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«Migros und ASGI haben erfolgreich Mauern niedergerissen»

Keith Marriott ist der Präsident der Swiss PGA und Pro im GC Genf und eine der bekanntesten Persönlichkeiten des Schweizer Golfsports. Golf&Country traf den Engländer zu einem ausführlichen Interview, welches in der August-Ausgabe erscheint. Hier finden Sie eine verlängerte Version mit zusätzlichen Fragen.

Die Swiss PGA ist der Dachverband der Golf Professionals in der Schweiz. Dieser Berufsverband wurde im Jahre 1943 unter dem ursprünglichen Namen «L’Association Suisse des Professeurs de Golf» gegründet und zählt heute mehr als 380 Mitglieder. Zu den Hauptaufgaben des Verbandes zählen unter anderem Unterstützung und Beratung der Mitglieder, Aus- und Weiterbildung der qualifizierten Golflehrer sowie die Organisation von Turnieren und Meisterschaften für die Schweizer Professionals.

Beginnen wir vielleicht mit einem aktuellen Thema: Wie hat Covid-19 den Schweizer Golfmarkt beeinflusst oder verändert?
KEITH MARRIOTT: «Ich weiss leider nicht, wie der Verkauf des Handels sowie von Golfequipment läuft. Aber ich habe noch nie so viele Menschen Golf spielen gesehen. Es gibt derzeit definitiv einen Golfboom, das sehen auch meine Kollegen. Es war bei uns im GC Genf noch nie so viel los und die Sommercamps der Juniors sind ausgebucht. Auf einem Golfplatz kann man den notwendigen Abstand bewahren, ist im Freien und kann die Natur geniessen. Es ist eine Covid-freie Umgebung für die ganze Familie. Ich persönlich kenne keinen anderen Sport, den man zusammen mit seiner Familie ausüben kann.»

Welche Auswirkungen haben die Absagen heimischer Profiturniere wie Omega European Masters für die Schweizer Spieler?
«Die Schweizer Spielerinnen und Spieler hatten einen der besten Saisonstarts, die sie jemals hatten – Albane Valenzuela in den USA und Jeremy Freiburghaus mit seinem Sieg. Dann war die Saison plötzlich unterbrochen. Dafür wurden eigene Turniere ins Leben gerufen, wie die Events der Swiss Pro Series, die Swiss PGA Tour und die Swiss Golf Days. Wir hatten hier einen Swiss Golf Day zu Gast, wo auch Raphaël Jacquelin und Harry Ellis an den Start gingen. Wir hatten an diesem Tag ein Junior-Camp mit Sechs- bis Neunjährigen: Für die Kids war es ein Highlight, die Pros zu sehen, und sie waren absolut fasziniert. Einer sagte sogar, er möchte einmal Golf-Pro werden. Aber natürlich fehlen Events wie das Omega European Masters, die so wichtig für Kinder sind und wo sie die Faszination unseres Sports hautnah erleben.»

Seit wann leben Sie schon in der Schweiz?
«Seit 40 Jahren. Ich war bereits Pro in Blumisberg, Breitenloo, Schönenberg und La Largue in Frankreich. Nun unterrichte ich seit bereits elf Jahren im GC Genf.»

Welcher Unterschied zwischen Golf in der Schweiz und im UK ist Ihnen als erster aufgefallen?
«Ich würde sagen, dass der Unterschied immer kleiner wird. Zuerst war Golf in Grossbritannien für alle, seit den letzten fünf Jahren ist dies auch in der Schweiz der Fall. Die Amateure in der Schweiz werden immer besser. Als ich erstmals in die Schweiz kam, gab es noch eine grosse Differenz – mittlerweile ist fast keine mehr wahrzunehmen.»

Fast nirgendwo auf der Welt gibt es eine Platzreifeprüfung. Ist diese Prüfung überhaupt notwendig oder sinnvoll?
«Ich denke, es ist ein Vorteil in einer Kultur, in der Golf nicht zur Tradition gehört – es gibt Regeln und eine Etikette. Die Platzreife stellt sicher, dass Spieler diese kennen und auf dem Platz von Punkt A zu B kommen. Ausserdem gibt es in Grossbritannien Minigolf, Driving Ranges sowie Pitch & Putt – in der Schweiz jedoch nicht. Hierzulande erfolgt der erste Kontakt auf einem Mitglieder-Golfplatz. Dort soll die Platzreife sicherstellen, dass die Spieler über ein grundsätzliches Verständnis des Spiels sowie der Regeln verfügen. Ich persönlich finde, dass es eine tolle Sache ist – es tut niemandem weh und ist schnell erledigt.» (lacht)

Was könnte Ihrer Meinung nach dafür getan werden, um mehr Menschen für Golf zu begeistern?
«Für Menschen wie du und ich muss die Sichtbarkeit von Golf verbessert werden. Golfplätze und die allgemeine Umgebung im Golfsport müssen anregender gestaltet werden. Migros und die ASGI haben innerhalb der letzten zehn Jahre erfolgreich die Mauern niedergerissen, die in der Schweiz existierten. Golf ist heutzutage ein Sport, der endlich für die meisten Menschen zugänglich gemacht wurde.»

