergreifende Interessen wecken, auf neuen  Schienen fahren, Golf interessanter gestalten und Leuten Lust auf Golf machen. Und vielleicht auch Lust auf mehr Wein, Raclette oder Paragliding.»

Was macht die ASGI, um neue Golfer für unseren Sport zu begeistern?
«Wir versuchen, unsere Programme neu zu gestalten und wollen Leute mit innovativen Ideen wie Golf & More oder Bring new Golfers ansprechen. Wir wollen aktuell bleiben, spannende Events machen und Menschen die Möglichkeit bieten, ohne viel Geld den Sport ausprobieren zu können. Auch versuchen wir, Leute aus anderen Sportarten zum Golfen zu begeistern. Hierbei helfen uns unsere Ambassadeure wie zum Beispiel Daniel Yule.»

Laut dem Jahresbericht von Swiss Golf hat die ASGI die letzten drei Jahre Mitglieder verloren. Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe dafür und was tun Sie konkret, um diesen Trend zu stoppen?
«Gründe sind sicher die Krise und viele Leute, die in einen Club gegangen sind. St. Apollinaire hat bei der Eröffnung viele Spieler von uns bekommen. Wenn Leute in einen Club wechseln, dann ist das für uns kein Verlust. Wir versuchen, die Clubs neben dem Fonds auch mit neuen Mitgliedern zu unterstützen. Unser Ziel ist es, neue Golfer zu finden. Solange wir das im Gleichgewicht halten können, ist es gut. Am besten wäre es natürlich, mehr neue Golfer als Abgänge in Clubs zu haben. Manche Abgänge sind natürlich auch aus Alters- oder Gesundheitsgründen. Wir wollen uns primär auf die Zahl der Neugolfer fokussieren. Es war jedoch klar, dass es irgendwann nicht im gleichen Stile wie früher weitergehen würde.»


ZUR PERSON
Nicolas Thommen, Jahrgang 1988, ist in Basel geboren und wuchs in Rheinfelden auf. Er ging in Basel und Rheinfelden zur Schule und absolvierte die Ausbildung United School of Sports in Zürich zusammen mit dem Golfclub Heidental. Er spielte mehrere Jahre im Schweizer Nationalteam, bevor er in das Pro-Lager wechselte. Nach verletzungsbedingtem Karriereende arbeitete er zuerst im Sekretariat und als Greenkeeper im Golfclub Entfelden, seit letztem Jahr ist er nun bei der ASGI tätig. Zu den Hobbys des FC-Basel-Fans zählen Golf sowie generell alles, was mit Sport zu tun hat.

 
Dies ist die ausführlichere Version des Interviews, welches in der aktuellen Ausgabe von Golf&Country erschienen ist. Sie können unser Magazin hier abonnieren.

Interview: Stephan Gürtler

Foto: Melanie Duchene




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