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Wie Sie mit Ihrem Ehrgeiz auf dem Golfplatz umgehen

Eine Kolumne von Pascale Fahrni, Golf-Mental-Coach und Unternehmerin. Seit 30 Jahren begleitet sie Menschen auf ihrem Weg, Ressourcen zu erkennen und diese gewinnbringend zu nutzen.

Gisela und Gustav Olfer haben sich für eine Freundschaftsrunde verabredet. Es soll eine lockere Runde werden. Ihr Freund Peter bringt seinen Sohn Marc mit, der bereits ein tiefes Single-Handicap hat. Die drei Herren stehen nun am Tee 1 und schwingen locker ihren Driver. Marc macht seinen Schlag, sein Vater tut es ihm nach. Gustav will weit kommen, sehr weit. Er hämmert mit vollem Körpereinsatz den Ball weit, sehr weit nach ... rechts. «Mulligan!», ruft er und spielt noch einmal. Jetzt ist der Ball im Spiel. «Der Wettkampf kann beginnen», denkt Gustav in diesem Augenblick.

Ehrgeiz, so sagt es das Wörterbuch, bedeutet stark ausgeprägtes Streben nach Erfolg, Geltung und Anerkennung. Wenn diese Eigenschaft hervortritt, dann ist kein Golfer mehr zu halten. Man sagt auch, dass Männer davon mehr betroffen sind als Frauen. Bricht das sogenannte «Wettkampf-Gen» aus, lässt es den «Befallenen» Dinge tun, die er a) fast nicht mehr kontrollieren kann und b) bei denen er alles daransetzt, Sieger und «Pokalträger» zu werden.

Frau Olfer beobachtet das «Getue», wie sie es nennt, gelassen. Der, welcher sich selber bekämpft und über kurz oder lang auf der Strecke bleiben wird, ist natürlich Herr Olfer. Denn je länger die Runde geht, umso fokussierter führt er seinen heimlichen Wettkampf gegen sich und seine Mitspieler. Peter und Marc wiederum spielen locker ihre Bälle und haben Spass am Spiel.

Während Herr Olfer sich unter Druck setzt und versucht, den Ball dort landen zu lassen, wo die anderen beiden Bälle liegen. Dadurch, dass er sich beweisen will, besser zu sein als die anderen, vergisst er seine eigene Spielstärke und schlägt immer härter auf seinen nun schon fünften Ball ein. Ab und zu grummelt er leise vor sich hin, denn er will sich ja nichts anmerken lassen.

Golf ist eben ganz anders. Zuviel des Guten und du bist raus aus dem Spiel. Denn Wettkampfspiel braucht Köpfchen. Gute Wettkämpfer sind mental stark, kennen ihre Spielstärke und sie wissen genau, zu welchem Zeitpunkt sie etwas riskieren können oder es besser sein lassen sollten. Sich selber mit anderen zu vergleichen und ihnen zu zeigen, dass man besser ist, ist der Untergang des eigenen Spiels. Durch das ständige Nacheifern und Gewinnenwollen, verliert Herr Olfer seinen Rhythmus, die innere Ruhe und seine Realität zu sich selber.

Um jeden Preis gewinnen kann im Laufsport, Radrennsport und überall dort funktionieren, wo man mit seinem Willen noch einen Zacken zulegen kann, um seinen Gegner abzuschütteln und hinter sich zu lassen. Durch ein überambitioniertes Verhalten auf dem Golfplatz geht man hingegen das Risiko ein, sich damit selber in einen offenen Konkurrenzkampf zu manipulieren. Natürlich ist dies mit viel selbsterzeugtem Druck verbunden.

In diesem Moment stehen einem die eigenen unrealistischen Ziele und die Übermotivation total im Weg. Sätze wie: «Ich muss... sonst...» oder «Ich brauche unbedingt... sonst...» sind dann häufige Begleiter, die Emotionen fahren Achterbahn, die Muskulatur versteift sich und er will nur noch dieses eine Ding. Nämlich gewinnen – sonst hat er auf ganzer Linie versagt!

Golferfolg holt man sich durch einen gesunden Ehrgeiz und mentale Stärke. Den Ehrgeiz braucht es tatsächlich, um sich weiterzuentwickeln, besser zu werden, Hindernisse zu überwinden, motiviert zu sein und um die eigenen Ziele zu erreichen. Es sollte jedoch kein Kampf sein. Verlieren Sie die Leichtigkeit nicht aus den Augen und schützen Sie sich vor übertriebenem, zermürbendem und kampforientiertem Ehrgeiz.

Es war eine Freundschaftsrunde und jeder braucht einen Ausgleich zum Job und einen Ort, an dem er Energie tanken kann, um fit und erfolgreich zu bleiben. Darum wünsche ich Ihnen, und auch Herrn Olfer, weiterhin viel Freude und ein entspanntes Spiel.





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