Wie beurteilen Sie das Image des Golfsports hierzulande im Allgemeinen?
«Ich sehe einen positiven Wandel. In den letzten drei Jahren sicher auch aufgrund des Erfolgs von Albane (Valenzuela, Anm. d. Red.), einer jungen Schweizer Olympionikin, die es sogar zweimal bis in den Final des US Women’s Amateur schaffte. PGA-Pros haben ihren Fokus weg vom Rückschwung und hin zur Sozialkompetenz gewandt. Dazu versuchen sie, neue Mitglieder zu gewinnen und ihnen Motivation zu geben. Diese sind ein wichtiger Faktor, um Mitgliederzuwachs zu generieren und somit die Zahl der Golfenden zu erhöhen. Zwei Prozent sind Elitespieler, womit 98 Prozent des wahren Geschäfts zurückbleiben. Ebendiese 98 Prozent müssen wir glücklich und zufrieden stellen.»

Wie beurteilen Sie die heimische Nachwuchsförderung?
«Fantastisch. Ich denke, es verändert sich positiv – das Stichwort dabei ist Veränderung. Ich glaube, dass in den letzten drei Jahren grosse und positive Veränderungen geschahen. Golfblogger, junge Leute, die spielen und daneben bloggen. So viele motivierte Schweizerinnen und Schweizer, die Golf verbreiten. Ich denke, Golf wird wieder cool! Das ist nicht nur der Elitespieler – es ist auch der Hobby-golfer, der Spass hat.»

Was halten Sie von dem Konsens, der zwischen Swiss Golf, ASGI und Migros GolfCard geschlossen wurde?
«Gewaltig. Meine Organisation ist mit allen dreien involviert, und seit der gemeinsamen Lösung ist meine Verbindung zu allen Parteien besser als je zuvor. Im Grunde genommen war ich vor dieser Lösung nicht sonderlich involviert mit ihnen. Seit sie so viel besser zusammenarbeiten – und ich glaube ja ohnehin, dass die PGA das vierte Glied ist –, sind wir die vier Musketiere.»

Seit letztem Jahr gibt es das Förderprogramm «Support Swiss Golf», das von Swiss Golf, ASGI und Migros GolfCard finanziert wird. Wie funktioniert dieses Programm und wie profitieren Spielerinnen und Spieler davon?
«Die drei haben einen Fonds geschaffen, der zu einem gewissen Grad der PGA zugutekommt, um unsere Pros auszubilden. Elitespieler erhalten ebenfalls finanzielle Unterstützung. Ziel ist es auch, den Sport weiterzubringen, indem ein weiteres Turnier in der Schweiz ins Leben gerufen wird. Alle Projekte, die dem Wachstum des Golfsports in der Schweiz zugutekommen, sind willkommen. Eines davon ist beispielsweise, wenn ein Club neue Mitglieder generieren möchte. Ausserdem soll das Geld natürlich nicht nur in die Elite, sondern auch in den Breitensport investiert werden. Der Schlüssel hinter alledem ist die Zusammenarbeit der drei, um den Golfsport in der Schweiz langfristig voranzubringen.»

Was sind Ihrer Meinung nach die häufigsten Gründe, warum Spieler mit dem Golfsport aufhören?
«Die Spielgeschwindigkeit und die Zugänglichkeit der Plätze. Ich habe ehrlich gesagt noch nie von jemandem gehört, der mit dem Golfspiel aufgehört hat. Ich kenne lediglich Schüler, die eine Pause gemacht haben sowie Leute mit Familie, die dann weniger gespielt haben.»

Welche Hindernisse sehen Sie für Anfänger in der Schweiz?
«Ich denke, die wahre Schwierigkeit besteht darin, zum Platz zu kommen. Einige Plätze sind nicht in der Nähe von Städten beziehungsweise dort, wo die Menschen wohnen. Migros leistet sehr gute Arbeit dabei, Golfplätze in der Nähe von Bahnhöfen zu bauen. In Grossbritannien fährt man schon an einem öffentlichen Platz vorbei, wenn man zur Arbeit fährt; das ist in der Schweiz nicht der Fall.»


