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Mein neues Handicap: 50 – oder Golf ist Leben

Eine Kolumne von Mischa Peter, Swiss PGA Pro im Golfpark Holzhäusern.

Schöne Ferien wünsche ich. 50 – 38 – 20. Das sind meine Masse. Ende Juli war mein 50. Geburtstag, und das regte mich schon seit Längerem zum Nachdenken an. Nach- und Vordenken. 38 Jahre davon spiele ich schon Golf. Damals war zwölf ein zartes Alter, um mit Golf zu beginnen. Heute bist du schon zu spät, oder zu früh.

Ein Leben ohne Golf? Unvorstellbar. Mittlerweile mein Beruf schon seit 20 Jahren. Das Hobby zum Beruf zu machen hat seine Tücken. Man hat kein Hobby mehr. Aber Golf ist Leben und Leben ist Golf. Die Parallelen haben mir oft geholfen in meinem Leben, welches sehr viele harte Schicksale mit sich brachte. Zum Beispiel als unser erster Sohn auf die Welt kam und wir mit seinem ersten epileptischen Anfall konfrontiert wurden. Wie man damit umgeht? Akzeptieren. Weitermachen. Das Beste draus machen. Auch mit seinem Entwicklungsrückstand. Und seinem Autismus. Sich freuen auf den nächsten «Schlag».

Als unser zweiter Sohn geboren wurde, war die Freude übermässig. Es lief gut. Kleine Probleme hier und dort. Ein paar Drei-Putts, und doch war es gut. Die Diagnose Hirntumor bei ihm war die Katastrophe. Abbruch. Vor allem als unser dritter Sohn schon ein Jahr alt war und seine Eltern brauchte, die dann plötzlich sich nur aufs Wesentliche konzentrieren mussten. Fokus. Routine. Positive Gedanken. Vorausschauen. Ein Tag nach dem anderen. Die Freuden der Familie nicht vergessen. Dass meine Frau auch noch schwanger war mit unserem vierten Kind, unserer Tochter, machte alles zu einem unglaublichen Kraftakt.

Sie fragen, was das alles noch mit Golf zu tun hat? Viel und alles. Nicht, dass es beim Golf um Leben oder Tod geht. Hoffentlich nicht. Aber das Ganze hat mit Einstellung – im Englischen «Attitude» – zu tun. Das Ganze ernstnehmen und die Freude daran behalten. Die Ziele definieren, darauf fokussieren und akzeptieren. Egal, was passiert.

Es muss nicht jede Golfrunde ein Drama sein. Doch viele Leute machen eines daraus. Oder behandeln sich schlecht auf einer Golfrunde. Wir waren mit unseren Schicksalen immer fokussiert auf das Wesentliche. Das Hier und Jetzt. Das Kind, um das es ging. Den Überblick dabei nicht verlieren. Das Ziel nicht aus den Augen verlieren. Je schwieriger die Lage, desto fokussierter.

Musste ich 50 werden, um all das zu erleben? Musste ich Golf spielen, um mit all diesen Lebenssituationen klarzukommen? Mein täglicher Umgang mit Leuten und ihren Problemen hat mich sicher stark gemacht. Hat mich das Wesentliche vom Unwesentlichen unterscheiden lassen. Hat dazu geführt, mich, das Leben und Probleme in einem anderen Licht zu sehen.

Ist ein Slice schlimm? Ja, vielleicht. Ist eine schlechte Runde mit acht Drei-Putts schlimm? Ist dieser Driver, der einfach nicht weiter geht als das Holz 3, wichtig? Ja, vielleicht. Aber es gibt Wege und Möglichkeiten, das zu lösen. Und vor allem gibt es Wichtigeres.

Dass Golf mein Leben wurde, muss seine Gründe haben. Die bin ich immer noch am ausloten, jeden Tag. Golf formt Persönlichkeiten, es hat mich gelehrt, mit fremden Leuten umzugehen und mich nicht zu genieren, wenn ich Fehler mache. Es hat mich gelehrt, anderen Leuten Mut zu machen, sie zu unterstützen. Es hat mich gelehrt, mich selber nicht so ernst zu nehmen. Es hat mich gelehrt, Geschichten zu erzählen. Es hat mich gelehrt, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren und mich an den guten Momenten zu erfreuen. Golf schmiedet Freundschaften. Golf ist Leben. Happy ­Birthday.


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Darin enthalten ist auch die neuste Kolumne von Mischa Peter zum Thema «Mein neues Handicap: 50 – oder Golf ist Leben».

Alle Themen der neusten Ausgabe in der Übersicht finden Sie hier.

Foto: Getty Images

 

 





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