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Was wäre, wenn... oder die Zukunft des Golfs

Eine Kolumne von Mischa Peter, Swiss PGA Pro im Golfpark Holzhäusern.

Um es gleich vorwegzunehmen: Das wird eine eher ernste Kolumne. Ein Zitat des grossen Jack Nicklaus hat mich stutzig gemacht. Er sagte: «Was macht es für einen Sinn, bei einem Spiel, das seit Langem rückgängig ist, die Informationskurve für den Spieler zu verdoppeln, indem man sehr detaillierte, technische Informationen auf ihn schleudert, die noch nie vorher jemand gebraucht hat.»

Man muss dazu natürlich wissen, dass Jack Nicklaus zu seinen besten Zeiten noch nie seinen Schwung auf Video gesehen hat, keine Trackman-Daten kannte, kein Ball-Fitting gemacht hat und nichts von Schwungebene oder Gewichtsverlagerungssensoren wusste. Die meisten Spieler auf der Tour zu seiner Zeit waren dem Alkohol sehr nahe und/oder rauchten wie die Bürstenbinder, und trotzdem spielten sie gut.

Die Frage darf also erlaubt sein: Ist der Durchschnittsspieler durch die ganze Technik und ebendiese Details besser geworden? Meine persönliche Einschätzung – ohne, dass ich Statistiken zurate ziehe – nein! Das Schlagwort der Zukunft wird «künstliche Intelligenz» sein. KI im Schlägerkopf, KI im Ball, KI in den Schuhen, KI überall. Nur nicht im Kopf, nur nicht im Schwung, nur nicht im Unterricht, nur nicht im Spiel.

Die Golfpros sind gefordert, diese Flut an Neuigkeiten, Informationen und zum Teil unnützen Überforderungen des Spielers einzudämmen. Einstein sagte mal: «Wenn du es nicht einem Sechsjährigen erklären kannst, dann verstehst du es nicht.»

Ein Golfpro muss sich auf verschiedenen Ebenen verkaufen können, da der Spieler sich ja informiert. Seine Infor­mationen holt er sich aus Zeitschriften oder dem Internet oder von Leuten, die damit Geld verdienen wollen, die Werbung verkaufen wollen. Also sind die Filter dieser Informationen meist fragwürdig. Sobald ich über ein Produkt etwas Schlechtes sage, habe ich eine Klage wegen irgend­etwas am Hals. Also sind diese «Top Stories» aus der Szene meist schöngeredet.

Was wäre, wenn wir plötzlich kein Internet mehr hätten und keine ungewollten, sintflutartigen Werbeblöcke mit Informa­tionen, die nur eines zum Ziel haben: Umsatz, Marge und Dividenden für die Aktionäre. Was wäre, wenn es wieder um den Menschen geht, um die wahren Emotionen, um indi­viduelle Fähigkeiten und realistische Ziele und Erwartungen? Was wäre, wenn der Golfpro wieder die einzige und ver­trauenswürdige, objektive Quelle für Informationen ist?

Die Kritiker werden jetzt sagen: Ohne die Golfindustrie und den ganzen Internet-Durchfall hast du keinen Job als Pro. Ja, das mag sein – doch wenn sich die Schlange in den Schwanz beisst, verdaut sie sich irgendwann selber. Und das ist seit Jahren der Fall. Man versucht mit allen Mitteln, neue Golfer zu gewinnen, die noch nicht wissen, was sie erwartet und wie die Maschinerie funktioniert. Und die alten Golfer haben kapituliert, spielen das Spiel mit und werden nur am Rande beachtet.

Je länger ich schreibe, desto mehr fällt mir auf, dass wir schon zu tief drin sind und es keine vernünftige Lösung gibt, um den Golfer wirklich nachhaltig besser zu machen und ihm den Spass nicht zu verderben. Also lasst uns an der Zukunft arbeiten, die Spass macht, die wieder mehr auf Menschen basiert als auf Zahlen. Lasst uns Skills lernen und üben, anstatt den perfekten Schlag zu suchen. Lasst die Spiele beginnen.

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In der neusten G&C-Ausgabe spricht Klara Wildhaber, eine der besten Amateurinnen der Schweiz, über ihren Wechsel an ein US-College, wir berichten über das bevorstehende Comeback der Ladies European Tour in Holzhäusern und Swiss-PGA-Präsident Keith Marriott erklärt, welche Hindernisse er in der Schweiz für Neugolfer sieht. Ausserdem erfahren Sie in unserer für die Schweiz exklusiven Teaching-Serie mit Superstar Tiger Woods, wie Sie Ihre Chips näher an die Fahne bringen können.

Darin enthalten ist auch die neuste Kolumne von Mischa Peter zum Thema «Mein neues Handicap: 50 – oder Golf ist Leben».

Alle Themen der neusten Ausgabe in der Übersicht finden Sie hier.

Foto: Getty Images




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