---
facebook twitter google plus print

Marco Rohr, CEO und Inhaber von Golfers Paradise, mit Olivier Widrig von Caligari Golf (von links)

Stillstand zum ungünstigsten Zeitpunkt

Wie viele andere Geschäfte, haben auch die hiesigen Golfshops unter dem Corona-Lockdown stark zu leiden. Welche Folgen das für die Shops hat und wie gegen die Umsatzverluste angekämpft wird, zeigt unsere kleine Umfrage.

Der Erfolg eines klassischen Golfshops hängt in erster Linie von zwei Faktoren ab. Erstens von der Qualität der angebotenen Produkte und zweitens vom direkten Kundenkontakt, von der Beratung und dem Service. An Top-Qualitätsprodukten mangelt es den hiesigen Golfshops nicht. Auch was den Servicegedanken und die Kundenfreundlichkeit anbelangt, bewegt man sich in Schweizer Golfshops meist auf einem durchaus hohen Niveau. Unglücklicherweise kommt diese Kundenfreundlichkeit in diesen Tagen jedoch überhaupt nicht mehr zum Zug, da im Rahmen des schweizweiten Corona-Lockdowns auch sämtliche Golfshops ihre Türen schliessen mussten.

Wir haben uns bei verschiedenen Golfshop-Betreibern umgehört und nachgefragt, was diese noch nie dagewesene Situation für das jeweilige Unternehmen bedeutet und welche neuen Ideen allenfalls aus der Not heraus entstehen.

Grosse Verluste
«Die Umsatzzahlen sind bei uns seit dem 16. März nahezu bei Null angelangt», berichtet Pascal Truniger von der Golf Arena GmbH in Pfäffikon. Die wirtschaftlichen Folgen würden einschneidend und immens sein. Und dass der bereits entstandene Umsatzverlust wieder aufholbar sei, daran glaubt Truniger nicht so ganz. Ebenfalls schwer getroffen vom Lockdown zeigt man sich beim City Golf Shop in Zürich. «Die Vorbereitungen der Saison waren in vollem Gange und die neuen Produkte laufend am eintreffen. Die Gestelle waren voll und dann kam der Befehl zur Schliessung», blickt Inhaber und Geschäftsführer Andrej Kübli zurück. Der Umsatzausfall sei auch deshalb massiv, da die Monate März, April und Mai stets die wichtigsten der Saison seien und diese nun schlicht wegfallen würden.

Selbstredend beeinträchtigt die aktuelle Situation nicht nur die Umsätze der Shops, sondern auch deren Angestellte. «Wir haben seit dem 17. März alle Mitarbeiter in der Kurzarbeit», sagt etwa Milan Kunze von Go 4 Golf im bernischen Schönbühl. Auch Beat Moeri von der Forgolfer GmbH in Aesch im Kanton Basel-Land musste für seine Mitarbeiter Kurzarbeit beantragen. «Ebenfalls habe ich als selbstständiger Unternehmer Unterstützung sowie über die Wirtschaftskammer des Kantons Basel-Land die offerierte à fond perdu Unterstützung beantragt», erklärt Moeri.

Neue Wege gehen
So dramatisch die aktuelle Situation bei manchen Shop-Betreibern derzeit aussieht und es ohne Zweifel auch ist, kann Not bekanntlich auch erfinderisch machen. Dementsprechend versuchen die meisten Golfshops ihre Ausfälle mit neuen Ideen zumindest bis zu einem gewissen Teil zu kompensieren. So auch Nino Ziegler vom The Golfer’s Golfshop im bündnerischen Malans. Hier wurde die Aktion «Pay now! Take it later» ins Leben gerufen. Unter diesem Motto können die Kunden einen zeitlosen Gutschein – ab einer Höhe von 200. Franken inklusive einem Simulator-Gutschein für eine Stunde Indoor Golf – für sich oder als Geschenk erwerben und diesen dann zu einem späteren Zeitpunkt, in der «Nach-Corona-Zeit», einlösen. Damit erhoffen sich Ziegler und sein Team, auch bei geschlossenen Shops zumindest ein wenig Umsatz machen zu können.

Selbstverständlich wird in diesen Tagen auch vermehrt Gewicht auf den Online-Bereich gelegt. Bei manchen wird dieser Bereich einfach noch weiter ausgebaut und verbessert, wie beispielsweise bei der Golfers Paradise AG. «Wir haben Anfang April einen komplett neuen Webshop aufgeschaltet», sagt CEO Marc Rohr (links auf dem Foto). Hier finde der Kunde neu 95 Prozent des Stammsortiments und die Mitarbeiter aus den geschlossenen Filialen würden dabei helfen, in der Zentrale Kundenanfragen per Telefon oder Mail möglichst schnell zu beantworten. Sozusagen rundum erneuert wird das Online-Angebot derweil bei Andrej Kübli und seinem City Golf Shop in Zürich. «Bei uns ist der Online-Bereich bisher eher stiefmütterlich behandelt worden», gesteht Kübli. Man habe zwar einen Online-Shop aber die Haupteinnahmequelle sei eindeutig das Ladengeschäft. Aufgrund des Lockdowns habe man sich nun aber entschlossen, das Angebot auszuweiten und noch mehr Zeit und Geld in das Online-Business zu investieren.


Text: Franco Brunner

 

 





Anzeige