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WIE EIN KIND Mischa Peters's Vorschlag: Spielen Sie wie ein Kind – mit Leidenschaft pur.

Kritisch betrachtet: «Schluss. Aus. Aber jetzt hör ich wirklich auf!»

Von Mischa Peter, Swiss PGA Pro im Golfpark Holzhäusern

«Du musst mir helfen. Es geht nichts mehr.» So fangen viele Golfstunden (vermutlich weltweit) an.

Meist geht es dann auch schon wieder, wenn die ersten Bälle mal geschlagen sind und die Nervosität abgelegt ist. «Als ich den ersten Drive schon links ins Out gezogen habe, dachte ich, jetzt ist die Runde am A…»,  so der Golfer weiter. Das macht mich dann immer stutzig. «Also wenn du einen schlechten Tag in deinem Leben hast, dann verfluchst du dein ganzes Leben?», frage ich etwas provokativ. Und die Antwort ist natürlich ein vehementes: «Nein, natürlich nicht.»

Der Golfer denkt immer noch, dass das Golfspiel NICHT ein Spiegelbild seiner selbst oder seiner Ansichten, Persönlichkeit oder gar Weltansicht darstellt. Unglaublich, finde ich, weil es vermutlich auf der ganzen Welt keinen Sport gibt, der mehr direkt mit dem Leben zu tun hat, als Golf. Golf ist auch eine der schwersten Sportarten, die man nie wirklich erlernen kann – man kann sie nur spielen. Ein wichtiger psychologischer Vorteil, wenn man diesen Ansatz versteht und entsprechend danach handelt.

Leute, die Golf nicht kennen, haben Vorurteile – und das ist gut so. Leute, die einmal damit angefangen haben, können nicht mehr damit aufhören. Wo ist da der Unterschied? Woher dieser grosse Ozean, der diese beiden Lager teilt? Für mich ist es die «Leidenschaft». Entweder ist es eine Leidenschaft, die Leiden schafft, oder es ist die perfekte Runde. Etwas zwischendrin gibt es nicht.

Und auch wenn man die Runde seiner Golfkarriere gerade hingelegt hat; unzufrieden ist man trotzdem. Dort hätte noch ein Putt reingehen können, dieser Chip, der an die Fahnenstange sprang und die Frechheit hatte, nicht ins Loch zu fallen.
Aber der Golfer redet nie vom Ball, der vom Ast nicht ins Aus, sondern auf den Fairway zurückgesprungen ist, oder vom glücklichen Kick, den der Ball vor dem Grün bekommen hat und nicht in den Bunker, sondern neben die Fahne gerollt ist.

Die Vorurteile der Leute sind ja – auch heute noch – langweilig. Teuer. Elitär. Unglaublich eigentlich, wenn man bedenkt, was alles in der Schweizer Golfszene gemacht wurde, um diesem Image entgegenzuhalten. Kampagnen wurden gestartet, Pros wurden miteinbezogen, Clubs öffneten ihre heiligen Pforten, Senioren halfen mit bei Schnuppertagen, Familien nahmen andere Familien mit, Schulen wurden besucht, Golfnetze auf dem Bundeshausplatz aufgestellt, Prominente eingespannt.

Alles Gut und Recht. In meinen Augen wurde dabei die Leidenschaft vernachlässigt. Das Erlebnis, auf einem Golfplatz zu stehen und diesen Ball fliegen zu sehen, diesen Putt ins Loch fallen zu hören, den Sand beim Schlag aus dem Bunker spritzen zu sehen, stolz das Pitchloch aus­zubessern, wenn der Ball schön aufs Grün geflogen ist und nahe der Fahne liegt. Genau (auch) deshalb spielen wir Golf.

Und nach so einer Runde denke ich dann eben: Jetzt kann ichs. Um gleich dann am nächsten Tag oder das nächste Mal wieder meine schlechteste Runde zu spielen. Und genau da liegt die Leidenschaft. Man fragt sich zwar, warum man sich das überhaupt antut und dass man jetzt aber definitiv aufhört und alles verkauft. Ohne diese Leidenschaft geht es nicht.

Mein Vorschlag: Spielen Sie Golf wie ein Kind. Ein Kind fragt nie nach den Fehlern oder nach der Gebrauchsanleitung von dem neusten Lego. Es spielt einfach. Und das ist Leidenschaft pur.