Zusätzliche Fragen:

Die Kampagne von Golf Swiss «Golf – It’s magic» brachte nicht den gewünschten Erfolg und wurde daher eingestellt. Was halten Sie von solchen Kampagnen? Könnten die Gelder besser eingesetzt werden?
«‹Golf – It’s magic› erhielt eine Menge Kritik. Dabei waren viele Teile sehr. Zum Beispiel die Idee, Driving Ranges in städtischer Umgebung zu lancieren, auf denen Spieler ihre Bälle in ein Netz schlagen können. So könnten Anfänger lernen, was funktioniert und was nicht. Es gab Aspekte der Kampagne, die nicht funktionierten, und solche, die es taten. Es ist ein Lernprozess. Ich bin gespannt, wie es mit der Ausrichtung von Swiss Golf weitergeht, denn es verspricht aussergewöhnlich positiv und lebhaft zu werden. Ich glaube, dass der Schwerpunkt heute auf dem Breitensport liegen muss. Alle diesbezüglichen Punkte der Kampagne sind meiner Meinung nach exzellent.»

Was sollte auf dem Gebiet der Nachwuchsförderung Ihrer Meinung nach anders beziehungsweise besser gemacht werden?
«Junge Leute finden die Zeit, nach der Arbeit noch auf eine Party zu gehen oder für eineinhalb Stunden ins Fitnessstudio. Jeder hat nach der Arbeit Zeit, etwas zu unternehmen. Die Herausforderung ist, Spieler von 18 Uhr bis 19.30 Uhr für 90 Minuten auf den Golfplatz zu locken, wenn sie normalerweise einen Apéro trinken oder im Fitnessstudio trainieren. Ein Vorbild könnte beispielsweise das erfolgreiche US-Unternehmen Topgolf sein. Es verbindet den Sport mit Unterhaltung.»

Wie hat die Swiss PGA auf die Wünsche und Bedürfnisse von jungen Spielern reagiert?
«Innerhalb der PGA haben wir viele junge Pros, die einen jungen Markt bearbeiten. Sie sollten Gruppentrainings so gestalten, dass der Fokus vermehrt auf Spass gelegt wird und nicht allein auf die Qualität der Golfschläge. Sie sollten eine angenehme Lernatmosphäre schaffen. So macht Golf Spass – unabhängig vom Resultat oder den Fortschritten. Golf ist kein Sport, der einzig und allein vom Score lebt.»

Wie beurteilen Sie die weitere Entwicklung von Golf in der Schweiz?
«Exzellent! Ich bin glücklich darüber, wie die Swiss PGA die Pros ausbildet. Sie haben das höchste Niveau in Europa und geben ihre Expertise den Schülerinnen und Schülern weiter. Dadurch werden nicht nur Elite-Amateure optimal gefördert – auch das allgemeine Niveau im Schweizer Golf wird dadurch verbessert.»

Was sind Ihre Aufgaben als Präsident der Swiss PGA?

«Noch bessere Ausbildungsmöglichkeiten für Pros zu schaffen, damit diese den Golfenden noch besseren Unterricht geben können. Es ist die Aufgabe der PGA und von mir, dass die Stelle eines PGA-Pros sicher ist. Ich bin optimistisch: Die Zukunft der Golf-Pros ist vielversprechend. Sie arbeiten mit den Clubs und Swiss Golf auf Augenhöhe zusammen, anstatt von oben herab betrachtet zu werden – sie werden als Teil der Szene angesehen. Wir möchten, dass die Pros ein wesentlicher Teil der Clubs sind. Einer, der die Mitgliedschaften verkauft, der den Mitgliedern ein Lächeln aufs Gesicht zaubern kann und der helfen kann, den Bunker richtig zu rechen. Den Clubs möchten wir neue Wege zur Mitgliedergewinnung oder zum Erhalt bereits bestehender Mitglieder eröffnen.»   

Zum Schluss: Wenn Sie eine Sache in der Schweizer Golflandschaft verändern könnten, welche wäre das und warum?
«Wir benötigen mehr Driving Ranges in der Nähe von Städten. Das würde es Kindern ermöglichen, Zeit mit ihren Eltern zu verbringen und die Bälle soweit wie möglich zu schlagen. Der nächste Schritt, auch einmal auf einen Golfplatz zu gehen, wäre dann naheliegend.»


ZUR PERSON
Keith Marriott wurde 1957 in Oxfordshire, England, geboren und zog 1980 in die Schweiz. Er ist zweimal geschieden, hat zwei Kinder und zwei Enkelkinder. Zum Pro wurde er mit 16 Jahren und trat, bis er 25 wurde, bei Turnieren an. Er ist Advanced Pro und dreifacher A-Coach in Grossbritannien und Irland. Zu seinen Hobbys zählt Sport – aktiv sowie passiv. Seit drei Jahren ist er Präsident der Swiss PGA, zuvor war er drei Jahre Vizepräsident. Er unterrichtet bereits seit elf Jahren als Pro im GC Genf.

 

FOTO: HANSPETER FAHRNI




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