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Zwischen Erfolg und Blamage: Wenn der Puls am ersten Tee steigt

Eine Kolumne von Pascale Fahrni, Golf-Mental-Coach und Unternehmerin. Seit 30 Jahren begleitet sie Menschen auf ihrem Weg, Ressourcen zu erkennen und diese gewinnbringend zu nutzen.

Herr Olfer steht am ersten Tee. Er plaudert mit seinen Flightpartnern, während er die Scorekarte austauscht. Er ist locker drauf und freut sich auf das Turnier. Seine Anspannung steigt, als der Starter alle begrüsst und die Turnier­regeln sowie das Programm verkündet. Es werden noch ein, zwei Spässe gemacht, und dann meint der Starter: «Ihr könnt loslegen. Schönes Spiel!»

Genau hier passiert es. Herr Olfer wird nervös. Er merkt, wie sein Puls steigt und wie ihn ein unsicheres Gefühl befällt. Denn seine drei Flightpartner, der Starter und der nachfolgende Flight schauen zu. Herr Olfer sagt zu sich selber: «Jetzt nimm dich zusammen, Gustav, der Schlag muss sitzen. Zeig ihnen, dass du es kannst. Wenn der erste Schlag sitzt, gibt mir das ein gutes Gefühl, dann wird es garantiert ein gutes Spiel.» Herr Olfer zittert innerlich und seine Muskulatur verkrampft sich…

Glaubenssätze stecken tief in uns drin. Für unseren Körper, sowie auch für Gustav Olfer, sind diese Glaubenssätze wahr. Obwohl der Verstand am ersten Tee sagt: «Da hängt doch mein Leben nicht davon ab», werden er und viele andere Golfer am ersten Abschlag nervös. Die Un­sicherheit zwischen dem Eintreten des Erfolges oder der Blamage macht Angst.

Der Körper widerspiegelt diese Situation, indem er sich so verhält, als hinge das Leben wirklich vom Ausgang dieses ersten Schlages ab. Glaubenssätze sind tief im Unterbewusstsein verankert und sind oft nicht einfach so auf die Schnelle zu verändern.

Es beginnt in unserer Kindheit. Wir sind seit unserer Kindheit geprägt. Jedes Kind will geliebt werden. Deshalb passten wir unser Verhalten stetig an, um Aufmerksamkeit und Liebe zu bekommen. Jedes Kind weiss instinktiv, was Lob, also Erfolg, und Blamage, also Misserfolg, sind. Wir lernten das bei den Eltern, dann in der Schule, in der eigenen Familie und später eben auch unter Golfern. «Ja keine Blamage», heisst es da. So haben Sie sich im Laufe Ihres Lebens Ihre Strategien und Ihre eigenen Glaubens­sätze zurechtgelegt.

Das Unterbewusstsein ist stärker als das Bewusstsein. Obwohl die Golfer am ersten Tee wissen, dass diese Situa­tion keine Gefahr darstellt, sagt ihre körperliche Reaktion etwas ganz anderes. Herr Olfer beginnt zu schwitzen, sein Blutdruck erhöht sich und er zittert. Da kann der Kopf noch lange sagen: «Jetzt nimm dich zusammen!» Die Körperreaktion geschieht einfach. Weil die Vorstellung des Versagens vor vielen Menschen eine Horrorvorstellung für das Unterbewusstsein ist. Kann man mit dieser Angst noch locker schwingen?

Die Sicherheit in sich selber wiederfinden. Dazu müssen Sie Ihr Unterbewusstsein mit ins Boot holen. Denn ob Sie wollen oder nicht, es gibt den Ton in Ihrem täglichen Tun an. Sie gewinnen Sicherheit, wenn Sie mit allen Aufs und Abs voll hinter Ihrem Spiel stehen. Wenn Sie unsicher sind, dann wird das nichts. Sie gewinnen Sicherheit, wenn Sie voll hinter Ihrer Technik und hinter Ihren mentalen Spielmöglichkeiten stehen können, sonst klappt es nicht. Die Lösung heisst, analysieren, wo, wann und warum diese innere Nervosität genau auftaucht. Die eigenen mentalen Möglichkeiten ausbauen, die Glaubenssätze ändern und die Tee-1-Situation immer wieder trainieren.

Die Teebox Nummer 1 soll Freude bereiten. Denn Sie sind auf dem Golfplatz, nicht auf der Flucht, sondern dürfen ab dem ersten Schlag Ihr Spiel geniessen und alle Ihre mentalen Strategien freudvoll und gewinnbringend umsetzen.

Foto: Getty Images




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